Aktuell



Nachrichten aus der gleichgeschlechtlichen Welt

Vom Februar bis zum August 2009

(Zuletzt aktualisiert im Dezember 2009)

In der Vorbemerkung zur "Neuheiten-Seite" wurde schon darauf hingewiesen, dass unsere Webseite weder den Anspruch erheben will noch es leisten kann, "tagesaktuell" zu sein. Der Webmaster ist zwar bemüht, einigermaßen zeitnah wichtige neue Inhalte aufzunehmen, sieht aber seine Aufgabe dabei eher in der Erstellung einer Dokumentation mit bleibendem Nutzwert. Daher werden unter Umständen auch schon einmal laufende Entwicklungen abgewartet und erst dokumentiert, wenn ein geeigneter Zeitpunkt dazu erreicht scheint. Von Zeit zu Zeit kommt dann auch dabei einmal eine Zusammenstellung von Nachrichten der letzten Monate heraus wie die hier vorliegende.

Seit dem 1. Februar 2009 hat Island mit seiner neuen lesbischen Ministerpräsidentin Johanna Sigurdadottir das erste homosexuelle Regierungsoberhaupt der Welt. (Sie ist seit 7 Jahren mit einer Frau verpartnert.) Eigentlich ist Homosexualität in Island kein Thema mehr - so die Vertreterin von Islands Elternorganisation FAS, Gudrun Rögnvaldardottir, beim Stuttgarter Bundeselterntreffen im Mai 2009. Die gesetzliche und soziale Anerkennung der Homosexuellen sei in Island weitestgehend erreicht - und dennoch gäbe es immer noch Vorurteile und Gewalt, insbesondere unter Jugendlichen. - Die neue Premierministerin kam übrigens ins Amt, nachdem im Zuge der internationalen Finanzkrise das Land nur haarscharf dem Staatsbankrott entgangen ist. Wie bei einem kleinen Ort in Bayern, wo vor nicht allzu langer Zeit ein junger Schwuler zum Bürgermeister gewählt wurde, müssen "wir Homos" auch hier wohl mal wieder "die Karre aus dem Dreck ziehen". Island hat sich nunmehr auch entschlossen, der Europäischen Union beitreten zu wollen, wovon zuvor nie die Rede war.

(Zuvor - in 2005-6 - hatte allerdings die Schweiz bereits einen offen schwulen Präsidenten, vgl. dazu unsere damalige Themenseite.)

  

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Während in Portugal das Verfassungsgericht mit 3:2 das bestehende Eheverbot für Lesben und Schwule bestätigte, will laut einer Meldung vom 30.07.2009 das ehemals kommunistische Albanien die Ehe für Lesben und Schwule öffnen. In Griechenland, genauer gesagt auf der Insel Rhodos, erklärte im Mai 2008 ein Gericht in erster Instanz je eine dort im Juni 2008 standesamtlich geschlossene lesbische und schwule Ehe für ungültig; aber die "Homo-Aktivisten" dort wollen weiterkämpfen, notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof (wobei sie dabei - fast möchte man sagen, wie üblich - die einflussreiche orthodoxe Kirche gegen sich haben). Dänemark, das weltweit erste Land, das eine Partnerschaftsregelung eingeführt hat, hat mit einem Parlamentsbeschluss im März 2009 mit der Gleichstellung im Adoptionsrecht den letzten Schritt zur Beendigung der Ungleichbehandlung von Lesben und Schwulen vollzogen. In Island (siehe oben) gibt es einen Unterschied nur noch dem Namen nach, was aber bald durch ein einheitliches Ehegesetz für Heteros wie Homos beendet werden soll.

