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"Jesus von Nazareth war nicht Gottes Sohn, starb nicht am Kreuz, war mit Maria Magdalena verheiratet und seine Nachkommen gründeten eine dynastische Linie, die bis in die Gegenwart reicht." - So wird eines jener Bücher beworben, die sogenannte "moderne Jesusbilder" verbreiten und damit oft nicht wenig Geld machen, wie der Bestseller "Das Sakrileg" über einen angeblichen "Da Vinci-Code" und dessen Verfilmung beweisen. Während der Autor Dan Brown hier mit großem Erfolg längst widerlegte Abstrusitäten und Irrtümer anderer, damit weniger bekannt gewordener "Schreiberlinge" wieder aufgewärmt hat, wird das derzeit noch mit einem Buch über ein fantasiertes Magdalena-Evangelium getoppt.
Auf großes Interesse stoßen auch wieder jene antiken sogenannten apokryphen Schriften und insbesondere "unechten Evangelien", die nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden - manche davon ja vielleicht auch zu Unrecht und etwas willkürlich. Doch darunter befinden sich auch Schriften, die unter einer scheinbar christlich inspirierten Oberfläche im Grunde ein nicht-christliches Gottes- und Heilsverständnis zu propagieren suchen, das in deutlichem Widerspruch zu den biblisch überlieferten Aussagen Jesu steht.
Dessen im Kanon des Neuen Testaments nicht beschriebene Kindheit und Jugend vor seinem öffentlichen Auftreten dient den Autoren diverser "alternativer" Jesusbilder als Aufhänger für ihre Geschichten. So soll nach einigen davon Jesus in jenen Jahren angeblich nach Indien gepilgert sein, wo es damals bereits kleine Gemeinden ausgewanderter Juden gegeben habe. Dort habe er dann auch die damalige östliche Philosophie studiert und sei danach zu seinem biblisch überlieferten Wirken in die Heimat zurückgekehrt. Er habe seine Kreuzigung überlebt, sei nach seinem in den Evangelien beschriebenen Auftreten als Überlebender (oder doch als Auferstandener?) nach Indien zurückgekehrt, um dort viele Jahre später als hochbetagter Familienvater und Ahnherr einer heute noch in Kaschmir existierenden Sippe zu sterben. Ein kleines, nach Meinung von Fachleuten möglicherweise tatsächlich aus dem späten 1. Jahrhundert n.Chr. stammendes Familien-Mausoleum firmiert seither unter der Bezeichnung "Das Christusgrab von Srinagar".
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Mit solchen und ähnlichen Geschichten setzt sich der (evangelische) Koblenzer Bibelwissenschaftler Roman Heiligenthal in seinem Buch "Der verfälschte Jesus" kompetent und kritisch auseinander. Hier die bibliographischen Daten dazu: Roman Heiligenthal: "Der verfälschte Jesus - Eine Kritik moderner Jesusbilder." 2. überarb. und erw. Aufl. Darmstadt 1999: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. kart., 166 S., ISBN 3-534-14457-0
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Jesus als sexuelle Person findet im biblischen Bericht keinen Niederschlag. Das interessierte die Autoren wohl einfach nicht. Wie Dr. Weicker in seinem Artikel "Kann man die Bibel mit schwul-lesbischen Augen lesen?" (in der Übersicht "Wissenswertes" der folgende Beitrag) zu Recht anmerkte, wird sein Sexualleben - wenn er denn eines hatte - in den Augen der Menschen seiner Zeit für einen Wanderprediger nicht so auffällig, außergewöhnlich oder bemerkenswert gewesen sein. Denn sonst hätten ihn seine Gegner sicherlich deswegen angegriffen - und das hätte dann wohl auch im biblischen Bericht seinen Niederschlag gefunden. Andererseits sollte und wollte der "Menschensohn" voll und ganz Mensch sein und da gehört - jedenfalls für die allermeisten - auch das Bedürfnis nach Liebe dazu. Nun wird in der Bibel sowohl von seiner - vielleicht ja auch nur "platonischen" - Liebe zu seinem Jünger Johannes berichtet als auch - zumindest in den Augen mancher Leser - Anlass zu Spekulationen über "Frauengeschichten" gegeben, zum Beispiel in Bezug auf Maria Magdalena. Wir wissen es nicht und können die Frage auch nicht wirklich seriös entscheiden. Auf zwei neu erschienene Bücher, die ohne den Versuch einer allzu platten "Beweisführung" einfach einmal von der Annahme ausgehen, Jesus könne ja vielleicht schwul gewesen sein, sei an dieser Stelle noch hingewiesen. Den Bezug dazu liefert natürlich vor allem die bekannte Stelle aus dem Johannes-Evangelium "Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte." (Joh. 13,23).
