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>> Auch in den deutschen Medien, allen voran dem Spiegel, wurde bald darauf ausführlich über diese neue Schwulenseuche berichtet, ohne dass letztendlich Klarheit über die genauen Ursachen der Erkrankung bestand. Man vermutete zwar bereits 1983, dass sie auf einen übertragbaren Erreger zurückzuführen sei, HIV als tatsächlicher Verursacher wurde jedoch erst im März 1985 sicher nachgewiesen.
Im Hannoveraner Lesben- und Schwulenzentrum HOME e.V. wurden diese Berichte ebenfalls mit Besorgnis gelesen. Zwar waren in Hannover noch keine konkreten Fälle von AIDS bekannt geworden, trotzdem trieb auch hier die Schwulen die Angst vor der Krankheit, vor allem aber auch vor staatlichen Repressalien um. Denn schon wurden seitens konservativer Parteien Forderungen laut, die Betroffenen zu kasernieren und die schwule Subkultur als vermeintliche Keimzelle zu unterbinden.
So wurden 1984 im Gruppenraum des HOME-Zentrums Diskussionsabende einberufen, um die wenigen erhältlichen Informationen auszutauschen und um eine gemeinsame politische Richtung zu finden.
Aus diesen Treffen entstand die Idee, nach dem Vorbild der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. in Berlin, die sich ein Jahr zuvor gegründet hatte, eine AIDS-Hilfe in Hannover zu gründen. Nach Berlin, München und Hamburg war dies deutschlandweit die vierte AIDS-Hilfe.
Ziel war bereits damals, seriöse Informationen zu AIDS zusammenzutragen und weiterzugeben, also Aufklärungsarbeit zu leisten. Die ersten Flugblätter wurden mit Schreibmaschinen getippt und an verkaufsoffenen Samstagen mit Infoständen am Kröpcke verteilt. Neben viel Ablehnung gab es durchaus auch viel Interesse und Solidarität; so versorgte beispielsweise der damalige Geschäftsführer des Café Kröpcke die Aktivisten mit frischem Kaffee.
Niedersachsen wurde damals von der CDU mit dem Ministerpräsidenten Albrecht regiert. Schon früh trat der frisch gegründete Verein an die Landesregierung heran, um sich als kompetenter Ansprechpartner für die schwule Subkultur zur Verfügung zu stellen, aber auch um Gelder für die notwendige Aufklärungsarbeit einzufordern. Seitens des Landes Niedersachsen wurde dieses Angebot angenommen, hatte man doch keinerlei Vorstellungen, wie die schwule Subkultur in Hannover und Niedersachsen aussähe, geschweige denn, wie man dort aufklärend und präventiv tätig werden sollte. <<
Die Hannöversche AIDS-Hilfe e.V. verwendete die Mittel aus dem Niedersächsischen Sozialministerium für die Erstellung von Flugblättern und ein Beratungstelefon - der jetzige 1. Vorsitzende, Bernd Weste, kam übrigens über die Mitarbeit in der Beratergruppe zur Vorstandsverantwortung -, unterstützte aber auch die Gründung weiterer AIDS-Hilfen im Lande, so in Oldenburg, Wilhelmshaven, Celle und Lüneburg.
1985 gab es dann mit einer heterosexuellen Frau, die sich vermutlich bei ihrem drogengebrauchenden Freund infiziert hatte, den ersten AIDS-Fall in Hannover. Diese hatte über die Medien von der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V. erfahren und trat mit der Bitte um Unterstützung an die durchweg schwulen AIDS-Hilfe-Gründer heran. >> Deren Hilfe hatte sie dringend nötig. Aufgrund der wenigen erhältlichen seriösen Informationen, vielen Falschmeldungen und der deswegen weit verbreiteten Angst traf sie auf viel Ablehnung. Ärzte wollten sie nicht behandeln, Pflegepersonal wollte sie - wenn überhaupt - nur unter massiven Schutzmaßnahmen anfassen, Freunde und die Familie gingen auf Abstand. << Obwohl bereits durch AIDS stark geschwächt, ging sie mit Unterstützung durch HAH-Mitglieder in die Offensive, >> bekannte sich öffentlich in Talkshows und im Radio zu ihrer Infektion und wurde so zu einem Symbol dafür, dass die vermeintliche Schwulenseuche AIDS vor niemandem Halt macht. <<
>> Das Bild von AIDS und damit die Aufgaben der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V. haben sich seit ihrer Gründung grundlegend gewandelt. In den 80er Jahren bestand das Engagement der Aktivisten neben der Aufklärung der verängstigten Bevölkerung noch überwiegend aus Sterbebegleitung der sich häufenden AIDS-Kranken. Und heute?