In einzelnen US-Bundesstaaten gibt es Fortschritte in Sachen Homo-Ehe, die aber zum Teil noch gefährdet sind und wie im Fall Kalifornien womöglich "zurückgedreht" werden könnten. - Die auf Grund der Vorankündigungen vom Bund her erhofften Fortschritte bei der rechtlichen Situation von Lesben und Schwulen durch die Präsidentschaft Obamas lassen derzeit zumeist noch auf sich warten. Im Gegenteil, Amerikas Lesben und Schwule registrierten ihrer Auffassung nach einen ersten Wortbruch der neuen Regierung, denn Obamas stellvertretende Justizministerin Elena Kagan trug mit ihrer Einlassung dazu bei, dass eine erstmalige gerichtliche Überprüfung der "Donīt ask - donīt tell"-Regelung in den Streitkräften (= keine Duldung offen "bekennender" Homosexueller) - zugleich ein denkbarer erster Schritt dagegen - nicht zustandekam. Von den insgesamt zwischen 12.500 und 13.000 wegen des offenen Eingeständnisses ihrer sexuellen Orientierung entlassenen Armeeangehörigen sind zudem bereits gut 200 seit Obamas Amtsantritt entlassen worden. Inzwischen bekräftigte allerdings Obama, an seinen homopolitischen Zielen und ausdrücklich auch an der Abschaffung von "Donīt ask - donīt tell" festhalten zu wollen - mehr dazu in unserem nächsten Nachrichtenüberblick.

Eine erfreuliche Nachricht kam Anfang Juli 2009 auch aus der größten Demokratie der Welt: In Indien ist Homosexualität ab sofort straffrei. Nach 148 Jahren wurde § 377 des dortigen Strafgesetzbuches aufgehoben wegen Verstoßes gegen den Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz. Der Paragraf sah mindestens zehn Jahre Gefängnis für Homosexualität ("unnatürliche Liebe") vor - jedenfalls für Männer (Laut der nach Geschlecht differenzierenden, allerdings vielfach überholten Weltkarte von Amnesty International von 2001, bei uns unter dem Titel "Die rechtliche Situation der Homosexualität weltweit (1)" zu finden, wird weibliche Homosexualität im indischen Gesetz "nicht erwähnt"!). Das Gesetz stammte aus dem Jahr 1861, also aus der britischen Kolonialzeit. Noch im Dezember 2008 hatte die Regierung erklärt, an dem Verbot festhalten zu wollen. Das Grundsatzurteil wurde nun laut Presseberichten "von Schwulen und Lesben in ganz Indien" mit großer Freude aufgenommen. Hinduistische, muslimische und christliche Gruppierungen in dem traditionell konservativen Land kritisierten die Entscheidung des Gerichts dagegen scharf. Wieder einmal erweisen sich also religiöse Kräfte als die ärgsten Feinde der Menschenrechte - und bringen so Religion als solche in Misskredit!

Ein Rückschritt erfolgte hingegen in dem kleinen, dicht bevölkerten afrikanischen Staat Burundi (etwa so groß wie unser Bundesland Brandenburg, in der Weltkarte von 2009 noch hellgrau dargestellt = Homosexualität legal): Im Zuge einer Strafrechtsreform, bei der die Todesstrafe abgeschafft und die Folter verboten wurde, wird männliche Homosexualität - dort bislang straffrei - nun mit 2 Jahren Gefängnis bedroht! In Afrika - wo bisher schon die Toleranz gegenüber Homosexualität nicht sehr groß war (vor allem aus der kolonialen Tradition heraus und oft ganz im Gegensatz zur eigenen) - scheint derzeit die Homofeindlichkeit eher zu- als abzunehmen.

Gleiches gilt für die Länder des Islam: Aus dem Irak beispielsweise wurden im April 2009 brutale Schwulen-Morde durch Milizen berichtet, indem sie den Anus ihrer Opfer zukleben und ihnen dann ein Getränk eingeben, das Durchfall erzeugt. Diese Art der Folter führt zu einem qualvollen Tod. Sie wird "iranischer Kaugummi" genannt, weil dabei ein im Iran produzierter, besonders starker Klebstoff verwendet wird. Das berichtet der TV-Sender Al-Arabija aus Dubai. Er zitiert dabei eine irakische Menschenrechtsaktivistin. Auf Aufforderungen u.a. von Amnesty international, die Homosexuellenverfolgung zu unterbinden, hat die Regierung al-Maliki bislang nicht reagiert; es gibt im Gegenteil Berichte, denen zufolge die Regierung selbst hinter Hinrichtungen von Homosexuellen stecken soll. Dabei gibt es im Irak eigentlich kein Gesetz gegen Homosexuelle - das 2001 von Diktator Saddam Hussein eingeführte, das bis zur Todesstrafe ging, ist außer Kraft. Offiziell können Schwule derzeit nur wegen "unsittlichen Verhaltens" oder "Verbreitung von Krankheiten" belangt werden. Islamische Prediger beider Richtungen (Schiiten, Sunniten) hetzen gegen Homosexuelle und fordern die Todesstrafe.

