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Katholische Lesben und Schwule - Selbstbewusst, froh und in bester Gesellschaft

Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) zum letzten Kreuzzug der Erzkonservativen

(Pressemitteilung der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche ("Bundes-HuK")
vom 15.02.2009 zu aktuellen Äußerungen aus der römisch-katholischen Kirche
- mit einem Kommentar unseres Internetredakteurs)

Mit Bestürzung nimmt die Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche das dauerhafte Agieren konservativer Exoten aus der römisch-katholischen Kirche wahr, mit dem Homosexuelle als Defekt, als drittklassige Katholiken und als Gefahr für die Gesellschaft dargestellt werden sollen. Man könnte geradezu meinen, nur ängstliche Lesben und Schwule seien gute Lesben und Schwule. Es spielt dabei keine Rolle, ob diese Aussagen von einem Bischof stammen, der gerade versucht, mit jungen Menschen über deren Lebens- und Glaubensthemen zu sprechen oder von einem Amtsträger, der in einer Talksendung meint, die letzten katholischen Bastionen behaupten zu müssen.

Die HuK hingegen steht seit über 30 Jahren für die Befreiung aus Angst und Isolation, für das gemeinsame Erleben der Liebe Gottes, die Lesben und Schwule als Glieder der Kirche miteinander und mit vielen anderen Christen verbindet. Gerade deshalb, so die HuK, ist auch eine Haltung abzulehnen, die homosexuelle Veranlagung (scheinbar) toleriert, gelebte Homosexualität aber diskriminiert. Aus HuK-Sicht ist festzustellen:

1. Kirche und Gesellschaft gewinnen durch die Begabungen, die Lesben und Schwule einbringen. Ein Untergang ist nicht zu erwarten.
2. In einem freiheitlichen Staat hat Jeder das Recht, seine Meinung zu vertreten. Es ist allerdings peinlich, wenn andere Auffassungen plötzlich zu einem "Komplott" gegen die römisch-katholische Kirche erklärt werden.
3. Die HuK erwartet, dass die katholische Kirche die Frohbotschaft nicht länger zu einer Drohbotschaft verkehrt, sondern das Recht aller Menschen, ihre Sexualität (egal ob homo-, hetero- oder bisexuell) verantwortlich zu leben, anerkennt.
4. Daraus ergibt sich, dass Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle als Mitglieder und als Mitarbeitende in der Kirche auf allen Ebenen willkommen sind. Jegliches sachfremde Misstrauen und Kontrollbedürfnis gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Kirchenmitgliedern entfällt.
5. Die katholische Kirche muss öffentlich und weltweit eingestehen, dass sie sich über Jahrhunderte mitschuldig gemacht hat an der Ausgrenzung homo- und bisexueller Menschen. Sie hat fortan alle Minderheiten innerhalb der Kirche zu akzeptieren und sich aktiv dafür einzusetzen, dass diese Akzeptanz auch in der gesamten Welt Verwurzelung und Umsetzung findet.

Die genannten fünf Punkte entstanden im Dialog mit vielen Einzelpersonen und Gruppen, die sich einer offenen Kirche von unten verbunden wissen. Das langjährige Unterwegs-Sein als Volk Gottes, zusammen mit weiteren schwullesbischen Gruppen, Gottesdienstgemeinschaften und den Gruppen Schwuler Seelsorger gibt uns Ideen, Kraft und großen Mut!

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Für weitere Informationen
steht Ihnen zur Verfügung:

Dr. Andreas Merschmeier
(Vorstandsmitglied der HuK)
Tel. 0234/3251483
Email: andreas@huk.org

Dr. Reinhold Weicker
(HuK-Pressesprecher)
Tel. 05251 / 66018
Email: presse@huk.org


Haitzinger-Karikatur vom neuen Kaffeebecher der Bundes-HuK: Zwei Personen stehen am Rande einer Weltkarten-Scheibe der Erde im All; Sprechblase & Untertext: "Tatsächlich ..." "... seit Benedikt XVI. ist die Erde wieder eine Scheibe!"

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Dazu ein Kommentar unseres Internetredakteurs:
(insbesondere zu Punkt 5)

Seit Jahrhunderten anscheinend nichts dazugelernt? Dieser Verdacht mag sich im Hinblick auf die römisch-katholische Kirche ja bisweilen aufdrängen, doch völlig zu Unrecht: Auch für den Papst und sein Gefolge ist die Erde heute keine Scheibe mehr (oder vielleicht doch? - siehe die Haitzinger-Karikatur), steht nicht mehr im Zentrum des Universums und ist auch deutlich älter als jene gut 4.000 Jahre, an die die Kreationisten so vehement glauben wollen! Respekt!

