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Anlässlich der kürzlichen Eröffnung des neuen Dokumentationszentrums der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen mit der ebenfalls neuen Dauerausstellung besuchte eine Delegation aus Mitgliedern der HSH, des VEHN, der Gruppe Vierzig Plus Hannover und der HuK Hannover am 1. Dezember 2007 die Gedenkstätte. (Bedingt durch die geringe Vorlauffrist und die Zeitgleichheit mit dem Welt-AIDS-Tag war allerdings leider nur eine recht kleine Gruppe in Bergen-Belsen zusammen-gekommen.) |
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Unsere Gruppe in der neuen Dauerausstellung. Links: Ganz hinten das Panoramafenster zum Gelände; weiter vorn eine Sitzbank mit |
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Das neue Dokumentationszentrum ragt freitragend |
Die Mehrzahl unserer Gruppe mit dem Leiter der Gedenkstätte,
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Als das KZ Bergen-Belsen am 15. April 1945 befreit wurde, bot sich den britischen Truppen ein so grausiges Bild, wie sie es sich selbst in ihren schlimmsten Vorahnungen kaum vorgestellt haben dürften: Berge nackter Leichen, zumeist fast bis auf das Skelett abgemagert, waren überall im Lager aufgehäuft. Schwere Baumaschinen schoben die Leichen vieltausendfach in Massengräber. Man zählte sie gar nicht mehr, man schätzte sie nur: 5.000, 10.000 in einem Grab. Die Fotos der britischen Befreier gingen um die Welt und zeigten der Menschheit das wahre Gesicht des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen. Bergen-Belsen wurde damit gleichsam zu deren Synonym und neben Auschwitz zu einem der weltweit bekanntesten aller Konzentrationslager - mit Hunderttausenden von Besuchern jährlich und einer entsprechenden Bedeutung dessen, was dort dargestellt wird. Dabei war es erst 1943 offiziell zu einem solchen Lager geworden und ist in seiner Geschichte eigentlich ganz "untypisch". Seine Vorgeschichte begann 1935 mit einem Barackenlager im Wald für jene Bauarbeiter, die im Zuge der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung durch das Nazi-Regime den Truppenübungsplatz Bergen aufbauen sollten. Dieses Barackenlager nördlich der Lagerstraße wurde ab 1940 zum Kriegsgefangenenlager für französische und belgische, südlich davon ab 1941 vor allem für sowjetische Kriegsgefangene. 14.000 der anfangs 20.000 sowjetischen Gefangenen starben im Winter 1941/42. Nach Verlegung der Franzosen und Belgier nach Fallingbostel bestand das Kriegsgefangenenlager in deren ehemaligem Lagerbereich noch bis 1945 als "Russenlager" für kranke Gefangene fort - parallel zum Konzentrationslager: Im April 1943 wurde der ursprünglich für sowjetische Gefangene eingerichtete Lagerbereich an die SS übergeben und hier ein Sammellager für mehrere tausend Juden unter der Bezeichnung "Aufenthaltslager Bergen-Belsen" eingerichtet, inoffiziell auch "Sternlager" genannt wegen des Judensterns, den die Insassen tragen mussten. Es waren Menschen, die man gegen im Ausland internierte Deutsche auszutauschen gedachte; daher konnten sie nicht zu schlecht behandelt und mussten auch einigermaßen angemessen ernährt werden. Tatsächlich sind auch zumindest mehrere hundert von ihnen auf diese Weise freigekommen (- und mit eben dieser Aussicht vor Augen war deren Neigung zu Fluchtversuchen im Übrigen auch gering; für die Mehrzahl von ihnen blieb es jedoch eine trügerische Hoffnung, die sich nicht erfüllen sollte). Im Frühjahr 1944 begann das Lager Bergen-Belsen dann allmählich, zu einem "richtigen KZ" zu werden, zunächst durch Verlegung nicht mehr arbeitsfähiger Insassen aus anderen KZs hierher, vor allem aus dem unterirdischen KZ Mittelbau-Dora, wo die Nazis ihre "Wunderwaffe", die V2-Rakete, bauen ließen. Von der SS wurde das Lager daher zynisch "Erholungslager" genannt - wobei die meisten dieser Häftlinge starben. Mit einem großen Frauen-Transport aus Auschwitz-Birkenau (darunter waren auch Anne Frank und ihre Schwester Margot) begann dann im August 1944 die zunehmend chaotische Endphase des Lagers (am schlimmsten ab Januar 1945): Tausende von Gefangenen frontnäherer KZs wurden in Evakuierungstransporten nach Bergen-Belsen gebracht, konnten hier aber kaum mit dem Nötigsten versorgt werden. Zusätzlich brachen Typhus und andere Seuchen aus, denen die extrem geschwächten Menschen keine nennenswerten Abwehrkräfte mehr entgegensetzen konnten. Schließlich war dann auch die Lagerleitung unfähig, der Massen an Toten Herr zu werden. Von den etwa 60.000 Menschen, die zum Schluss die Befreiung noch erlebten, starben in der Zeit danach trotz aller Rettungsbemühungen der britischen Sanitäter noch etwa 13.000 an Entkräftung und den sonstigen Folgen der Lagerhaft.