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Im Frühjahr und Sommer 2009 gab es in "eigentlich toleranten" Städten wie Berlin, Kopenhagen und Tel Aviv antihomosexuelle Anschläge, und zwar zunächst in Berlin "nur" Gewalt gegen Sachen - nämlich zum dritten Mal einen Anschlag auf das Berliner Homo-Denkmal, und zwar in der Nacht zum 5. April 2009. Wieder war das Sichtfenster mit der Kuss-Szene betroffen. (Vgl. auch unsere Aktuell-Seiten zum ersten sowie zum zweiten Anschlag.)

Im traditionell liberalen Kopenhagen und in Tel Aviv, der homofreundlichsten Stadt im Nahen Osten, richtete sich die Gewalt dann gegen Personen! Ende Juli / Anfang August 2009 wurden in Kopenhagen die World Outgames ausgetragen, alternativ zu den Gay Games das größte lesbisch-schwule Sportfest der Welt. In Kopenhagen soll es ca. 4000 aktive Teilnehmer gegeben haben (andere Quellen sprechen von 5500 lesbischen, schwulen, bi- und transsexuellen SportlerInnen aus über 100 Ländern), dazu ca. 4000 Besucher. Die Aktiven verteilten sich auf die 33 Sportarten-Gruppen, auch ein (kleineres) Chor-Festival, einen Kongress "Conference on Human Rights" und andere Veranstaltungen gab es. Bereits bei der Eröffnung wurden drei Teilnehmer offenbar aus rein homophoben Motiven zusammengeschlagen. Dann wurden am ersten Leichtathletik-Tag insgesamt drei Explosivkörper ins Stadion geworfen. Die Polizei stürmte sofort los und konnte einen 31-Jährigen festnehmen. Manche Augenzeugen sprachen dabei von Plastikbomben, andere allerdings auch von größeren Feuerwerkskörpern; so z.B. auch der Pressesprecher der Bundes-HuK, der zugegen war, als von einem neben dem Stadion liegenden Garagendach aus der dritte Explosivkörper geworfen wurde. Er schreibt dazu: "Das Ding "Bombe" zu nennen, wäre übertrieben; dann wäre das Auto, neben dem es zu Boden fiel, beschädigt worden, und auch der Mensch daneben hätte Schaden genommen. Eine Art Silvesterknaller der größeren Sorte war es aber schon; der Knall und die Rauchentwicklung waren beachtlich." Allerdings musste ein Sportler aus Seattle, der Läufer Dean Koga (58), in einer 4-stündigen Operation von den Splittern der ersten der drei Plastikbomben (von "Plastik-Shrapnellen" sprach die Presse) befreit werden, die sich in seine Hand gebohrt hatten. Am nächsten Tag gewann er dann die Goldmedaille im 200-Meter-Lauf in seiner Altersklasse.

In der Nacht vom 1. zum 2. August 2009 - während in Kopenhagen noch die Outgames liefen - griff dann ein schwarz gekleideter und maskierter Mann ein Jugendzentrum für Schwule und Lesben in Tel Aviv an, schoss mit einem Sturmgewehr um sich und tötete dadurch zwei Menschen, ein 16-jähriges Mädchen und einen 26-jährigen Gruppenleiter. 15 weitere Menschen wurden außerdem zum Teil schwer bis lebensgefährlich verletzt. Das betroffene Zentrum der Gay and Lesbian Association (AGUDA) galt als Treffpunkt vor allem für solche Jugendliche, die ihre homosexuellen Neigungen noch verstecken und damit teilweise Schwierigkeiten haben. Im Gegensatz zu den anderen Teilen des Heiligen Landes hat die Metropole Tel Aviv allerdings den Ruf einer besonders liberalen Stadt, deren Bewohner ihre Sexualität recht frei ausleben können. Hunderte von Menschen demonstrierten in der Stadt wenige Stunden nach der Tat mit Plakaten und Kerzen und am darauffolgenden Samstag in einer Demonstration unter der Überschrift "Continuing with Pride – für Toleranz, für Unterstützung der lesbischschwulen Community und in Gedenken an die Opfer"; in vielen Städten Europas gab es zeitgleich Mahnwachen aus diesem Anlass, wie in Berlin so auch z.B. in Frankreich, Polen und Spanien.

