Wissenswertes



Wissenswertes zum HIV-Test

Suchtest - Bestätigungstest -
Schnelltest - Fehlerquoten



Das Material dieser Themenseite erschien zuerst in "Infact", Magazin der AIDS-Hilfen, herausgegeben von der AIDS-Hilfe Offenbach e.V., Ausgabe Juli / August 2009, Heftinnendeckel ("Der HIV-Test") bzw. S. 15 - 17 ("Fehlerquoten beim HIV-Test"). Wir danken Herrn Dr. Armin Schafberger von der DAH für die Genehmigung der Verwendung in unserer Homepage und Kalle Ohnemus von der "Infact"-Redaktion für seine Vermittlung und die Bereitstellung der Originalgraphiken (© Paul Bieri / Grafikpool der DAH).


Der HIV-Test: Grundsätzliches

Der HIV-Test untersucht, ob der Körper Abwehrstoffe = Antikörper gegen das Virus gebildet hat. Solche Antikörper werden in der Regel innerhalb von drei bis zwölf Wochen nach einer Infektion gebildet. Wenn Sie ausschließen wollen, dass Sie sich mit HIV infiziert haben, sollten Sie den Test frühestens drei Monate nach der letzten Risikosituation durchführen lassen [also nach der "diagnostischen Lücke"].

Antikörper bei frisch infizierten Personen (Graphik): 
Nach 12 Wochen sind bei allen Infizierten (100%) Antikörper nachweisbar.
Graphik: "Akute Infektion: Mit Erscheinen der Antikörper geht die Viruslast zurück."

Suchtest

Für den HIV-Antikörpertest wird Ihnen Blut abgenommen und mit einem Suchtest (dem sogennanten Elisa) auf Antikörper untersucht. Dieser Test ist so empfindlich, dass er auch geringe Mengen Antikörper entdeckt. Findet man keine Antikörper, wird man Ihnen dieses Ergebnis mitteilen. Werden hingegen Antikörper nachgewiesen (= Suchtest reaktiv), wird ein aufwendigerer (und teurerer) Bestätigungstest vorgenommen. Aufgrund der hohen Empfindlichkeit kann der Suchtest nämlich auch »falsch positive« Testergebnisse produzieren – ähnlich wie ein Feuermelder bereits bei der geringsten Hitze- und Rauchentwicklung Alarm geben kann, ohne dass es wirklich brennt.

Bestätigungstest

Der Bestätigungstest (meistens der so genannte Western Blot) wird normalerweise mit derselben Blutprobe durchgeführt wie der Suchtest, so dass Sie sich die Belastung durch eine zweite Blutabnahme und die erneute Wartezeit sparen können. Wenn auch der Bestätigungstest Antikörper gegen HIV nachweist, wird man Ihnen das Ergebnis "HIV-Antikörpertest positiv" mitteilen.

Schnelltest

"Schnell-Suchtests" sind mittlerweile in Deutschland zugelassen, auch sie gelten als sicher.

Heimtest

"Tests für Zuhause" sind in Deutschland nicht zugelassen, weil sie störanfällig sind und leicht zu falschen Ergebnissen führen können.

Direkter Virusnachweis

In seltenen Fällen (z.B. bei Neugeborenen von HIV-infizierten Müttern) setzt man zur Feststellung einer HIV-Infektion auch den direkten Nachweis von Viren bzw. Virus-Erbmaterial ein (meistens mit einem so genannten PCR-Test). Dieser Test ist aber weniger genau als der Antikörpernachweis, d.h. das Risiko falscher Ergebnisse ist größer. Deshalb muss auch das Ergebnis »kein Virusnachweis« immer durch einen HIV-Antikörpertest (also frühestens drei Monate nach der letzten Risikosituation) bestätigt werden. Der direkte Virusnachweis ist außerdem sehr teuer und muss in der Regel selbst bezahlt werden.

Das Testergebnis wird Ihnen in der Regel 7-10 Tage nach der Blutabnahme mitgeteilt. Das sollte immer im Rahmen eines persönlichen Beratungsgespräches »von Angesicht zu Angesicht« geschehen.

