Die Bischöfe der zu den weltweit etwa 77 Millionen Anglikanern gehörenden Episkopalkirche in den USA haben auf ihrer aktuellen Versammlung in New Orleans am 25. September 2007 beschlossen, bis auf Weiteres keine Homosexuellen mehr zu Bischöfen zu weihen sowie keine gleichgeschlechtlichen Paare mehr zu segnen. Damit gaben die US-Anglikaner nun doch dem Druck der konservativen anglikanischen Gliedkirchen aus aller Welt (und auch dem der Minderheit von eigenen konservativen Gemeinden) nach - sowie einem Ultimatum der (nicht weisungsbefugten) weltweiten Kirchenleitung, die gedroht hatte, ohne ein Überdenken der Haltung zur Homosexualität würden die Beziehungen zur US-Kirche zumindest "beschädigt". Im März 2007 hatten die Verlautbarungen der Episkopalkirche zu diesem Thema noch ganz anders geklungen - (vgl. unseren damaligen Aktuell-Beitrag). Allerdings will sich laut der Vorsitzenden Bischöfin Katherine Jefferts Schori ihre Kirche ansonsten dennoch auch weiterhin für volle Bürgerrechte von Lesben und Schwulen einsetzen. Dieser Beschluss, mit dem nicht alle einverstanden gewesen seien, sei das Resultat der Suche nach einer gemeinsamen Basis, führte Schori weiter aus. Hintergrund der Spannungen mit den konservativeren anglikanischen Kirchen war vor allem die Berufung des bekennenden homosexuellen Theologen Gene Robinson zum anglikanischen Bischof von New Hampshire 2003, für einige aber auch die Wahl einer Frau - eben Jefferts Schori - an die Kirchenspitze.
Die "Consultation", ein Zusammenschluss von für Gerechtigkeit eintretenden Gruppen innerhalb der Episcopal Church, hatte zuvor die folgende Mitteilung herausgegeben, offensichtlich vergeblich. (Die für eine gleichberechigte Mitwirkung von Schwulen und Lesben eintretende Gruppe "Integrity" ist eines der Mitglieder von "Consultation").
Eine Botschaft der "Consultation" an die Bischofsversammlung [der Episcopal Church, USA], während diese über ihre Botschaft an die [Anglikanische Welt-] Kirche nachdenkt.
Die 13 Gründungsmitglieder der "Consultation", die unabhängige, für Gerechtigkeit eintretende Organisationen innerhalb der Episcopal Church vertreten, möchten die Mitglieder der Bischofsversammlung daran erinnern, dass sie eine der beiden Kammern der "General Convention" vertreten, und eine Gesamtheit der Getauften in der Episcopal Church.
Jede Botschaft, die Sie herausgeben, muss sich daran orientieren, dass das "Executive Council" eine sehr klare Stellungnahme in dieser Sache herausgegeben hat, und dass die "General Convention" [die USA-weite Synode] in dieser Sache nicht vor ihrem Treffen im Jahr 2009 etwas sagen kann.
Wir denken an die Übereinkunft, die in der Taufe begründet ist, die uns dazu aufruft, die Würde jedes menschlichen Wesens zu respektieren. Es ist nicht respektvoll, unseren schwulen, lesbischen und Transgender-Schwestern und -Brüdern gegenüber, wenn wir ihnen sagen, dass sie volle Teilhabe in der Kirche haben, und wenn wir dann Einschränkungen bezüglich ihrer Teilhabe an irgendeiner Ebene des Lebens der Kirche beschließen.
In der Präambel der 2006 beschlossenen Plattform der "Consultation" bekräftigen wir, dass wir das Bild Gottes und das Bild Christi in anderen und in uns selbst sehen. Wir glauben, dass alle Getauften berufen sind, an der Leitung und an der Mission der Kirchen auf allen Ebenen teilzunehmen. Wir sehen ein Zunehmen des Einflusses der Bischöfe als Ungleichgewicht im Körper [der Kirche als Ganzes].
Wir bitten Sie dringend, diese Dinge in Ihrem Sinn und in Ihrem Herzen zu haben, wenn Sie Ihre Erklärung formulieren. Die heiligen Versprechungen der Taufgemeinschaft und der Tradition und des Erbes der Teilhabe an der Leitung der Episcopal Church dürfen nicht für eine einzelne Lambeth-Konferenz dahingegeben werden.
Wir bitten Sie als Bischöfe dringend, sich nicht vom Rest der Priesterschaft aller Gläubigen in der Episcopal Church zu trennen, und [stattdessen] die bedingungslose Liebe Gottes anzunehmen, die Fleisch geworden ist in der radikalen Annahme durch Jesus Christus. Möge der Heilige Geist mit Ihnen sein, um Sie mit Kraft und Mut in diesen schweren Tagen zu führen, als ordinierte Führer der Kirche.
Integrity
TransEpiscopal
Episcopal Urban Caucus
Episcopal Peace Fellowship
Episcopal Women’s Caucus
Union of Black Episcopalians
Episcopal Ecological Network
National Episcopal AIDS Coalition
Province VIII Indigenous Ministries
Episcopal Church Publishing Company
Episcopal Network for Economic Justice
Episcopal Asiaamerica Ministry Advocates
Associated Parishes for Liturgy and Mission
(Übersetzung: Reinhold Weicker, Pressesprecher der Bundes-HuK)
Das Einknicken der Bischofskonferenz im September - in Anwesenheit des Erzbischofs von Canterbury, wie gemeldet wurde - hat aber offensichtlich auf die theologisch konservative, auf Feindseligkeit gegenüber Lesben und Schwulen eingeschworene Minderheit der US-Anglikaner nicht viel Eindruck gemacht, wie z.B. die folgende Meldung vom 10.12.2007 vermuten lässt:
Anglikanische Diözese trennt sich von US-Kirche
Zum ersten Mal hat sich eine Diözese von der anglikanischen Episkopalkirche in den USA losgesagt. Mit überwältigender Mehrheit haben die Kammern der Geistlichen und der Laien der kalifornischen Diözese von San Joaquin am 8. Dezember in Fresno die Abspaltung beschlossen.
Die Diözese mit 47 Pfarreien und 8.000 Mitgliedern schließt sich der südamerikanischen "Anglikanischen Kirche des Südlichen Kegels" an. Grund für die Trennung von der 2,4 Millionen Mitglieder zählenden Episkopalkirche sind Auseinandersetzungen um die Haltung zur Homosexualität. Auslöser war im Jahr 2003 die Weihe des schwulen Bischofs Gene Robinson, der mit seinem Partner zusammenlebt. Gegen diese Bischofsweihe, gegen die Ordination homosexueller Geistlicher sowie gegen die Segnung von schwulen und lesbischen Partnerschaften laufen die theologisch konservativen Anglikaner Sturm, insbesondere die wachsenden Kirchen auf der Südhalbkugel. Sie berufen sich unter anderem auf einen Beschluss der letzten Weltkonferenz von 1998, wonach praktizierte Homosexualität unvereinbar mit der Bibel und den Kirchenlehren ist.
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