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Lesbisch-schwule Nachrichten aus dem kirchlichen Bereich lieferte die Evangelische Kirche von Schweden mit der Ernennung von Eva Brunne zur weltweit ersten lesbischen Bischöfin (von Stockholm - siehe nebenstehendes Foto), aber auch die anglikanische Kirche bzw. Episkopalkirche in den USA (ECUSA). Auf Druck der internationalen Gemeinschaft der Anglikaner hatte man im September 2007 in den USA ein Moratorium beschlossen, bis auf weiteres keine Lesben und Schwulen mehr zu Bischöfen zu weihen - vergleiche dazu unsere damalige Themenseite "US-Anglikaner knicken ein". Mit 99 zu 45 Stimmen beschlossen die Bischöfe nunmehr die Beendigung dieses Moratoriums, wovon schon kurz darauf die Diözese Los Angeles Gebrauch machte: Anfang August nominierte man in der Stadt der Engel ... von Porciuncola [*] mit Mary Glasspool und John Kirkley eine Lesbe und einen Schwulen als zwei von 6 Kandidaten für zwei offene Positionen von "Suffraganbischöfen" - eine Art von Weihbischöfen. Im Dezember 2009 wurde Frau Glasspool dann tatsächlich gewählt, aber ihr Amt kann sie erst antreten, wenn sie bis Mai 2010 dazu die Zustimmung einer Mehrheit der episcopalen Diözesen erhält, was eher fraglich ist.

[* "El Pueblo de los Angeles de la nuestra Señora la Reina de Porciuncola"]

  

Während der (nicht weisungsbefugte) Erzbischof von Canterbury als Primas der weltweiten anglikanischen Kirche ein "Zwei-Linien-Modell" für seine Kirche in die Diskussion brachte, organisierten sich die auf Grund ihrer Frauen- und Homofeindlichkeit aus der Episcopalkirche ausgetretenen Minderheitsgemeinden neu als "Anglikanische Kirche in Nordamerika". (Vgl. im Übrigen auch unsere Themenseite von 2008, Anglikanische Kirche: Uneins, aber (noch) nicht gespalten.)

Innerhalb der (ebf. anglikanischen) Kirche von Schottland (Church of Scotland) gab es eine Kontroverse auf der Ebene einer Pfarrerwahl: Eine Gemeinde hatte Scott Rennie als Pfarrer gewählt - eigentlich ein ganz normaler Vorgang. Rennie ist aber schwul und deshalb gab es Proteste, Gegenproteste usw.. Die Berufung des Pfarrers konnte erst in Kraft treten, nachdem die "General Assembly" der Kirche in Edinburgh in einer offiziellen Abstimmung (Ausgang: 326 zu 267) die Berufung bestätigt hatte.

Pfarrer der größten lutherischen Kirche der USA dürfen in Zukunft schwule oder lesbische Partnerschaften eingehen. Voraussetzung ist laut Beschluss der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELCA), dass es sich um eine "lebenslange" Verbindung handelt. Bei der ELCA-Jahrestagung in Minneapolis im August stimmten nach streckenweise emotionaler Debatte 559 Delegierte für die Neuregelung, 451 dagegen. Homosexuelle durften auch bislang Priester werden, mussten aber im Gegensatz zu ihren heterosexuellen Kollegen Enthaltsamkeit geloben. Die ELCA hat in den USA rund 4,7 Millionen Mitglieder. Der Vorstehende Bischof der ELCA, Mark Hanson, sprach von einer "respektvollen Debatte" bei der Hauptversammlung. Er hoffe, dass die unterlegenen Reformgegner weiterhin an der kirchlichen Diskussion teilnehmen würden. Einzelne Gegner warnten vor Kirchenaustritten. (Etwas Kurioses am Rande: Einer dieser Gegner - der sich selbst für einen ernstzunehmenden Theologen hält * - verkündete im Internet, über die Tagungsstätte der Synode sei ein Tornado hinweggerast, was doch wohl als ein Zeichen für Gottes Zorn über diese Entscheidung zu werten sei. Nun, das mit dem Tornado ist zwar richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Deren andere Hälfte lautet nämlich, dass jener Tornado längst abgezogen war, als die fragliche Entscheidung anstand. Die fiel dann bei wolkenlosem Himmel und strahlendem Sonnenschein, wie Augenzeugen berichteten.) - Anfang Oktober beschloss dann jedoch die Bischofskonferenz der ELCA in Chicago, dass dieser Synodenbeschluss frühestens ab dem April 2010 umgesetzt werde; bis dahin müssen homosexuelle PfarrerInnen also mindestens noch warten.