Und noch ein Beispiel: Wie sehr hatte doch der später heiliggesprochene Kardinal und Bischof Petrus Damiani (1007-1072) gegen die seiner Meinung nach ekelhafte byzantinische Unsitte gehetzt und gepredigt, mit Messer und Gabel statt mit den Fingern zu essen: "Gott in seiner Weisheit hat den Menschen mit natürlichen Gabeln ausgestattet - seinen Fingern. Daher lästert man Gott, wenn man beim Essen die Finger durch künstliche metallene Gabeln ersetzt!" [*] Das saß! Und war theologisch mindestens so gut begründet wie die "Schöpfungsordnung" mit der strikten Zweigeschlechtlichkeit (an die sich dummerweise die Schöpfung ab und an so gar nicht halten will) und der "Aufeinander-Bezogenheit" von Mann und Frau (um die sich die Schöpfung noch weniger schert! - Wie wäre es, wenn Papst & Co. statt Lesben und Schwule zur Enthaltsamkeit die Schöpfung ein wenig zur Ordnung rufen würden?!). - Damiani schaffte es mit seinen Philippiken immerhin, die Gabel für die nächsten Jahrhunderte vom Einflussbereich der römisch-katholischen Kirche fernzuhalten. Nur 500 Jahre später half dann aber auch dessen Heiligkeit nicht mehr - und heute speist mutmaßlich selbst der Papst mit Messer und Gabel! So viel zum "Sittenverfall" in der römisch-katholischen Kirche! (Die ist eben - wie schon gesagt - auch nicht mehr das, was sie mal war.)

Nun könnte man ja, wenn´s denn der Gottgefälligkeit dient, zur Not mit den Fingern essen. (Gestern mittag beim halben Hähnchen habe ich das sogar freiwillig gemacht - Damiani, wenn er denn vom Himmel herabblickt, dürfte seine wahre Freude gehabt haben.) Aber ein Leben lang auf Liebe, Zärtlichkeit, Sexualität und Partnerschaft verzichten oder gar noch als Homosexuelle(r) "widernatürliche Unzucht" mit dem Gegengeschlecht treiben zu sollen, das stünde doch auf einem ganz anderen Blatt!

Und mal ehrlich: Wer von uns hat schon die Zeit, 500 Jahre oder länger damit zu warten, bis die Gabel denn auch wirklich im Vatikan angekommen ist?

So mögen aus heutiger Sicht obige 5 Punkte in Bezug auf den höheren Klerus zwar utopisch erscheinen; doch an der Basis gibt es das ja schon - selbstbewusste katholische Lesben und Schwule. Eric Leis zum Beispiel war so einer [**] (glücklicherweise bei weitem nicht der Einzige!) und wird uns in diesem Zusammenhang ganz besonders in Erinnerung bleiben. Schön, dass die Bundes-HuK nun einmal das Programm der römisch-katholischen Kirche für die nächsten Jahrhunderte formuliert hat!

Bernd König

[*] Zitiert nach Ilija Trojanow / Ranjit Hoskoté (2007): Kampfabsage - Kulturen bekämpfen sich nicht - sie fließen zusammen. Frankfurt a.M. - Wien - Zürich: Karl Blessing Verlag & Büchergilde Gutenberg. S. 32

[**] ehemaliges Vorstandsmitglied der Bundes-HuK, 2008 verstorben.


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Hand, ein Kondom haltend mit dem Papst-Portrait und der Aufschrift "I said No!" (Ich sagte Nein!)

Der Papst sagt Nein zu Kondomen!

Peter Bürger: Die fromme Revolte. Katholiken brechen auf

Peter Bürger, Theologe, Publizist und Mitglied der HuK, hat in der Publik Forum-Edition ein neues Buch veröffentlicht: "Die fromme Revolte – Katholiken brechen auf". Schon ab 2001 legte er in 2 Auflagen das theologische Werk "Das Lied der Liebe kennt viele Melodien – Eine befreite Sicht der Homosexualität" vor. Jetzt steht allerdings nicht die kirchliche Befreiung von Schwulen und Lesben im Mittelpunkt, sondern eine Bewegung von unten im Katholizismus, Ökumene und der "zivilisatorische Ernstfall" als Herausforderung für das Christentum. Bürger spricht in einem Kapitel auch das leidige Thema "Kirche & AIDS-Prävention" an: "In Sachen Kondomgebrauch hat sich zuletzt Benedikt XVI. zum Auftakt seiner Reise nach Kamerun und Angola hervorgetan. Auf dem afrikanischen Kontinent geht das Massensterben von AIDS-Kranken unaufhörlich weiter. Kondome werden die riesigen Probleme Afrikas nicht lösen, sie können aber die Zahl der HIV-Neuinfektionen drastisch verringern. Vorrangig ist es Aufgabe des Vatikans, die massenmörderische Patent- und Preispolitik der Pharmakonzerne anzuprangern (was auch geschieht). Ich kann dem Bruder Papst versichern, dass er sich mit religiös motivierten Voten gegen Kondomgebrauch ebenfalls versündigt. Ich habe bis zum Durchbruch der neuen Anti-Virus-Kombinationstherapien 1997 sieben Jahre als Krankenpfleger auf einer AIDS-Station gearbeitet und halte mich deshalb für kompetent. Wer angesichts der endlosen Leiden, die diese Krankheit bei fehlender Therapie verursacht, naturrechtliche Hirngespinste gegen die am besten bewährte Präventionsmethode setzt, kann kein Herz haben."

