Wissenswertes



Wissenschaft contra "Umpolung":
Die Positionserklärung der American Psychological Association
(APA) von 2009 zu Konversionstherapien

American Psychological Association (APA), Presseerklärung vom 05.08.2009
(Übersetzung: Reinhold Weicker, HuK-Info [der "Bundes-HuK"] Nr. 174, Oktober - Dezember 2009, S. 42-43;
mit eigener Vorbemerkung unseres Internetredakteurs).

In den letzten Jahren ist ein Zunehmen der Propaganda selbsternannter "Homoheiler" zu beobachten, die - befeuert durch ideologie- und finanzstarke Partner in den USA - Lesben und Schwule zu "Umpolungstherapien" drängen, wie sie gemeinhin im Volksmund bezeichnet werden; sie selbst reden lieber von "Konversionstherapien" oder "reparativen Therapien". "Repariert" werden soll die homosexuelle Orientierung einer Person hin zur Heterosexualität - auffälligerweise immer nur in dieser, nie in umgekehrter Richtung. Opfer solcher (untauglicher) Therapieversuche sind vor allem junge Christen aus konservativen Milieus, denen ein angeblicher Widerspruch zwischen ihrer sexuellen Orientierung und ihrem christlichen Glauben eingeredet wurde, basierend auf einer primitiv-ahistorischen und in letzter Konsequenz unchristlichen Bibelauslegung. Sie werden so dazu gebracht, ihre naturgegebene sexuelle Orientierung als wesensfremd = irgendwie nicht zu sich gehörend ("ichdyston") zu empfinden und sich für viel Geld in die Hände von Psychoscharlatanen zu begeben. Besonders die Organisation "Wüstenstrom" und das pseudowissenschaftlich daherkommende sogenannte "Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft" (DIJG) haben diese unethische "Marktlücke" für sich entdeckt. Unethisch, weil psychologisch hilfsbedürftigen Klienten/innen hier eher Schaden zugefügt als geholfen wird. So auch das Fazit einer Arbeitsgruppe der American Psychological Association (APA), die die aus dieser Richtung produzierte Literatur kritisch durchgesehen und auf ihre wissenschaftliche Substanz geprüft hat - mit vernichtendem Urteil:

Ungenügend sei die Evidenz dafür, dass Anstrengungen zur Änderung der sexuellen Orientierung erfolgreich sind, stellt die APA zusammenfassend fest. Therapeutisch Tätige sollen vermeiden, ihren Klienten zu sagen, dass sie sich von homosexuell nach heterosexuell ändern können.

TORONTO. Der US-amerikanische Fachverband der Psychologen nahm am Mittwoch eine Entschließung an, die feststellt, dass Fachleute im Gebiet der seelischen Gesundheit es vermeiden sollen, ihren Klienten zu erklären, dass sie ihre sexuelle Orientierung durch Therapie oder andere Behandlung ändern können.Die "Resolution zu geeigneten affirmativen Antworten auf Spannungen im Zusammenhang mit sexueller Orientierung und zu Veränderungsanstrengungen" empfiehlt auch, dass Eltern, Erziehungsberechtigte, junge Menschen und ihre Familien Behandlungen vermeiden, die Homosexualität als geistige Krankheit oder als Entwicklungsstörung darstellen. Stattdessen sollen sie sich nach Psychotherapie, sozialer Unterstützung und Erziehungsdiensten umsehen, die "genaue Information zu sexueller Orientierung und Sexualität bieten, Unterstützung durch Familie und Schule vergrößern und Ablehnung von Jugendlichen, die einer sexuellen Minderheit angehören, reduzieren."

Die zustimmende Resolution durch den Repräsentativen Rat der APA kam während der Jahresversammlung der APA, bei der eine Arbeitsgruppe einen Bericht vorstellte, der in Teilen die Effizienz sogenannter "reparativer Therapien" oder von Änderungsanstrengungen zur sexuellen Orientierung (englisch "sexual orientation change efforts", SOCE) untersucht hatte.

"Im Gegensatz zu Behauptungen von Unterstützern und Anwendern sexueller Änderungsanstrengungen gibt es nur ungenügende Evidenz, die für die Anwendung psychologischer Intervention spricht, um die sexuelle Orientierung zu ändern", sagte Dr. Judith M. Glassgold, Vorsitzende der Arbeitsgruppe. "Wissenschaftlich verlässliche ältere Studien in diesem Gebiet zeigen, dass es unwahrscheinlich war, dass sich die sexuelle Orientierung durch solche Anstrengungen änderte. Im Gegensatz zu den Behauptungen von Vertretern und Unterstützern von Änderungsanstrengungen zur sexuellen Orientierung zeigen neuere Forschungsstudien keine Evidenz einer Änderung der sexuellen Orientierung, da die Forschungsmethoden ungenügend sind, um die Effektivität solcher Interventionen zu zeigen." Glassgold fügte hinzu: "Im besten Fall zeigten gewisse Studien, dass einige individuelle Personen lernten, ihre homosexuellen Gefühle zu ignorieren oder sie nicht in die Tat umzusetzen. Trotzdem zeigten diese Studien nicht, für wen dies möglich war, wie lange die Änderung vorhielt und was ihre langfristige Auswirkung auf die geistige Gesundheit war. Außerdem galt ein solches Resultat in wesentlich geringerem Umfang für Personen, die zu Beginn nur zu Menschen des gleichen Geschlechts hingezogen waren."

