Leserbrief eines HuK-Bundesvorstandsmitgliedes anlässlich anti-homosexueller Hetze in einer evangelikalen Zeitschrift
Sehr geehrter Herr Steeb, sehr geehrte Damen und Herren,
in der letzten Ausgabe von IdeaSpektrum (Nr. 14 vom 1.4.2009) steht auf Seite 8 zu lesen: "Laut Steeb stehen hinter anti-evangelikalen Veröffentlichungen 'atheistische Kräfte, die systematisch an der Veränderung der Gesellschaft arbeiten.' So hätten sie jahrelang Kirchen und Parlamente mit der Forderung nach gesellschaftlicher Anerkennung homosexueller Partnerschaften übersät ..."
Ich bin Mitglied des Bundesvorstandes der ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. und kann mir vorstellen, dass auch unsere Organisation hier mitgemeint ist. Dazu möchte ich einmal folgendes sagen:
Die HuK versteht sich als Verein nicht als anti-evangelikal. Auch in unseren Reihen gibt es ein breites Spektrum von Menschen mit unterschiedlichen Wegen, ihren Glauben zu leben. Dabei sind auch viele Menschen, die selbst aus evangelikalen Wurzeln kommen und diese nicht abgelegt haben oder in Zukunft ablegen wollen. Das wäre auch nicht Bedingung beim Eintritt in die HuK. Wir wollen in der HuK einen Raum bieten für alle möglichen Lebens- und Glaubenserfahrungen und bewerten nicht unterschiedliche Frömmigkeitsstile. Es ist unsere Überzeugung, dass niemand das Recht hat, jemand anderem die Ernsthaftigkeit seines Glaubens abzusprechen, nur weil er/sie andere Schwerpunkte setzt, andere Wege findet, seinen/ihren Glauben auszudrücken. In Gottes Haus haben viele Platz.
Was wir allerdings immer wieder schmerzhaft erleben, sind die Verletzungen, die viele unserer Mitglieder durch Christen erfahren, welche meinen, sie wüssten als einzige, wie "richtiger" Glaube auszusehen habe, die für sich das Recht in Anspruch nehmen, homosexuellen Christen die Ernsthaftigkeit ihres Glaubens absprechen zu können oder gar - wie dies im Extremfall leider auch durchaus geschieht - die Lebensberechtigung streitig machen. In diesen Momenten verspürt die HuK die Verpflichtung, sich für die Rechte Homosexueller einzusetzen, nicht um der heterosexuellen Bevölkerungsmehrheit etwas wegzunehmen, sondern schlicht um homosexuellen Christen ein würdiges Leben zu ermöglichen, in welchem sie all ihre menschlichen Qualitäten und Gaben zur Entfaltung bringen können.
Von dem ewigen Klischee einer homosexuellen Bewegung, die die Gesellschaft unterwandern und homosexualisieren will, distanziert sich die HuK entschieden, ebenso von dem Vorwurf, wir würden evangelikalen Christen ihr Recht auf ihre Form, Glauben zu leben, abspenstig machen wollen. Beides ist definitiv nicht der Fall.
Wenn wir eine tolerante Gesellschaft auch unter allen Christen erleben würden, dann gäbe es für uns keinerlei Anlass, Grenzen zu setzen, die uns Schutz bieten vor den zahlreichen Versuchen, uns zu ändern und mehrheitstauglich umzubiegen. Wenn wir erleben würden, dass Vereinigungen wie Wüstenstrom tatsächlich nur denjenigen homosexuellen Menschen helfen wollten, die - aus welchen Gründen auch immer - ihre Homosexualität ablegen wollen, ohne daraus eine allgemeine Forderung an alle Homosexuellen ableiten zu wollen, sie müssten heterosexuell werden, um Menschenwürde beanspruchen zu können, ohne psychische Störungen einzelner Menschen als Generaldiagnose für eine ganze Bevölkerungsgruppe zu stellen, dann müssten wir nicht immer wieder genau dies einfordern. Am besten wäre es sicher, wenn homosexuelle Menschen einfach in Ruhe gelassen werden würden, damit sie keinerlei psychische Probleme aufgrund des ständigen Rechtfertigungszwangs aufbauen müssten.
Der Krieg Homosexueller gegen Evangelikale, wie Sie ihn immer wieder zu konstruieren versuchen, ist letztendlich eine Frage von Ursache und Wirkung.
Es gab mal innerhalb der HuK eine Gruppe, die sich zur Aufgabe gemacht hatte, mit evangelikalen Wortführern ins Gespräch zu kommen, um den Teufelskreis gegenseitiger Angriffe aufzubrechen und sich für ein gegenseitiges Verständnis einzusetzen. Leider bestand dazu von evangelikaler Seite wenig Bereitschaft, so dass sich die Fronten wieder verhärteten. Aber nochmals: Der HuK liegt es absolut fern, evangelikalen Glauben zu diskriminieren. Wir beanspruchen lediglich im Gegenzug dieselbe Toleranz und Akzeptanz uns gegenüber.
Mit freundlichen Grüßen
Franz Kaern
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