AIDS ist zwar nach wie vor nicht heilbar, aber in den meisten Fällen inzwischen behandelbar. Durch die stetig weiter entwickelten Medikamententherapien kann HIV heutzutage im Körper so weit eingedämmt werden, dass sich das Immunsystem weitgehend erholt und betroffene Menschen unter optimalen Bedingungen eine annähernd normale Lebenserwartung haben. Aus der tödlichen Bedrohung AIDS ist eine schwere, chronische Erkrankung geworden, in deren Folge jedoch ein Leben lang starke Medikamente eingenommen werden müssen, die oftmals sehr unangenehme Nebenwirkungen hervorrufen. Eine Heilung oder eine wirksame Impfung ist aus Sicht der Wissenschaft in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, und nach wie vor müssen wir erleben, dass Menschen an den Folgen von AIDS sterben. Dieses neue Erscheinungsbild von AIDS prägt die Arbeit der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V.:
Das Erfahren eines HIV-positiven Testergebnisses stürzt die Betroffenen auch heute noch in eine tiefe Lebenskrise, eine neue Lebensperspektive mit der Erkrankung muss gesucht und gefunden werden. Im Gespräch sind wir MitarbeiterInnen bemüht, die Betroffenen aufzufangen. Wir sprechen über die Ängste, informieren über die Krankheit und den Umgang damit im Alltag, vermitteln an Fachärzte und beantworten Fragen: Wie viel Zeit bleibt mir? Wen weihe ich ein? Wie steht es um meine berufliche Zukunft? Welche Einschränkungen muss ich in meiner Beziehung und Sexualität hinnehmen?
Eine bedeutende Rolle spielt an dieser Stelle die Selbsthilfe: Unter dem Dach der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V. treffen sich verschiedenste Selbsthilfegruppen, beispielsweise Afrikaides, schwul & positiv, das Frauencafé, die Angehörigengruppe, das Substituiertenfrühstück u.v.m.. Unter Anleitung der pädagogischen MitarbeiterInnen trägt der Austausch mit anderen Betroffenen maßgeblich zur Bewältigung der eigenen Erkrankung mit bei.
Ein maßgebliches Problem, mit dem Menschen mit HIV & AIDS vor allem in späteren Phasen ihrer Erkrankung an uns herantreten, ist die Sicherung des Lebensunterhaltes. Obwohl ca. die Hälfte der Betroffenen in Deutschland ganz normal berufstätig ist, ist ein nicht unerheblicher Teil der chronisch Kranken aufgrund teilweiser oder vollständiger Arbeitsunfähigkeit auf staatliche Hilfen wie Erwerbsminderungsrenten, Grundsicherung nach SGB XII, Arbeitslosengeld II oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz angewiesen. Die Beantragung, Durchsetzung und Erhaltung dieser rechtlichen Ansprüche gegenüber den Behörden stellt für viele Betroffene eine schwer überwindbare Hürde dar. Hier leisten die BeraterInnen gerne Hilfestellung; darüber hinaus bieten wir auch verschiedene Fachberatungstermine mit Experten an, beispielsweise zum Schwerbehindertenrecht oder zum Thema Rente. Wichtig ist es uns, die Betroffenen durch wirkungsvolle und nachhaltige Hilfestellungen dazu zu befähigen, ihre Probleme selbstständig lösen zu können.
