Wissenswertes



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Regenbogenfahne

Regenbogenfahne Im Auftrag eines Aktivisten, der ein Symbol für die "SchwuLesBische Community" suchte, kreierte der amerikanische Künstler Gilbert Baker 1978 in San Francisco das heute meistgenutzte Symbol, das für die Vielfalt des Lebens, aber auch für den Kampf um die Gleichberechtigung, Toleranz und Achtung gleichwertiger Liebe stehen soll. Ursprünglich hatte diese Fahne 8 Farben, denen damals folgende Bedeutungen zugewiesen worden sein sollen:

Als die von Baker entworfene Fahne dann aber vermarktet und in Serie produziert werden sollte, stellte sich heraus, dass ausgerechnet die Farbe "Hot Pink" aus produktionstechnischen Gründen wegfallen musste.

Noch im gleichen Jahr, im November 1978, wurde Harvey Milk - ein offen schwul lebendes Mitglied des Stadtrates von San Francisco - ermordet. Zu seinen Ehren und zum Zeichen der Solidarität, beschlossen die Organisationen der 79er Schwulenparade (CSD), Bakers Flagge bei dem Protest- und Trauermarsch als Symbol zu verwenden. Da man die Farben auf beide Straßenseiten aufteilen wollte, musste man sich wieder von einer Farbe trennen und verabschiedete sich nach der Sexualität noch von der Kunst, während man das Indigo durch Königsblau ersetzte.

Was heute von den ursprünglich acht Farben noch übrig ist, sind also die sechs Farben Rot, Gelb, Orange, Grün, Königsblau und Violett.

Im Jahr des Irak-Krieges, 2003, wurde dann von Italien ausgehend eine andere Variante der Regenbogenflagge zum Symbol der Kriegsgegner. Diese hat aber im typischen Fall sieben Streifen - mit Hellblau zwischen Grün und Königsblau - und trägt zudem im Zentrum die Aufschrift "PACE" - das italienische Wort für Frieden.

Demonstration mit PACE-Flagge
Demonstration mit PACE-Flagge (in Deutschland
am ersten Jahrestag des Beginns des Irak-Krieges)


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Red Ribbon

Red Ribbon (Rote Schleife) Spätestens seit dem "World AIDS Day" 01.12.1992 ist das Red Ribbon in vielen Ländern, vor allem in den USA und Großbritannien, nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken.

Die Rote Schleife hat sich weltweit als Symbol durchgesetzt: Für die Solidarität mit Menschen, die von AIDS als Infizierte, Erkrankte, Gefährdete, Angehörige oder Freunde besonders betroffen sind.

Viele tragen das leuchtend rote Zeichen plakativ am Mantel oder der Jacke - egal ob Homo oder Hetero, ob Hausfrau oder Showmaster, ob positiv oder negativ.

Mit dem Pin zeigen sie ihre Anteilnahme und Engagement. Die kleine rote Schleife ist ein Zeichen kontinuierlicher Erinnerung und Solidarität mit den Verstorbenen und Erkrankten. Das "Band der Sympathie" kommt aus Amerika. Ihre Spende unterstützt ganz praktisch die schwierige Arbeit der AIDS-Stiftungen, AIDS-Hilfen oder anderer Organisationen, die sich für Menschen mit HIV und AIDS einsetzen.



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White Knot

Der "White Knot", ein weißer Knoten, den man ähnlich der AIDS-Schleife sichtbar an der Kleidung trägt, ist das Symbol für "Marriage Equality". Damit ist nicht nur die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule und die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der heterosexuellen Ehe gemeint, sondern das grundlegende Recht für alle Menschen, die dies wollen, gleichberechtigt und ohne Diskriminierung eine gesellschaftlich anerkannte Partnerschaft eingehen zu dürfen - mit anderen Worten, die Aufhebung jeglicher Form von Eheverboten weltweit. Dabei steht die Farbe weiß als Symbolfarbe des Heiratens in den meisten Kulturen und der Knoten für das Eingehen einer Verbindung. Die Non-Profit-Organisation "White Knot for Equality (Weißer Knoten für Gleichheit)" wurde im November 2008 durch Frank Voci gegründet als Reaktion auf das in Verbindung mit den US-Präsidentschaftswahlen in Kalifornien beschlossene Referendum "Proposition 8", womit die erst wenige Monate dort bestehende Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule wieder aufgehoben wurde.

   

White Knot (Weißer Knoten)

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CSD: Der Christopher Street Day

Das Jahr 1969 gilt heute weltweit als das Geburtsjahr der modernen Emanzipations- und Bürgerrechtsbewegung der Schwulen, Lesben und Transvestiten. Die damalige Erhebung unserer Minderheit im Juni jenes Jahres in der Christopher Street in New York war in der Tat seit dem Beginn der im späten 4. Jahrhundert im Römischen Reich einsetzenden nicht selten tödlichen Verfolgung in der westlichen ("christlichen") Welt die erste wirkliche massive Gegenwehr - nach ca. 1600 Jahren! Sie hat aber eine Vorgeschichte, die hierüber nicht vergessen werden sollte, und die in Deutschland begann:

Schon im 19. Jahrhundert kämpften Schwule und Lesben für die Anerkennung ihrer Lebensformen und die rechtliche Gleichstellung: Am 29. August 1867 forderte der aus dem im Vorjahr von Preußen annektierten Königreich Hannover stammende Jurist Karl Heinrich Ulrichs auf dem 6. Deutschen Juristentag in München vor über 500 Juristen die Abschaffung der in einigen, nicht in allen deutschen Ländern bestehenden Strafgesetze gegen Schwule (die er damals als "Urninge" bezeichnete). Er bekam nicht die Chance, seine Argumente vorzutragen, sondern wurde niedergebrüllt. (Mit der Annektion durch Preußen war männliche Homosexualität 1866 auch wieder in Hannover strafbar geworden, während sie es hier von 1840 an "nur" bei "Erregung öffentlichen Ärgernisses" war, wobei allerdings polizeiliche Nachforschungen selbst willkürlich als Beleg einer solchen "Erregung ..." gewertet werden konnten. Das Strafmaß sah mindestens 6 Monate "verschärftes Arbeits-" oder Zuchthaus vor. 1840 war endgültig und formal in Hannover die "Peinliche Halsgerichtsordnung" Kaiser Karl V. von 1532 - lat. Constitutio Criminalis Carolina oder CCC - außer Kraft gesetzt worden, die für Homosexualität die Verbrennung bei lebendigem Leibe vorsah; 1591 und 1608 waren im Raum Hannover noch "Sodomiter" mit dem Schwert enthauptet worden - ob wegen gleichgeschlechtlicher Handlungen oder wegen "Unzucht mit Tieren", wissen wir nicht. Die in der CCC auch "abgesegnete" Folterung als ganz normale Verhörmethode wurde in Hannover übrigens 1822 abgeschafft. Doch kehren wir nun zurück in Ulrichs´ Zeit:)

Fast 30 Jahre später, am 15. Mai 1897, wurde unter Vorsitz des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld in dessen Wohnung in Berlin-Charlottenburg unter dem Namen "Wissenschaftlich-humanitäres Komitee" (WhK) die weltweit erste schwule Bürgerrechtsbewegung begründet. Diese "erste deutsche Schwulenbewegung" wurde zum Auslöser vergleichbarer Gründungen in anderen europäischen Ländern bis hin zu den USA. Durch die brutale Verfolgung unter der Nazi-Diktatur und deren Fortsetzung mittels des weiterbestehenden nationalsozialistischen Schwulenparagraphen in der Adenauer-Zeit geriet sie aber im Nachkriegsdeutschland soweit in Vergessenheit, dass die ab 1971 einsetzende "zweite deutsche Schwulenbewegung" ohne historisches Vorwissen sozusagen "bei Null" begann. Auslöser war hier Rosa von Praunheims Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt". Von entscheidender Bedeutung hierfür war aber auch die Strafrechtsreform von 1969, die zumindest für Männer über 21 Jahre die Strafbarkeit einvernehmlicher sexueller Handlungen zum 1. September 1969 beendet hatte. Trotz einer Reihe von Vorstößen und Bemühungen mutiger Einzelner auch schon in der vom NS-Paragraphen geprägten Phase der Bundesrepublik war dieser Fortschritt in der rechtlichen Situation nicht von einer schwulen Widerstandsbewegung erkämpft worden, sondern das Werk einiger vernünftig denkender Politiker, allen voran des Justizministers und späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann. - Nicht so in den USA:

In der Nacht vom 26. auf den 27. Juni 1969 erlebten die Gäste der Szene-Bar "Stonewall Inn" in der New Yorker Christopher Street eine der zum Alltag gehörenden Polizeirazzien. Kaum waren die Polizisten in der Bar, gingen sie, wie schon so oft, mit massiven Beleidigungen und brutalen Übergriffen gegen die Gäste vor.

In dieser Nacht geschah das Unerwartete: Erstmals wehrten sich Transvestiten, Schwule und Lesben gemeinsam gegen die brutale Gewalt der New Yorker Polizei. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in den umliegenden Bars die Nachricht vom Widerstand gegen den Polizeiterror. Innerhalb weniger Minuten eilten Lesben und Schwule ihren Freunden zur Hilfe. Enough is enough.

Noch in dieser Nacht demonstrierte die aufgebrachte Menge für gleiche Rechte. In den folgenden Tagen und Nächten kam es zu weiteren Auseinandersetzungen und Straßenschlachten mit der Staatsmacht. Die Ereignisse in der Christopher Street führten in den USA zur Gründung der 'Gay Liberation Front'. Nach diesem Vorbild entstanden bis heute weltweit unzählige Bürgerrechtsgruppen von Lesben und Schwulen.

1972 bildete sich auch in Köln die 'Gay Liberation Front' (GLF). Zum Gedenken an diesen historischen Tag in der Christopher Street finden seit 1970 jedes Jahr im Juni/Juli Demonstrationen für die rechtliche Gleichstellung und gegen die gesellschaftliche und politische Unterdrückung von homosexuellen Menschen statt. Der "Stonewall"-Aufstand von 1969 gilt seither als Initialzündung für die moderne Bürgerrechtsbewegung der Schwulen, Transvestiten und Lesben. "I say it loud, I´m gay and I´m proud". Der Schritt von der politischen Straßendemonstration hin zur Emanzipationsbewegung (Gay Liberation Front) ging einher mit dem Ruf nach mehr Sichtbarkeit. Nicht nur politische Parolen, sondern auch das neu entstandene Selbstbewusstsein und Lebensfreude der Schwulen und Lesben wurde zum Inhalt der Demonstrationen.


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© 2001 HuK Hannover e.V. - letzte Änderung am 15.01.2010