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01.03.-27.09.2009:
Vom anderen Ufer ... Hannovers verschwiegene Geschichten

Einladung der Landeshauptstadt Hannover zur Ausstellungseröffnung (Vorderseite); zeigt im Hintergrund als blasse Zeichnung die Portraits von Claire Waldoff [1884 in Gelsenkirchen geboren, legte sie 1903 ihr Abitur in Hannover ab; ihre großen Erfolge als Kabarettistin und Chanson-Sängerin hatte sie dann vor allem in Berlin und wurde per Schallplatte und Rundfunk weithin bekannt] und von Karl Heinrich Ulrichs, dem großen Vorkämpfer der Schwulen-Emanzipation im 19. Jahrhundert.

Vom 1. März bis 27. September 2009 zeigte das Historische Museum unter diesem Titel eine Sonderausstellung zur Geschichte der Schwulen und Lesben in unserer Stadt. Neben Rainer Hoffschildts Archiv steuerten auch die lesbisch-schwulen Vereine wie etwa die HuK Hannover Leihgaben zur Ausstellung bei. Hier gab es Vorabinformationen zur Ausstellung, die dann während dieser sieben Monate noch ergänzt wurden.

Zur Ausstellung bieten wir hier als pdf-Dateien (*) das Ausstellungsplakat, die entsprechende Seite des Programmhefts des Historischen Museums für das erste Quartal 2009 sowie die Artikel der Hannoverschen Allgemeinen (als "normale" Internetseite) und der Neuen Presse vom 28.02.2009.

(*) Den Acrobat Reader dazu können Sie über diesen Link kostenlos herunterladen!

Am 1. März 2009 wurde die Ausstellung in einem Festakt vor 350 Gästen mit Ansprachen und musikalischer Umrahmung eröffnet: Es sprachen unter anderem der Hausherr, Dr. Thomas Schwark, Oberbürgermeister Stephan Weil, der Schwulenreferent des Landes Niedersachsen, Hans Hengelein, sowie die eigentlichen "Ausstellungsmacher" Rainer Hoffschildt und Dr. Kirsten Plötz. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch Tina Worthmann und Klaus Wössner vorwiegend mit Liedern und Chansons aus der Zeit der Weimarer Republik - neben dem Lila Lied Stücke aus dem Repertoire der Kabarettistin, Sängerin und Schauspielerin Claire Waldoff, deren Karriere sich zwar vor allem in Berlin abgespielt hatte, die jedoch 1903 am Mädchengymnasium Hannover ihr Abitur abgelegt hatte.

(Die Bilder können - mit einer Ausnahme - durch Anklicken vergrößert gesehen werden.)

Rainer Hoffschildt (Mitte, mit Krawatte)
in lebhafter Diskussion

Vor dem Saal, in dem die Eröffnung stattfinden wird, herrscht schon dranghafte Enge.

Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt.

Hans Hengelein bei seinem Grußwort

Links: Auch der Schwulenreferent des Landes Niedersachsen, Hans Hengelein, richtete ein Grußwort an die TeilnehmerInnen der Eröffnungsveranstaltung.

Oben: In der Ausstellung leuchtet wieder der Schriftzug des HOME (e.V.) - (Vgl. die "Nostalgie-Seite" zum HOME-Zentrum in den HuK-Hannover-Seiten [Wissenswertes / Hannover])

Impressionen aus der Ausstellung


(Fotos: © Jürgen Rattay (www.pink-gay.de), Christian-Alexander Wäldner und Rainer Hoffschildt)

Am 4. März startete dann das Beiprogramm zur Ausstellung mit einem "Bunten Abend" für Lesben und Schwule im Ballhof. (Vergleiche dazu die Einladung zum Bunten Abend des veranstaltenden Gleichstellungsreferats der Landeshauptstadt.)

Zum Ballhof noch folgende Informationen (von Rainer Hoffschildt) :

Im Ballhof befand sich 1919 die erste öffentlich bekannte Schwulenkneipe Hannovers, das "National-Theater-Restaurant". Fritz Haarmann sagte in seinem Prozess aus: "Frauen haben da keinen Zutritt." Ob dies stimmt, ist nicht belegt, aber wahrscheinlich. Von daher ist es wahrscheinlich eine irreführende Geschichtsumdeutung, in der oben eingefügten Einladung zu schreiben, "dort trafen sich gleichgeschlechtlich liebende Menschen", denn diese Formulierung bezieht lesbische Frauen mit ein.