© Text: DAH-Broschüre "Test?" (DAH Best.-Nr. 020099)

Graphik: "Ab wann ist welcher Test frühestens möglich?"

Ca. ab Tag 10: PCR: Nukleinsäurenachweis, Kosten ca. 100 Euro
Ca. ab Tag 14: P24-Antikörper-Kombinationstes, Kosten ca. 20 Euro
Ca. ab 6 Wochen: Antikörpertest (Schnelltest), Kosten ca. 10 Euro


Fehlerquoten beim HIV-Test

In der Beratung der AIDS-Hilfen tauchen immer wieder mal Menschen auf, deren Hausarzt sie mit einem positiven Elisa-Suchtest als HIV-positiv in die Beratung geschickt hat. Die dann über die AIDS-Hilfe erfolgte fachgerechte Testung führt in der Regel zu negativen Ergebnissen. Die Redaktion von "Infact" interessierte nun, wie es dazu kommt. Dr. Schafberger vom Medizinreferat der Deutschen AIDS-Hilfe nahm dazu wie folgt Stellung.

Schnelltests fallen bei Heterosexuellen häufiger falsch positiv als richtig positiv aus

Schnelltests bestehen nur aus einem Suchtest. Entscheidend ist, dass den Klienten das Ergebnis sofort mitgeteilt wird. Problemlos ist dies im Falle eines negativen Ergebnisses. Dies bedarf – wie auch beim klassischen HIV-Test - keiner Bestätigung, da bei Suchtests generell (egal ob als Schnelltest oder als klassischer HIV-Test) eine hohe Sensitivität gefordert wird.

Anders als beim klassischen HIV-Test muss aber ein reaktives (vermeintlich positives) Ergebnis mitgeteilt werden. [Im Falle des klassischen Tests] wird das Ergebnis des Bestätigungstestes abgewartet, der aus der gleichen Blutprobe gemacht wird wie der Suchtest. Anders ist das beim Schnelltest. Der Klient erwartet nach spätestens einer Stunde eine Antwort. Außerdem muss ihm jetzt aus der Vene Blut für den Bestätigungstest entnommen werden. Dem Klienten darf nach einem Schnelltest nicht mitgeteilt werden, er sei HIV-positiv. Es sollte mitgeteilt werden, dass der Test "reaktiv" ausgefallen ist und weiterer Abklärung bedarf. Denn das reaktive Ergebnis kann sowohl richtig als auch falsch positiv sein.

Wie häufig gibt es falsch positive Ergebnisse?

HIV-Antikörpertests liefern - richtig angewandt - zu über 99% richtige Ergebnisse. Solch eine hohe Trefferquote ist bei medizinischen Tests selten. Grundsätzlich aber gibt es auch beim HIV-Test zweierlei Arten von Fehlern: der Test kann falsch negativ ausfallen oder falsch positiv.

Die Sensitivität eines Testes beschreibt die Fähigkeit, eine positive Probe als positiv zu erkennen. Die Tests haben meist eine Sensitivität von 100%. Man könnte auch sagen, die Tests sind super-sensibel oder überdreht-hysterisch eingestellt. Es handelt sich schließlich um Suchtests. Ihnen geht keine positive Probe "durch die Lappen".

Dafür produzieren sie aber eine andere Art von Fehlern: falsch positive Ergebnisse. Die Spezifität eines Testes beschreibt die Fähigkeit, negative Proben auch als negativ zu erkennen. Wenn man sich die Werte anschaut, sieht es auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus, denn die Spezifität von Labor-Suchtests oder von Schnelltests liegt bei 99,7 oder 99,8%. Wo aber liegt das Problem?

Der gleiche Test liefert nämlich bei unterschiedlichen HIV-Prävalenzen unterschiedliche Gesamtergebnisse. Und das Problem taucht auf, wenn die Infektion in der zu testenden Bevölkerung selten ist.

99,7% Spezifität bedeutet, dass der Test bei 10.000 HIV-negativen Klienten 9970 mal (in 99,7%) ein richtig negatives Ergebnis und 30 mal (in 0,3% der Fälle) ein falsch positives Ergebnis anzeigt.

