Wissenswertes

EuroFLAG´s Daphne II-Projekt:

"Family Matters - Supporting families to prevent violence
against gay and lesbian youths"

Inge Breuling von der Nürnberger Elterngruppe im BEFAH ist dessen Repräsentantin im im Jahr 2000 gegründeten europäischen Dachverband der Elternorganisationen EuroFLAG (European Organisations for Families of Lesbians And Gays). Beim Bundeselterntreffen im Mai 2009 in Stuttgart berichtete sie daher sowohl von ihrer Elterngruppe als auch von EuroFLAG und da insbesondere vom 2008 abgeschlossenen Projekt "Family Matters". Dem war eine von EuroFLAG initiierte Pilotstudie des Thomas Coram Instituts der Universität London vorausgegangen, in der in sehr kleinem Rahmen junge Lesben und Schwule und deren Familien in Frankreich, Belgien, Deutschland und Großbritannien zu den Rahmenbedingungen des Coming outs befragt worden waren. Übereinstimmend wurden diese in allen vier Ländern als sehr unbefriedigend beschrieben: Die Aufklärung zum Thema Homosexualität im Schulunterricht war sehr dürftig bis nicht vorhanden und in keiner Weise hilfreich; gleiches galt für die Darstellung in den Medien, die als vorwiegend auf die Bedienung von Klischees und Stereotypen gerichtet und als fern der Lebenswirklichkeit junger Menschen beschrieben wurde.

Vor diesem Hintergrund hatte die EuroFLAG auf Initiative der italienischen Mitgliedsgruppe AGEDO im Jahre 2005 bei der Europäischen Union eine Projektförderung für zwei Jahre im Rahmen des sozialwissenschaftlich-sozialpolitischen Förderprogramms "Daphne II" beantragt und auch bewilligt bekommen (Obacht: Bei der EU / Daphne II wird der Projektzeitraum seither immer mit 2005-2007 angegeben; die tatsächliche Durchführung lag aber in den Jahren 2006-2008). Federführend war hierbei die Sozialwissenschaftliche Abteilung der Avogadro- Universität Ost-Piemont, Italien, und beteiligt waren die drei EuroFLAG-Mitgliedsorganisationen in Italien (AGEDO), Spanien (AMPGIL oder auch AMPGYL) und Großbritannien (FFLAG). Das Projekt – intern oft nur "the project" genannt – trug die offizielle Bezeichnung "Family Matters - Supporting families to prevent violence against gay and lesbian youths" und zielte somit (ins Deutsche übersetzt und zugleich ein wenig erklärt) darauf ab, wie man Familien mit schwulen und lesbischen Jugendlichen darin unterstützen könne, auf einer Basis der innerfamiliären Akzeptanz einen psychologisch starken Rückhalt gegen soziale Stigmatisierung und Diskriminierung bis hin zu Akten antihomosexueller Gewalt aufzubauen. Über 200 Familien waren in das Projekt einbezogen worden und konkret herausgearbeitet wurde dabei insbesondere in Spanien Handlungsbedarf im öffentlichen Sektor zur Unterstützung der Familien sowie Bedarf zur Kapazitätsförderung nichtstaatlicher Angebote in Großbritannien; in Italien entstand aus dem Projekt ein Film in italienischer Sprache, der auch mit englischen und spanischen Untertiteln erhältlich ist. Nach Projekttagungen in Bristol und Barcelona fand die Abschlusstagung vom 21. bis 22. Juni 2008 in Florenz statt. EuroFLAG plant nun für die nächste Zukunft, das erarbeitete Projektmaterial auch in andere europäische Sprachen übersetzen zu lassen und hofft, dann besonders in jenen EU-Mitgliedsstaaten, in denen es noch überhaupt keine staatliche Unterstützung für lesbische und schwule Jugendliche und ihre Familien gibt, damit die erforderlichen Entwicklungen in Gang setzen zu können.

Kein direktes Folgeprojekt, aber doch in Teilbereichen auf "Family Matters" aufbauend, ist das aktuelle "Parenting Project" (von parents = Eltern) der britischen FFLAG, das sich auf das eigene Land (und dort auf einzelne ausgewählte Orte) beschränkt und in Anbetracht der Feststellung, dass das Coming out heute in immer jüngeren Jahren erfolgt, der Verbesserung der innerfamiliären Akzeptanz und der Eltern-Kind-Beziehung dienen will.

Abschließend sei von EuroFLAG noch erwähnt, dass mittlerweile auch ein Kontakt zur Familiengruppe von Lambda Istanbul aufgenommen wurde; so waren Frau Dum (eine der beiden Vertreterinnen von Lambda Istanbul in Stuttgart), eine andere Mutter und ein junger Mann auch bei der Abschlusskonferenz von "Family Matters" in Florenz dabei.

(Die von Inge Breuling gegebenen Informationen zum "Family Matters"-Projekt wurden für diesen Beitrag um Ergebnisse einer Internet-Recherche des Redakteurs ergänzt. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die Webseite von EuroFLAG jetzt unter www.euroflag.net zu erreichen ist; die alte Adresse "www.euroflag.org" hingegen ist derzeit offenbar im Besitz einer bulgarischen Organisation, die mit unserem Thema wohl nichts zun tun hat.)

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© 2009 HuK Hannover e.V. - letzte Änderung am 01.09.2009