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In der Vorstellungswelt vieler Generationen - auch der Homosexuellen selbst - schlossen sich Elternschaft und homosexuelles Leben gegenseitig aus. Das ändert sich heute und die Zahl sogenannter Regenbogenfamilien - lesbische Mütter oder schwule Väter mit Kindern - nimmt ständig zu. So wachsen derzeit in Deutschland Tausende von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder bei lesbischen oder schwulen Elternteilen auf. In den meisten Fällen stammen diese Kinder aus deren früheren heterosexuellen Beziehungen; doch zunehmend sehen heute Lesben und Schwule in ihrem Coming Out keinen Grund, auf den Wunsch nach eigenen Kindern zu verzichten.
Die Realisierung dieses Kinderwunsches wie auch das Alltagsleben als Regenbogenfamilie ist für sie jedoch mit weitaus mehr Schwierigkeiten verbunden als sie heterosexuelle Frauen und Männer hierzulande zu meistern haben. Fortschrittlichere europäische Länder wie die Niederlande oder die Staaten im Norden Europas zeigen hingegen, dass das auch anders geht.
Um den Mangel an wissenschaftlicher Forschung zu diesem Thema in Deutschland auszugleichen und Defizite bei der rechtlichen und gesellschaftlichen Anerkennung von Regenbogenfamilien konkret benennen zu können, gab das Bundesjustizministerium (BMJ) 2006 eine Studie über Regenbogenfamilien beim Bayrischen Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb) und beim Staatsinstitut für Frühpädagogik in München (ifp) in Auftrag. Am 23. Juli 2009 wurden die Ergebnisse dieser ersten repräsentativen wissenschaftlichen Studie in Deutschland über "Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften" von der damaligen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries und von Marina Rupp vom ifb vorgestellt. - Am 28. Oktober 2009 wurde darüber auch beim Runden Tisch für Lesben und Schwule unserer Landeshauptstadt Hannover referiert.
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Basis dieser Studie ist neben der Auswertung von statistischem Material eine in den Jahren 2007 und 2008 durchgeführte Befragung von insgesamt 1.059 Eltern in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Daneben wurden 95 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren telefonisch zu ihrer Entwicklung, zu Diskriminierungserfahrungen und zur Einschätzung ihrer gesamten Lebenssituation interviewt. Ferner wurden 29 Expert(inn)en aus den Bereichen Rechtswesen, Familienberatung und -therapie, Jugendamt, Lehrerschaft sowie Vertreter(inn)en von Verbänden, die mit Regenbogenfamilien vertraut sind, um eine Einschätzung gebeten zur rechtlichen und sozialen Situation von Eingetragenen Lebenspartnerschaften, in denen Kinder aufwachsen.
Etwa 2.200 Kinder lebten zur Zeit der Studie in Deutschland in Eingetragenen Lebenspartnerschaften. Es gibt aber weit mehr Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern, wobei diese entweder nicht mit ihrem homosexuellen Elternteil zusammenleben oder bei gleichgeschlechtlichen Elternpaaren, die ihre Partnerschaft (noch) nicht haben eintragen lassen. Fast je zur Hälfte wurden diese Kinder in die bestehende gleichgeschlechtliche Partnerschaft hineingeboren oder stammen aus früheren heterosexuellen Beziehungen ihrer heute lesbisch oder schwul lebenden Eltern (48 bzw. 44%). Nur sehr wenige Kinder in Regenbogenfamilien sind dagegen Adoptiv- oder Pflegekinder (1,9 bzw. 6%). Die zum 01.01.2005 eingeführte Möglichkeit zur Stiefkindadoption durch die Partnerin oder den Partner wurde in einem Viertel aller Fälle leiblicher Kinder des einen Elternteils genutzt - nahezu ausschließlich bei Kindern, die als gemeinsames Wunschkind ihrer lesbischen Mütter in der aktuellen Partnerschaft geboren wurden (94%).