Für die Werte eines Schnelltests mit 100% Sensitivität und 99,7% Spezifität haben wir für verschiedene Prävalenzen die Ergebnisse eines Screenings von 10.000 Personen berechnet:

Suchtest mit 100% Sensitivität und 99,7% Spezifität,
10.000 Tests bei verschiedener Prävalenz

Tabelle:

Prävalenz  Richtig positiv  Falsch positiv  Positiver Vorhersagewert
10%                1000             30                 0.97 (97%)
  2%                  200             30                 0.87 (87%)
  1%                  100             30                 0.77 (77%)
  0,1%                 10             30                 0.25 (25%)


Testet man in einer Bevölkerung mit einer HIV-Prävalenz von 10%, dann spielt das "Problem" des nicht durchgeführten Bestätigungstests keine so große Rolle. Denn der Schnelltest (100% Sensitivität, 99,7% Spezifität) erkennt von 10.000 Klienten alle 1000 Positiven als "positiv" (100% Sensitivität) und lediglich 30 Personen (99,7% Spezifität) als positiv, die in Wirklichkeit HIV-negativ sind (falsch positives Ergebnis).

Der Klient fragt nun, wie sicher sein reaktives Testergebnis ist. Und bei einer Prävalenz von 10% kann man ihm sagen, dass er zu 97% wirklich HIV-positiv ist (positiver Vorhersagewert).

Testet man in einer Bevölkerung mit einer HIV-Prävalenz von 0,1% (deutsche Allgemeinbevölkerung, nicht unterschieden nach MSM, Hetero ...), dann spielt das Problem des (noch) nicht durchgeführten Bestätigungstests eine sehr große Rolle. Denn der Schnelltest erkennt zwar die zehn Positiven aus den 10.000 Personen, allerdings zeigt er auch bei 30 HIV-negativen ein reaktives Ergebnis an (falsch positiv). Ein reaktives Ergebnis ist also für einen Klienten nur zu 25% auch richtig (Vorhersagewert) und zu 75% falsch positiv.

Beim Einsatz von Schnelltests ist somit sicherzustellen, dass die Prävalenz in der Testpopulation so hoch ist, dass das Verhältnis von richtig zu falsch positiven Ergebnissen ein erträgliches Maß erreicht. Dies ist z.B. bei einer Prävalenz von über 1% der Fall. Eine Prävalenz von über 1% findet sich nicht in beliebigen "Settings", sondern nur an Orten der klassischen AIDS-Hilfe-Arbeit (Lokalisationen für MSM, Einrichtungen der Drogenhilfe, ...). Das Setting ist also entscheidend. Außerdem kann man über eine Risikoanamnese die Prävalenz im Testkollektiv künstlich erhöhen (indem man Personen ohne Risiko keinen Schnelltest anbietet).

Die Prävalenz der HIV-Infektion in einer Fußgängerzone hingegen liegt bei unter 0,1%. Die HIV-Prävalenz der Heterosexuellen in der Fußgängerzone liegt sogar deutlich unter 0,1%. Hier produziert der Test mehr falsch positive als richtig positive Ergebnisse.

In der klassischen Test-Situation mit Suchtest und Bestätigungstest spielen diese Überlegungen keine Rolle. Der Suchtest (Elisa) ist supersensibel eingestellt und liefert mit 100% Sensitivität keine falsch negativen Ergebnisse (wenn man die diagnostische Lücke beachtet hat). Dafür produziert der Suchtest ein paar falsch positive Ergebnisse. Diese werden nicht mitgeteilt und die Blutproben aller reaktiven Tests durchlaufen einen Bestätigungstest. Dieser Test (in Deutschland ein Western-Blot) ist nicht hochsensibel, sondern hochspezifisch eingestellt und fischt die falsch positiven wieder raus. Insgesamt hat man dann mit Such- und Bestätigungstest gemeinsam eine Sensitivität UND Spezifität von annähernd 100%. Besser geht es nicht.


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© 2009 Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) & HuK Hannover e.V. 01.12.2009 - letzte Änderung am 02.12.2009