* Es handelt sich um den Direktor des Zentrums für Lutherische Theologie und Öffentliches Leben in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri), Uwe Siemon-Netto.

Zu Problemen und Kontroversen im Bereich zwischen Kirche(n) und Staat in den USA kann es dadurch kommen, dass die Quäker, eine der ältesten christlichen Gemeinschaften in der angelsächsischen Welt, voraussichtlich schon bald die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule beschließen werden. Schon seit etwa 20 Jahren segnen sie Paare, die eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft eingehen wollen. Ihre kirchliche Ehe wird in den USA zivilrechtlich anerkannt, und zwar auch in Staaten, die die Homo-Ehe per Gesetz verbieten. Die Quäker beabsichtigen nun laut Pressemeldungen, die Regierungen der betreffenden Staaten formell um eine Gesetzesänderung zu ersuchen.

  

Zu einer Kontroverse hierzulande kam es in der Folge des Evangelischen Kirchentages in Bremen. Dort hatte bei einer HuK-Veranstaltung mit dem Titel "Einheit der Kirche - Klarheit der Aussage" der Präses (= Landesbischof) der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), Alfred Buß; (Bielefeld) gesagt, Homosexualität sei etwas so Normales wie das Linkshändersein und müsse von Christen akzeptiert werden. Das ist natürlich so richtig und einmal eine erfrischend klare Aussage von kirchlicher Seite. Dessen ungeachtet zeigten sich die Pietisten darüber außerordentlich verärgert und übten beispielsweise in Gestalt des Evangelischen Gemeinschaftsverbands Siegerland-Wittgenstein "scharfe Kritik" daran. Sollte es den Redakteur dieser Zeilen einmal nach Siegen verschlagen und er dort zum Beispiel zwei Bier à 2,- € konsumieren, würde er sich hinfort nicht mehr zu wundern wagen, sollte auf die Feststellung des Kellners "zwei mal zwei macht vier" vom Nebentisch "scharfer Protest" ertönen!

In der katholischen Kirche ist Südtirols neuer Bischof (Diözese Bozen-Brixen) Karl Golser der erste hohe Würdenträger, der sich für den Schutz und die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare eingesetzt hat, so etwa im Erbrecht und bei Patientenbesuchen. Eine Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule lehnt allerdings auch er ab.

Südtirols neuer Bischof Karl Golser

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Kaum weniger schräg als die Proteste der Siegerländer Mitchristen gegen schlichte Tatsachenaussagen war das Ansinnen des Amtsgerichts Schweinfurt an das Bundesverfassungsgericht, dessen eigene Rechtsprechung in Sachen Lebenspartnerschaft doch bitte für tendenziell verfassungswidrig zu erklären - wenn ich das jetzt hinsichtlich der letzten Konsequenz als juristischer Laie richtig verstanden habe. Die Schweinfurter Richter hatten die Adoption eines Kindes durch die Lebenspartnerin der Mutter verhindern wollen, obwohl der leibliche Vater und das Jugendamt eingewilligt hatten. Herausgekommen ist nun dabei der Verfassungsgerichtsentscheid vom 10.08.2009 (AZ: 1 BvL 15/09), der aufs Beste die Position der Lesben und Schwulen stärkt. Das Bundesverfassungsgericht konstatiert darin nämlich einen Wandel im Verständnis von Elternschaft, der für den Kampf ums volle Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare eigentlich einen positiven Schub und kräftigen Rückenwind liefern müsste. So sehen es jedenfalls die Kommentare aus der FDP-Bundestagsfraktion (in Eintracht mit dem LSVD) sowie von Volker Beck, dem rechtspolitischen Sprecher der Bündnisgrünen. (Achtung: Die letzten drei Links führen zu pdf-Dateien; zum Öffnen benötigen Sie den Acrobat Reader - siehe den untenstehenden Link!)

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© 2009 Dr. Bernd König & HuK Hannover e.V. - letzte Änderung am 17.12.2009