Wissenswertes



Homo-Ehe

Moraltheologe mahnt Kirche zur Zurückhaltung

München (KNA) - Der Innsbrucker Moraltheologe Hans Rotter hat der Kirche Zurückhaltung beim Widerstand gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften empfohlen. Homosexuelle hätten in der Geschichte viele Ungerechtigkeiten erfahren, wozu "leider auch die christlichen Kirchen vielfach einen sehr negativen Beitrag geleistet" hätten, schreibt Rotter im August-Heft der Münchner Jesuiten-Zeitschrift "Stimmen der Zeit". So hätten die Kirchen zur Verfolgung von Homosexuellen im Nationalsozialismus "weitgehend geschwiegen".

Gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Erwachsenen werde von der Bibel nicht eindeutig verurteilt. Auch die Argumente des traditionellen Naturrechts gegen die Zulässigkeit homosexueller Lebensgemeinschaften seien heute nicht mehr "plausibel". Der Jesuit plädiert dafür, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften als "gesellschaftliche Realität" anzuerkennen und ihnen bestimmte Rechte zu geben. Dass dadurch die Bedeutung von Ehe und Familie in Frage gestellt werde, sei nicht einsichtig. Die "berechtigte Privilegierung von Ehe und Familie" dürfe nicht dazu führen, "dass man anderen Lebensgemeinschaften etwas abspricht, was ihnen gerechterweise zugestanden werden muss", schreibt Rotter. Im Gegenteil komme die Anerkennung solcher Gemeinschaften der Hochschätzung von Ehe und Familie zugute, weil damit der generelle Vorzug stabiler partnerschaftlicher Gemeinschaften gegenüber der Lebensform von Singles zum Ausdruck komme.

Allerdings sollte bei diesen Verbindungen nicht von "Ehe", sondern besser von Lebensgemeinschaften gesprochen werden. Ein Adoptionsrecht sollte Homosexuellen allerdings nicht eingeräumt werden, meint der Moraltheologe. In Mitteleuropa kämen auf jedes zur Adoption freigegebene Kind mehr als zehn Elternpaare mit Kinderwunsch. Für eine "optimale Erziehung" seien "sowohl die Mutter wie auch der Vater wesentlich". Das bedeute noch nicht, dass die Erziehung in einer homosexuellen Lebensgemeinschaft automatisch schwere Mängel nach sich ziehen würde. Aber "unter sonst gleichen Bedingungen ist sicher das Fehlen einer der beiden Elternrollen ein Nachteil für das Kind", heißt es in dem Beitrag.

Matze [mw@rz-online.de]



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