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Adieu Bergen - Abschied eines Kirchenvorstehers

Von den Alfelder Bergen über die Region Hannover bis zur Aller im Celler Land waren und sind einige unserer Mitglieder (der HuK Hannover) in ihren örtlichen Kirchengemeinden sehr aktiv, wirken im Gottesdienst mit, predigen und/oder nehmen die vielfältigen Aufgaben eines Kirchenvorstandes wahr. Dadurch korrigieren sie quasi als "Schwule zum Anfassen" das Bild so manchen Gemeindemitgliedes, das vorher "keinen kannte" und sich Schwule (und auch Lesben) nur als "irgendwelche Exoten" vorgestellt haben mag. Anlässlich eines umzugs-bedingten Abschiedes aus einer solchen Funktion weisen wir hier mit einem Auszug aus einem Gemeindeblatt einmal auf dieses Engagement hin.

Gemeindebrief Nr. 03 - April 2009 von St. Lamberti, Bergen (ev.-luth.Kirchengemeinde), Titelseite mit dem Foto eines Kruzifixes und eines Blumenstraußes in einer Vase sowie den Texten "Unser Leitbild: `Ich bin gemeint. - Hier bin ich willkommen!´" sowie "Christus spricht: `Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit.´" Gemeindebrief Nr. 03 - April 2009 von St. Lamberti, Bergen (ev.-luth. Kirchengemeinde), Seite 6 [mit einem kleinen Foto von Jürgen Elvers]:

Adieu Bergen

Wie sagte neulich ein Gemeindemitglied zu mir: "Herr Elvers, Sie sind eine sehr große Bereicherung für unsere Gemeinde." Die Ehefrau und mehrfache Mutter und Großmutter meinte sicher nicht meine Arbeit im Kirchenvorstand, hier sind manche Mitglieder noch aktiver tätig, sondern sie bezog sich auf meine andere Lebensweise.

Sie meinte mich als Mann, der einen anderen Mann liebte und mit ihm fast zwanzig Jahre zusammen lebte. Sie meinte damit sicher auch, dass ich keinen Hehl aus meiner gleichgeschlechtlichen Veranlagung machte. Ich sei eben kein bunter, schriller Paradiesvogel, der mit einer Feder und einer Boa um den Hals durch Bergen laufe.

Leider werden Homosexuelle in der Presse und im Fernsehen oft noch immer negativ und lustig dargestellt. Bundesweit leben in Deutschland ca. 7 bis 9% gleichgeschlechtliche Bürgerinnen und Bürger völlig normal und ohne Aufsehen. Wir haben unter anderem schwule Regierende und Erste Bürgermeister, Parteivorsitzende und andere Politiker aller Parteien, Künstler und in Hamburg einen schwulen Probst. Leider hat derselbe es nicht geschafft, evangelischer Bischof in Schleswig-Holstein zu werden. Es fehlten in der Synode ein paar Stimmen.

Ich hoffe sehr, dass auch in Bergen ein Umdenken gegenüber Minderheiten durch meine Mitgliedschaft im Kirchenvorstand vonstatten gegangen ist, gerade auch bei älteren Gemeindegliedern. Die Damen sind mir gegenüber meistens diesbezüglich toleranter und aufgeschlossener. Ich selbst habe in Bergen keinerlei Diskriminierung erfahren.

Warum verlasse ich jetzt meinen zweiten Wohnsitz Bergen?
Aus Liebe zu meinem Mann (wir hatten uns vorm Standesamt als Lebenspartner eintragen lassen), habe ich vor fünfzehn Jahren in Bergen in der Rundestraße ein Haus gekauft, unser Anwesen in Hannover bewohnten wir weiterhin. Der Garten, Blumen, Fische und nochmals Blumen waren seine große Leidenschaft. Leider ist er am 31. Juli 2008 im Alter von 56 Jahren nach langer Krankheit verstorben.

Ich bin nun Witwer und lebe allein. Unsere Landeshauptstadt bietet mehr Abwechslung für mich als jungen Alten. Da ich seit 26 Jahren Mitglied der HuK Hannover (Ökumenische Gemeinschaft Homosexuelle und Kirche) bin, habe ich einen großen Kreis von Freundinnen und Freunden dort.

Ich kam 1994 als Fremder nach Bergen, den christlichen Glauben hatte ich seit meiner Kindheit in mein Leben aufgenommen und hatte mich dann auch in Bergen ein bisschen engagiert. Dadurch habe ich viele Menschen in und außerhalb der Gemeinde kennen und schätzen gelernt. Dafür danke ich allen.

Darum appelliere ich gerade an die Einsamen, arbeiten und helfen Sie mit, dass die evangelische Kirche in Bergen weiterhin die Gesellschaft mitprägt und diese gesichert wird.

Am Palmsonntag, den 05. April, werde ich in einem feierlichen Gottesdienst verabschiedet und mein jüngerer Nachfolger im Kirchenvorstand wird dann eingeführt. Ich wünsche nun der St. Lamberti-Gemeinde Gottes Geleit und Segen in guten und schweren Tagen.

Ihr Jürgen Elvers.

(Siehe auch nächste Seite!)

 

Anmerkungen:
- "mit einer Feder und einer Boa": Gemeint ist hier natürlich die berühmte Federboa - aber das muss ein "Lederkerl" wie Jürgen ja auch nicht so genau wissen.
- "(Siehe auch nächste Seite!)": Da findet sich nach einem Hinweis auf die aktuelle Ausstellung zur Geschichte der Lesben und Schwulen in Hannover im dortigen Historischen Museum die Vorstellung des Nachfolgers.

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© HuK Hannover e.V. & St. Lamberti-Gemeinde Bergen 25.04.2009