Auf dieser Auswertung basierend empfahl die Arbeitsgruppe, dass Fachleute im Gebiet der geistigen Gesundheit es vermeiden sollten, die Effizienz von Änderungsanstrengungen im Bereich der sexuellen Orientierung falsch darzustellen, wenn sie Hilfestellung leisten für Personen, die wegen ihrer eigenen sexuellen Orientierung oder wegen der anderer Personen besorgt sind.

Die APA hatte die aus sechs Personen bestehende Arbeitsgruppe zu angemessenen therapeutischen Antworten auf [Fragen der] sexuellen Orientierung 2007 eingesetzt mit der Aufgabe, die Resolution der APA von 1997 "Geeignete therapeutische Ansätze zur sexuellen Orientierung" kritisch durchzusehen und zu aktualisieren und einen Bericht zu verfassen. Die APA war besorgt über fortdauernde Anstrengungen, die die These propagierten, die sexuelle Orientierung könne geändert werden durch Psychotherapie oder durch Ansätze, die Homosexualität fälschlicherweise als geistige Störung charakterisieren.

Die Arbeitsgruppe untersuchte Artikel in seriösen wissenschaftlichen Zeitschriften (in englischer Sprache) zwischen 1960 und 2007, insgesamt 83 Studien. Die meisten Studien erfolgten vor 1978; nur einige wenige waren in den letzten zehn Jahren durchgeführt worden. Die Gruppe studierte auch die gegenwärtige Literatur zur Psychologie der sexuellen Orientierung. "Leider enthalten viele der Forschungen im Gebiet der sexuellen Orientierung ernsthafte Mängel im Ansatz", sagte Glassgold. "Nur wenige Studien konnten als methodisch seriös betrachtet werden; keine untersuchte mögliche systematische Schäden."

Zum Punkt möglicher Schäden war die Arbeitsgruppe nicht in der Lage, Folgerungen zu ziehen zu der Effizienz und der Sicherheit neuerer Studien von SOCE-Vertretern "Es gibt keine methodisch seriösen Studien neuerer SOCE-Vertreter, die eine definitive Aussage gestatten zu der Frage, ob SOCE sicher oder schädlich ist und für wen", sagt der Bericht. "Ohne solche Information können Psychologen die Folgen solcher Behandlungen nicht vorhersagen; sie müssen sehr vorsichtig sein, wenn man bedenkt, dass einige qualitative Forschungsergebnisse auf die Möglichkeit von Schädigungen hinweisen", sagte Glassgold. "Therapeutisch Tätige können ihren Klienten helfen durch Therapien, die nicht versuchen, die sexuelle Orientierung zu ändern, sondern Akzeptanz, Unterstützung und Erforschen und Entwickeln der Identität beinhalten, ohne dem Klienten/der Klientin eine spezifische letztendliche Identität aufzuerlegen."

Als Teil ihres Berichts fand die Arbeitsgruppe heraus, dass einige Klienten/Klientinnen, die versuchen, ihre sexuelle Orientierung zu ändern, wegen eines Konflikts zwischen ihrer sexuellen Orientierung und ihrem religiösen Glauben in Spannungen leben könnten. Die Arbeitsgruppe empfahl, dass professionelle Therapeuten, die solche Klienten/-innen behandeln, ihnen helfen, "mögliche Pfade des Lebens zu erkunden, die sich mit der Realität sexueller Orientierung beschäftigen, die das mit Homosexualität verbundene Stigma reduzieren, die den religiösen Glauben der Klienten/-innen respektieren und die Möglichkeiten einbeziehen, ein religiös und geistlich bedeutsames und lohnendes Leben zu führen." - "In anderen Worten", sagte Glassgold, "empfehlen wir, dass Psychologen völlig ehrlich sind über die [geringe] Wahrscheinlichkeit, dass sich die sexuelle Orientierung ändert und dass sie ihren Klienten/-innen helfen, ihre Annahmen und Ziele bezüglich beidem, der Religion und der Sexualität, zu erkunden."



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© 2009 HuK Hannover e.V. 02.12.2009 - letzte Änderung am 06.12.2009