Fritz Haarmann traf sich gelegentlich im Ballhof mit seinem Freund Hans Grans. Haarmann, der mindestens 24-fache Mörder und Psychopath, wurde 1925 dort, wo heute der Pavillon steht, im Gerichtsgefängnis Hannover, geköpft.

Im Ballhof trat am 25. Dezember 1919 Friedel Schwarz zu einer Weihnachtsfeier des "Gesellschaftsklubs Aada" (nach dem Film "Anders als die anderen" benannt, der die Schwulenverfolgung darstellt) als Kabarettist auf. Friedel Schwarz starb als Schwuler 1943 im KZ Neuengamme bei Hamburg. Ihm wurde 2007 in Hannover ein Stolperstein gesetzt.

Im Ballhof arbeitete ab den 1950er Jahren gelegentlich auch der schwule Regisseur Karl-Heinz Streibing im Schauspielhaus. Nach seiner Verurteilung aufgrund der NS-Fassung des § 175 Strafgesetzbuch wurde er nicht mehr von öffentlichen Häusern beschäftigt. 1969, ein halbes Jahr vor der Revision der NS-Fassung des § 175, beging er Selbstmord.

An Friedel Schwarz und Karl-Heinz Streibing wurde im Verlauf des "Bunten Abends" kurz erinnert.

Im Zeitrahmen der Ausstellung, doch ohne direkten Bezug, fand am 19. April eine Kranzniederlegung mit Führung durch die neu gestaltete Gedenkstätte Bergen-Belsen statt als gemeinsame Veranstaltung der Elterngruppe Hannover im BEFAH, des HSH, der HuK Hannover und des VEHN. Der zum 25-jährigen Jubiläum der HuK Hannover 2003 entstandene Film wurde am 30. April um 17:00 Uhr im Clubraum der HuK Hannover in der Schuhstraße 4 als Sonderveranstaltung im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung gezeigt. (Näheres zum Film findet sich in der Jubiläums-Webseite in der Homepage der HuK Hannover.)

Das gesamte Begleitprogramm finden Sie in den beiden Flyern der Landeshauptstadt aufgeführt:
(Es handelt sich um pdf-Dateien - siehe oben! - Die Dateien öffnen in einem eigenen Fenster.
Tipp: Den Acrobat Reader auf "100%" stellen und dann scrollen!)


Zum Begleitprogramm im März 2009
Dazu: Zur Veranstaltung mit Rainer Hoffschildt am 24.03.2009
Zum Begleitprogramm April bis September 2009

Im Internet (Webseiten der Stadt Hanover) und in verschiedenen anderen Medien wurde die Ausstellung gut beworben; am Museum selbst wurde jedoch leider erst in der Schlussphase ein Transparent angebracht, das - wie dasjenige zur zeitgleichen Sonderausstellung zur hannoverschen Gartenkultur - geeignet gewesen wäre, zufällig vorbeikommende EinwohnerInnen und BesucherInnen unserer Stadt auf sie aufmerksam zu machen. - Die 23 angebotenen offenen Führungen waren mit zusammen 118 TeilnehmerInnen eher schwach besucht, während es die 6 Vorträge auf zusammen 150 HörerInnen und die beiden Erzählcafé-Abende auf zusammen immerhin 127 Gäste gebracht haben sollen. Einem CDU-Ratsherrn war das alles viel zu wenig und er polemisierte, die 28.000 € für die Ausstellung hätte die Stadt besser an die Sportvereine verteilen sollen (*). Aber wahrscheinlich zählt dieser Herr zu jenen, denen jegliche Mittel für Antidiskriminierungsarbeit ein Dorn im Auge sind, Kosten der Verfolgung unserer Minderheit - wie in der Jugend unseres Internetredakteurs - jedoch gut angelegt erscheinen würden.

(*) Wieviel im Gegenzug durch die BesucherInnen der Ausstellung an Eintrittsgeldern wieder eingenommen wurde, ist wohl nicht bekannt. Allein unser Internetredakteur beispielsweise hat die Ausstellung wiederholt mit verschiedenen Gruppen (mit selbst organisierter Führung) besucht, bei denen schon einiges an Ticketkosten für die jeweilige Gruppenkasse zusammenkam.

Seit Ende März 2010 liegt nun auch das "Hörbilderbuch" zur Ausstellung als DVD vor, die für eine Schutzgebühr von 7,50 € plus Porto per E-mail von den AnsprechpartnerInnen für Lesben und Schwule der Landeshauptstadt Hannover bezogen werden kann. (Telefonisch unter 0511 / 168-41080)


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© VEHN e.V. & HuK Hannover e.V. 27.01.2009 - letzte Änderung am 03.04.2010