In der nahegelegenen ehemaligen Wehrmachtskaserne wurde nach der Befreiung ein Nothospital und schließlich ein Auf Anordnung der Briten wurde 1947 mit der Errichtung einer Gedenkstätte mit einem Obelisken und einer Inschriftenwand begonnen. Auf der Inschriftenwand wurden statt der Opfergruppen die Nationalitäten der Opfer verzeichnet - obwohl (vielleicht mit Ausnahme der Kriegsgefangenen) keines der Opfer seiner Nationalität wegen hier festgehalten und (in vielen Fällen) ermordet wurde. Der Massengräber wegen wird das Gelände damals als großer Friedhof angesehen und als solcher zu einer parkähnlichen Landschaft umgestaltet, was jedoch das historische Zeugnis der Lagerfunktionen unkenntlich machte und das Grauenhafte des Ortes verdeckte. Noch in den 1950er und 1960er Jahren wurde in der Bundesrepublik bekanntlich die Schwulenverfolgung mit Hilfe der Nazi-Fassung des § 175 StGB fortgeführt. Es bedurfte dann nach 1969 eines langen Atems, vieler Kämpfe und eines starken Engagements (vor allem Rainer Hoffschildts und seiner Mitstreiter von der HSH und auch der HuK Hannover), damit ab 1990 in der zweiten Version einer Dauerausstellung in Bergen-Belsen die Schwulen nicht mehr länger verschwiegen wurden ("Totgeschlagen – Totgeschwiegen" steht nicht zu Unrecht auf vielen Gedenksteinen für Schwule), sondern unserer Opfergruppe ein Modul in der Ausstellung und auch ein Beitrag im Begleitheft gewidmet wurden. Erst seit 1999 wird dann auf einer Gedenktafel für alle Opfer erstmals im Gelände ausdrücklich auch der Schwulen gedacht.
Die neueste Umgestaltung der Gedenkstätte hat damit begonnen, auf der Basis eines Luftbildes der Die eigentliche Ausstellung - also der niederschwellige Teil, den alle BesucherInnen des Dokumentationszentrums, insbesondere auch die Schulklassen (im Wortsinne) durchlaufen - erzählt in der Hauptsache die in den obigen Abschnitten skizzierte Lagergeschichte nach, ergänzt um Informationen zum Bergen-Belsen-Prozess vom September bis November 1945. Da das SS-Wachpersonal alle Unterlagen vernichtet hatte, konnte ja über Bergen-Belsen nur mit Material aus anderen KZs (z.B. Transportlisten) geforscht werden; dazu haben Überlebende Briefe, persönliche Aufzeichnungen und anderes Material zur Verfügung gestellt. Viele Quellen (z.B. aus Museen und Archiven in Warschau oder Moskau) konnten erst in den letzten Jahren ausfindig gemacht und ausgewertet werden; erst dadurch wurde die historisch korrekte Nacherzählung der Lagergeschichte möglich. Sie wird ergänzt durch in den Boden eingelassene Vitrinen, in denen sich bei Freilegungsarbeiten baulicher Reste des Lagers aufgefundene Gegenstände befinden, und Videogeräte, die Zeitzeugen-Videos zeigen.
Der historische Ort wird dadurch in seiner Besonderheit der/dem BesucherIn sehr gut nahegebracht; Informationen zu den Verfolgtengruppen finden sich aber nur in der Vertiefungsebene - und auch nicht im Begleitheft. Wer dort nachliest, findet allenfalls eher zufällig auf S. 64 einen Hinweis auf die Verfolgtengruppe der Sinti und Roma. Schwule werden dort gar nicht erwähnt. Und sehr genau hinschauen muss schon, wer in den Transportlisten in der Ausstellung (siehe das Bild ganz oben rechts und die Ausschnittvergrößerung hier unten) bei einzelnen Namen den Eintrag "Homo" entdecken will. |
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Ausschnittvergrößerung der Transportlisten im zweiten Bild auf dieser Seite |
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Wer also durch die Ausstellung geht ohne sich mit der Vertiefungsebene zu befassen, wird in der Regel mit dem Eindruck nach Hause gehen, in Bergen-Belsen seien nur Kriegsgefangene und Juden interniert gewesen; von den Verfolgtengruppen der Sinti und Roma (außer eventuell im Begleitheft), den politisch Verfolgten und den Schwulen wird sie oder er nichts erfahren haben. Das ist bei einer Gedenkstätte von solcher internationaler Bedeutung unserer Auffassung nach nicht hinnehmbar (*) und ein eindeutiger Rückschritt im Vergleich zur vorigen (2.) Dauerausstellung, wie die Teilnehmer unseres Besuches übereinstimmend meinten, und sollte baldmöglichst nachgebessert werden. - Ein Vorbild dafür findet sich auch bereits in der Ausstellung selbst, denn in einem Falle wurde deren Konzept bereits durchbrochen: In einer dem (schlichten) Ausstellungsdesign angepassten Vitrine hat man sich von der Anne Frank-Stiftung in Amsterdam eine Präsentation zu Anne Frank gestalten lassen - andernfalls wäre der Nazis und gerade auch Bergen-Belsens weltweit berühmtestes Opfer von den internationalen BesucherInnen doch zu sehr vermisst worden, meinte sinngemäß der Gedenkstättenleiter Dr. Thomas Rahe. Mit gleichem Recht vermissen wir (und sicherlich auch die Sinti und Roma und Angehörige anderer "kleiner" Opfergruppen - wobei jedes einzelne Opfer eines zuviel ist) eine Vitrine über "unsere" Opfer. - Unser Fazit:
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© 2007-8 HuK Hannover e.V. - letzte Änderung am 17.01.2008