Auszüge aus einer Buchbesprechung:
In zehn Kapiteln schreibt Bürger über Kirche und Gesellschaft im Lichte der christlichen Botschaft, und zwar mit großem psychologischem Einfühlungsvermögen und gediegener Geschichtskenntnis. Im ersten Kapitel geht es um den Götzen "Macht": ... "Kirchenreform beginnt ... damit, Macht als Götzen zu entlarven" ... Das zweite Kapitel (überschrieben: Ultra Montes) handelt vom Drama der römischen Kirche in der Neuzeit. Bürger erinnert an die Anfrage Küngs "Unfehlbar?", die ihm 1979 den Entzug der Lehrerlaubnis einbrachte, dann an Haslers Dissertation "Pius IX. (1846-1878), päpstliche Unfehlbarkeit und 1. Vatikanisches Konzil", die in ganz unseriöser Weise von den vatikanischen Hoftheologen desavouiert wurde. ... Drittes Kapitel: "Unheilbar katholisch". Dieses Kapitel über den sogenannten Milieukatholizismus ist für mich das schönste und authentischste Kapitel des Buchautors, weil es Einblicke gibt in dessen eigene Jugend und Reifung und in das Milieu, von dem er selbst ein Teil war. ... Das vierte Kapitel handelt vom II. Vatikanischen Konzil: dem Reformkonzil. Am Anfang steht ein wirklicher Christ: Papst Johannes XXIII. Was wollte der eigentlich? Aufbruch oder Kontinuität? Das Konzil ist gezeichnet vom Ringen zwischen beiden Richtungen. Im Nachhinein muss man leider feststellen, dass aus dem Aufbruch nichts (oder nur wenig) geworden ist, die Interpretation des Konzils im Sinne der Kontinuität ohne Brüche hat sich durchgesetzt; denn die Nachfolgepäpste bis Benedikt XVI. waren und sind gegen einen wirklichen Aufbruch. Seit 2005 ist sogar ein Fahrplan zu erkennen, dass die ultrakonservativen Gegner des Konzils wieder ins Boot zurückgeholt werden sollen. Bürger versteht es meisterhaft, die Zeichen der Zeit zu erkennen, zu benennen und sie in einen plausiblen Zusammenhang zu setzen. ...

Credo – so heißt das fünfte Kapitel. Man kann Glauben verstehen als Vertrauen auf Gottes unendliche Liebe, dann sind die exakten Glaubensinhalte weniger wichtig; oder man betrachtet Glauben als eine Litanei von dezidierten Glaubenswahrheiten, die aufzusagen von Bedeutung sein soll. Das römische Glaubensverständnis geht in die zweite Richtung. So ist Glauben kontrollierbar, erzwingbar und fordert die Gewalttätigkeit geradezu heraus wie z.B. in der Inquisition. ... Priestermacht und Abendmahl – so ist das sechste Kapitel überschrieben. Damit sind die ewigen Streitpunkte benannt, die die römische Kirche gegen die Ökumene geltend macht. ... In den letzten vier Kapiteln (7. Pro multis; 8. Pacem in terris; 9. Populorum progressio; 10. Lumen gentium) geht es um die Herausforderungen einer Kirchenbewegung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Eine Kirche, die sich von der Welt abschottet und von anderen Christen, vertut die Chance, Salz der Erde und Licht auf dem Berg zu sein. Johannes XXIII. und Paul VI. haben in ihren Enzykliken Pacem in terris und Populorum progressio Wege gewiesen, was Kirche in der Welt sein könnte und sein sollte.

(Informationen zum Buch: www.friedensbilder.de. - Von Peter Bürger gibt es in unserer Homepage noch den lesenswerten Aufsatz "Perspektiven christlicher Familienbilder für Lesben und Schwule ...".)

Buchtitel Peter Bürger: "Die fromme Revolte"

   

Peter Bürger:
Die fromme Revolte. Katholiken brechen auf.
288 Seiten. 17,90 EUR
(Publik-Forum Edition). ISBN: 978-3-88095-191-4.

(Einen Auszug aus dem Buch mit einem Text über den Orden der "Schwestern der Perpetuellen Indulgenz" findet der geneigte Leser in unserer Themenseite "Besondere Formen der Prävention".)



Eine Schwester der Perpetuellen Indulgenz

Eine Schwester der Perpetuellen Indulgenz

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© Bundes-HuK & HuK Hannover e.V. 25.04.2009 - Änderungen am 12.09.2009 [Kondom "I said No!"],
am 04.01.2010 [Abschnitt über das Buch von Peter Bürger] und 14.01.2010 [Link]