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Das zerschlagene Sichtfenster, in dem das Video mit den beiden sich küssenden jungen Männern zu sehen war.

   

Anschlag auf das neue Berliner Homo-Denkmal

(Nach einer Pressemitteilung des LSVD vom 17.08.2008
und der Webseite www.homo-denkmal.de)


Links: Das zerschlagene Sichtfenster, in dem das Video
mit den beiden sich küssenden jungen Männern zu sehen war

In der Nacht zum Samstag, den 16.08.2008, haben bislang noch unbekannte Täter einen Anschlag auf das neue Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Homosexuellen verübt und insbesondere das Sichtfenster, in dem das Video mit den beiden sich küssenden jungen Männern zu sehen war, mit massiver Gewalt zertrümmert. Das spricht zweifellos für Hass gegen Schwule als Tatmotiv.

Das Denkmal im Berliner Tiergarten - gegenüber dem Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals (Denkmal für die ermordeten Juden Europas), auf das es in seiner Gestaltung Bezug nimmt - war erst Ende Mai eingeweiht worden. Einen Monat darauf konnte zum Berliner CSD der mutmaßlich letzte Überlebende der nationalsozialistischen Schwulenverfolgung, Rudolf Brazda, als Ehrengast am Denkmal begrüßt werden - seine Nichte war durch Berichte über die Einweihung auf den Gedanken gekommen, den Kontakt zu ihm zu vermitteln. Auf einer umfangreichen Webseite mit Fotos und Links zu den Redebeiträgen (als Videos im Internet) haben wir darüber berichtet:

Zur Seite "Denkmaleinweihung in Berlin - Rudolf Brazda beim CSD"

[ Direkt zur Kuss-Szene (Foto mit Link) ]    [ Direkt zum Text zur Kuss-Szene ]

Günter Dworek, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), erklärte dazu:

"Der Lesben-und Schwulenverband (LSVD) verurteilt den Anschlag aufs Schärfste. Jede Attacke auf einen Gedenkort für NS-Opfer ist widerlich und empörend. Darüber kann man nicht zur Tagesordnung übergehen. (...)

Der Anschlag macht drastisch deutlich, wie notwendig dieses Denkmal ist. Laut Beschluss des Bundestages soll es auch für die heutige Zeit ein ``beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen.´´ Homosexuellenfeindlichkeit ist immer noch virulent. Die im Denkmal gezeigte Kussszene trifft offenbar ins Schwarze. Auch in einer demokratischen Gesellschaft gibt es Menschen, die es nicht ertragen können, wenn sich zwei Männer im öffentlichen Raum küssen.

In Berlin war in den vergangenen Wochen eine Gewaltserie gegen schwule Männer zu verzeichnen. Es ist notwendig, die gesellschaftlichen Anstrengungen gegen Homosexuellenfeindlichkeit deutlich zu verstärken."

Der homosexuelle Überlebende des Konzentrationslagers Buchenwald, Rudolf Brazda, zeigte sich entsetzt über den Anschlag auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. In einem Telefonat mit Alexander Zinn, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V., äußerte er sich folgendermaßen:

"Dieser Anschlag ist schrecklich, ekelhaft ist das! So etwas heute, nach all dem Leid und Grauen, das wir erleben mussten. Hundsgemein ist das! Doch ich muss sagen, ich hatte so etwas befürchtet. Die Menschen lernen offenbar nicht dazu, sie sind leider viel zu dumm dazu. Weil sie es nicht verstehen wollen, dass es so etwas gibt wie Homosexualität. Weil sie es nicht akzeptieren wollen, dass es Menschen gibt, die von Natur aus anders sind als sie."

Für Montag, den 18. August, rief der LSVD zu einer Protestkundgebung am Denkmal auf. Dabei sprachen unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, LSVD-Bundesvorstand Günter Dworek und die Berliner Abgeordneten Monika Thamm (CDU) und Anja Kofbinger (Grüne). Etwa 200 Personen nahmen an der Kundgebung teil.

Bürgermeister Wowereit und LSVD-Bundesvorstand Dworek mit der Presse vor dem zerstörten Sichtfenster LSVD-Vertreterin mit Transparent "Respekt immer - Hass nimmer!"

Fotos von der Protestkundgebung:
Der Regierende Bürgermeister Wowereit und LSVD-Bundesvorstand Dworek mit der Presse vor dem
zerstörten Sichtfenster. - LSVD-Vertreterin mit Transparent "Respekt immer - Hass nimmer!"

Fotos: Alexander Zinn

Nach dem oder den Täter(n) fahndet der Staatsschutz; das Spezialglas des Video-Sichtfensters (zu dessen Zerstörung es beträchtlicher Gewalt bedurfte) muss eigens in Auftrag gegeben werden, soll aber baldmöglichst ersetzt werden. Künftig soll das Denkmal dann auch besser bewacht werden.

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[ Zur Seite zum zweiten Anschlag im Dezember 2008 ]

(Ein dritter Anschlag erfolgte am 5. April 2009.)

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© LSVD, Alexander Zinn (Fotos) & HuK Hannover e.V. 18.08.2008 (i.V.)
- letzte Änderung am 04.09.2009