Der von Außenstehenden oftmals vorgebrachten Sorge, Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften könnten die jeweils anderen (männlichen oder weiblichen) Rollenvorbilder in ihrer Entwicklung fehlen, steht die hier gemachte Feststellung gegenüber, dass die Eltern sehr wohl Wert auf den Umgang ihrer Kinder mit Bezugspersonen des anderen Geschlechts zu legen pflegen. Auch gibt es im Falle von Kindern aus früheren heterosexuellen Beziehungen oder bei jenen, deren Samenspender bekannt ist, bei Regenbogenfamilien, so ein Ergebnis, deutlich häufiger und regelmäßiger Kontakte zum außerhalb der Lebenspartnerschaft lebenden leiblichen Elternteil als dies in heterosexuellen Trennungsfamilien zu finden ist.
In der Persönlichkeitsentwicklung, der schulischen und beruflichen Entwicklung und Leistung sowie der Entwicklung emotionaler und sozialer Kompetenz stehen Kinder aus Regenbogenfamilien den Kindern aus heterosexuell geprägten Familien in nichts nach; sie entwickeln hingegen sogar ein nachweislich höheres Selbstwertgefühl als Gleichaltrige in anderen Familienformen.
Kinder und Jugendliche, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen, bewerten ihre Familiensituation durchweg positiv. Zwar gibt es durchaus auch Diskriminierungserfahrungen - überwiegend in Form von Hänseleien oder Beschimpfungen durch Gleichaltrige - aber dank des Rückhalts, den die Eltern ihnen geben, wächst sich dies in aller Regel nicht zu schwerwiegenden psychischen Problemen aus. - Die meisten gleichgeschlechtlichen Eltern und ihre Kinder gehen mit ihrem Regenbogenfamilienhintergrund offen um und zwar nicht nur im Freundes- und Familienkreis, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder bei Behörden, sondern auch im kindlichen Lebensumfeld wie der Schule, dem Kindergarten und gegenüber den Freund(inn)en der Kinder.
Die befragten Expert(inn)en schließlich sprachen sich zu mehr als zwei Dritteln für konkrete Verbesserungen bis hin zur Beseitigung sämtlicher bestehender Ungleichheiten zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren und Ehepaaren aus.
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Rupp, Marina - Becker-Stoll, Fabienne - |
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Das Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb) hat die Lebenssituation von gleichgeschlechtlichen Paaren, die mit Kindern zusammenleben, in Deutschland erstmals umfassend untersucht. In unserer Folgestudie interessieren wir uns für die Lebensumstände und Wünsche der bislang nicht berücksichtigten Gruppen. Sie wendet sich somit an gleichgeschlechtlich orientierte Personen ohne Kinder, an lesbische und schwule Eltern, deren Kind(er) außerhalb des Haushaltes aufwachsen und an alleinerziehende lesbische und schwule Eltern mit Kind(ern) im Haushalt.
Um ein umfassendes Bild gleichgeschlechtlicher Personen und Paare zu erhalten, gehen wir in der Befragung unter anderem auf Themen wie Gestaltung von Partnerschaften, Aufteilung von Erwerbstätigkeit und häusliche Aufgaben, Kinderwunsch, Kontakt und Beziehungsgestaltung zum eigenen Kind und persönliche Diskriminierungserfahrungen ein.
Am 01. Dezember 2009 startet unsere Online-Befragung. Weitere Informationen über uns und unser Projekt "Gleichgeschlechtliche Lebensweisen in Deutschland" sowie den Zugang zur Befragung finden Sie auf: www.ifb-bamberg.de/glg/.
Wir würden uns freuen, wenn Sie an unserer Befragung teilnehmen!
Das Team des ifb
Dr. Marina Rupp, Dipl.-Psych. Pia Bergold, Dipl.-Soz. Andrea Dürnberger
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© HuK Hannover e.V. (& ifb Bamberg) 04.12.2009 - letzte Änderung am 16.12.2009