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Im Juli 2006 erschien im Schutter-Verlag, Lahr/Schwarzwald, ein Buch von Klaus Dede unter dem Titel "Jesus - schwul?". Der Autor, Jahrgang 1935 und aus einem evangelischen Pfarrhaus hervorgegangen, bezeichnet sich heute als Atheist und will die christlichen Kirchen mit seiner These zu einem Dialog über das Außenseitertum Jesu herausfordern. Wir bieten hier zur Information einen Link zu einer lesenswerten Buchbesprechung des offen schwulen und zugleich in der katholischen Kirche beheimateten Schauspielers und Musikers Johannes Brinkmann sowie die bibliographischen Angaben zum Buch.
Die besagte Buchbesprechung finden Sie im Internet unter:
http://www.jesus.schutter-verlag.de/zumbuch/buchrezensionen/jbrinkmann/index.php
(Es gilt unser Disclaimer vom Kopf der Linkliste.- (* Hinweis zu diesem Link))
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Klaus Dede: Jesus - schwul? |
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Zu Kittredge Cherry´s Roman "Jesus in Love"Die lesbische Autorin, Mitglied und Predigerin in der MCC (Metropolitan Community Church) hat Ende 2006 diesen Roman vorgelegt, in dem sie fiktiv von einer echten schwulen Liebesbeziehung zwischen Jesus und seinem Lieblingsjünger Johannes ausgehen soll. (Diese Information entnahm ich wie das nebenstehende Titelbild dem Internet; das Buch selbst hat mir noch nicht vorgelegen.) Kittredge Cherry: "Jesus in Love". USA im Dezember 2006: Verlag nicht bekannt. Tb., 328 S., ISBN 1-933993189 |
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"Jesus in Love" ist inzwischen auch auf Deutsch erschienen:
Kittredge Cherry: Jesus in Love. 288 Seiten, Toenisvorst: Mühlinghaus Literatur-Verlag / Edition Euqor
Siehe auch die Webseiten: |
Dazu schrieb uns der Verlag in einer Presseinformation: "Der in Amerika sehr umstrittene Roman über einen bisexuellen Jesus ist jetzt in der deutschen Übersetzung erschienen: Was, wenn Jesus wusste, wie es ist, anders zu sein? Überraschende Antworten finden sich in `Jesus in Love´, einem Roman, der sich das Leben Jesu neu vorstellt: Als erotisches und mystisches Abenteuer im Palästina des ersten Jahrhunderts. Jesus, der Erzähler, spricht mit einer mitreißenden modernen Stimme, wenn er seine engen Beziehungen offenlegt: Mit Johannes, dem geliebten Schüler (einem schwulen Mann, der den Tod seines Liebhabers betrauert), mit Maria Magdalena (einer hochintelligenten Überlebenden sexuellen Missbrauchs) und mit dem vielgeschlechtlichen Heiligen Geist. Kittredge Cherry ist eine lesbische, christliche Autorin, deren Kirchendienst sie auf den schmalen Grat der internationalen Diskussion von Sexualität und Spiritualität geführt hat. Auf ihrer Website `JesusInLove.org´, der ersten Seite, die sich mit dem schwulen Christus befasst, stellt sie spirituelles Material zur Verfügung. Cherry wurde von den Metropolitan Community Churches geweiht und war sieben Jahre als Geistliche in der LGBT-Gemeinde tätig, bevor gesundheitliche Probleme sie zu einem beschaulicheren Leben zwangen. Das Schreiben von `Jesus in Love´ hat Cherry geholfen, ihre gesundheitlichen Probleme zu meistern. ``In meinem Gebet traf ich einen Jesus mit der göttlichen und menschlichen, also der gesamten Palette der sexuellen Orientierung und geschlechtsspezifischen Identität´´, sagte sie."
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Erstfassung (zurückgezogen) 29.09.2006; letzte Änderung am 17.07.2008 (Link aktualisiert)