Zusätzlich zu ihrer Erkrankung gehören viele Betroffene marginalisierten Randgruppen der Gesellschaft an, das sind vor allem schwule Männer, MigrantInnen aus dem überwiegend südlichen Afrika, sowie DrogengebraucherInnen. Gesellschaftliche Diskriminierung und staatliche Repression belasten die ohnehin eingeschränkte Gesundheit dieser Menschen noch weiter. Lobbyarbeit für diese Gruppen im Rahmen der Strukturellen Prävention ist seit ihrer Gründung fester Bestandteil der Arbeit von AIDS-Hilfen, ebenso wie diese Menschen vorbehaltlos von uns Akzeptanz und Hilfe erwarten können. Zu diesem Zweck ist die Hannöversche AIDS-Hilfe e.V. beispielsweise gut vernetzt und engagiert im Hannoveraner Drogenhilfe-System und leistet psychosoziale Betreuung zur Substitutionsbehandlung von DrogengebraucherInnen, ebenso wie wir Betroffenen in Haft beistehen.
Trotz modernster medizinischer Möglichkeiten müssen wir es doch leider immer wieder erleben, dass Menschen mit HIV & AIDS ernsthaft krank werden und an den Folgen von AIDS sterben. Für sie haben wir ein Team von ehrenamtlichen BetreuerInnen zusammengestellt, die kranken Betroffenen Hilfestellung im Alltag geben, z.B. beim Einkaufen oder bei Behördengängen oder als Krankenhausbesuchsdienst einfach nur Gesellschaft leisten. Um hilfebedürftigen Betroffenen ein menschenwürdiges Leben bis zuletzt zu ermöglichen, begann die Hannöversche AIDS-Hilfe e.V. bereits im Mai 1990 das Projekt "Betreutes Wohnen" in der Podbielskistraße in Hannover, aus dem sie 2002/2003 - nach jahrelangem Spendensammeln - das nun bekannte "lighthouse Hannover" entstehen lassen konnte.
Erklärter Hauptschwerpunkt der Tätigkeit der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V. ist die Verhinderung von Neuinfektionen mit HIV durch zielgruppenspezifische Aufklärungsarbeit. Bundesweit ist die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen in Deutschland seit etwa 2 Jahren auf einem Plateau angelangt (2008 wurden dem RKI [Robert Koch-Institut] 2804 Fälle gemeldet), nicht zuletzt auch wegen der effektiven Präventionsarbeit der AIDS-Hilfen. Hier gilt es, die Präventionsanstrengungen aufrecht zu erhalten, zumal beispielsweise bei Männern, die Sex mit Männern haben, die Zahlen nach wie vor ansteigen. Mit diesem Ziel gehen die Präventionsteams der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V. in Schulklassen ebenso wie in die Szenen von schwulen Männern und DrogengebraucherInnen. Mit bunten, lustvollen Aktionen vermitteln wir Informationen, die die Adressaten zu individuellem Schutzverhalten befähigen, ohne noch weitere Ängste vor AIDS zu schüren.
Ergänzt werden wir hauptamtlichen MitarbeiterInnen von einem überaus fähigen Team von rund 60 Ehrenamtlichen, ohne die die Tätigkeit der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V. in diesem Umfang gar nicht möglich wäre. Sie engagieren sich in den verschiedensten Bereichen: Überwiegend in der Aufklärungsarbeit, aber auch in der persönlichen Begleitung hilfebedürftiger Betroffener, im Krankenhausbesuchsdienst, in der Leitung von Selbsthilfegruppen u.v.m.. Die motivierende Anleitung dieser Ehrenamtlichen, ebenso wie deren fundierte Ausbildung sind wichtige Tätigkeitsfelder der hauptamtlichen MitarbeiterInnen. Nicht zuletzt übt der Vorstand der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V. seine verantwortungsvolle und umfangreiche Tätigkeit komplett ehrenamtlich aus. <<
Für die Adressaten des Heftes fasst die HAH zusammen:
>> Es ist unser Ziel, qualitativ hochwertige, und in ihrer Wirkung nachhaltige Präventions- und Betreuungsarbeit im Rahmen der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V. zu leisten. Im Interesse der Betroffenen, aber auch in Ihrem Interesse, als unsere unersetzlichen UnterstützerInnen: Wir wollen Ihnen die Sicherheit geben, mit Ihrem Engagement ein effektives und sinnvolles Projekt zu fördern! <<
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