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Wider die Diagnose der "Ichdystonen Sexualorientierung"
(Eine Initiative mehrerer Lesbenorganisationen und des LSVD)

(Presseinformation des LSVD vom 5.12.2008)

Die Lesbentelefone, die LAG Lesben in NRW, der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) und der Lesbenring haben eine gemeinsame Initiative zur ersatzlosen Streichung der Diagnosen "Psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung" (F66.- ICD-10 Gm) gestartet. Dazu erklären Gisela Wolf, Ansprechpartnerin für die Lesbentelefone, Gabriele Bischoff, Vorstand LAG Lesben in NRW, Annette Hecker, Sprecherin des LSVD sowie Konstanze Gerhard für den Lesbenring:

<< Die Diagnosen "Psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung" (F66.- ICD-10 Gm) können zum Schaden von lesbischen, schwulen und bisexuellen Klientinnen und Klienten angewandt werden. Sie pathologisieren die persönliche Auseinandersetzung mit heteronormativen Zumutungen und gesellschaftlichen Diskriminierungen im Coming-out-Prozess. Die Irritationen, die Lesben und Schwule verarbeiten müssen, weil sie in einer Gesellschaft leben, die sie nicht willkommen heißt, dürfen nicht stigmatisiert und als krankhaft etikettiert werden.

Wenn jemand sich im Coming-out-Prozess nicht akzeptiert, stellt das keine Persönlichkeits- und Verhaltensstörung dar. Die Diagnose der "Ichdystonen Sexualorientierung" (ICD-10 Gm, F66.1) bereitet den Boden für die Anwendung von gefährlichen Umpolungsansätzen. Wenn erst einmal die "Ichdystone Sexualorientierung" aktenkundig ist, berufen sich darauf auch diejenigen, die nachweislich schädigende Psychotherapien mit dem Ziel der Konversion in Richtung einer heterosexuellen Orientierung anbieten.

Depressive Episoden und Leiden von Lesben, Schwulen und Transgender müssen ernst genommen werden, aber die professionelle Hilfe ist nicht auf eine Klassifizierung dieser Leiden als "Ichdystone Sexualorientierung" angewiesen. Das Etikett "ICD-10 Gm, F66.1" ist für eine fachkompetente Diagnose redundant, es befördert Vorurteile und ist politisch gefährlich.

Wir haben uns deshalb in Briefen an das Bundesgesundheitsministerium, an das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) sowie an das European Observatory on Health Systems and Policies (WHO) gewandt, um eine Stellungnahme gebeten und die Abschaffung dieser Diagnose gefordert. >>

www.lesben-nrw.de
www.lesbentelefone.de
www.lsvd.de
www.lesbenring.de


LSVD - Pressestelle
Pressesprecherin Renate H. Rampf
Chausseestr. 29, 10115 Berlin
Tel.: 030 - 78 95 47 78
Fax: 030 - 78 95 47 79
E-Mail: Presse@lsvd.de
http://www.lsvd.de

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© LSVD & HuK Hannover e.V. 17.12.2008