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Nach mehreren Verschiebungen gibt es ein offizielles Communiqué vom Treffen der "Primates" (der Leitenden Bischöfe) der verschiedenen
weltweiten "Provinzen" der Anglikanischen Kirche ("Anglican Communion"). Diese umfasst weltweit ca. 77 Millionen Mitglieder; deren Vorsitzender (ohne Lehramts-Autorität - also nicht vergleichbar mit dem Papst) ist der
Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams. Mit den Anglikanern in Abendmahlsgemeinschaft verbunden sind u.a. auch die deutschen Alt- und die Schweizer Christkatholiken.
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Als Anlass für die Zerwürfnisse werden gesehen
- die Wahl und die Bestätigung eines offen schwulen Mannes (Gene Robinson)
zum Bischof in der Episcopal Church in den USA (2003) (vgl. unseren damaligen Aktuell-Beitrag);
- die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften sowie
- die Wahl einer Frau (Katharine Jefferts Schori) als "Presiding Bishop" (und damit "Primate") der Episcopal Church in den USA im Jahre 2006.
Sie ist die erste Frau, die in ein solches Amt gewählt wurde und sie hatte sich explizit für die Bestätigung von Bischof Robinson eingesetzt.
Der optisch deutlichste Ausdruck der sich abzeichnenden Kirchenspaltung war die Tatsache, dass bei einem offiziellen Gottesdienst beim Treffen der leitenden Bischöfe (gehalten von Erzbischof Rowan Williams) sich sieben Bischöfe weigerten, am Abendmahl teilzunehmen, weil auch Bischöfin Schori teilnahm. Beobachter hatten aber vermerkt, dass es bei einem früheren Treffen der leitenden Bischöfe noch 14 Bischöfe gewesen waren, die einen solchen Schritt taten.
Das Communiqué traf auf scharfe Kritik von Integrity, dem Verband schwuler Chisten und lesbischer Christinnen innerhalb der Episcopal Church, und von anderen ähnlichen Organisationen. Die Integrity-Pressemitteilung vom 20.02.2007 enthielt u.a. die folgenden Sätze (in - freilich inoffizieller - Übersetzung von Reinhold Weicker):
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"Die Vorsitzenden Bischöfe der Anglikanischen Kirchengemeinschaft haben drastisch darin versagt, den Glauben, die Beziehungen und die Berufungen der getauften Schwulen und Lesben anzuerkennen" sagte die Präsidentin von Integrity, Susan Russell, in Antwort auf das Communiqué, das heute in Daressalam veröffentlich wurde. ... "Lasst uns beten, dass es nicht wieder hundert Jahre dauert, bis Leitende Bischofe, die jetzt noch nicht geboren sind, sich zu einem Gottesdienst der Buße treffen für das, was die Kirche ihren schwulen und lesbischen Mitgliedern heute angetan hat, ähnlich wie sie gestern in Sansibar Buße taten für das, was denen angetan wurde, die die Kirche [früher] als volle Mitglieder des Leibes Christi anzunehmen versäumt hatte." |
Pfarrer Michael Hopkins, unmittelbarer Vorgänger als Präsident von Integrity, reagierte so: "Jesus weint, und ich tue es auch. Wenn das Haus der Bischöfe (oder ein anderes Gremium mit Autorität in dieser Kirche [der Episcopal Church der USA]) vor diesen Forderungen kapituliert und Schwule und Lesben dem Götzenbild "Werkzeuge der Einheit" opfert, dann würde es Vollstrecker eines "Gegen-Evangeliums" werden, das viele abschrecken wird (und abschrecken sollte)."
Integrity ermuntert seine Mitglieder und Freunde, in direkten Kontakt mit ihren Bischöfen zu treten und sie dringend zu bitten, die Forderungen der Vorsitzenden Bischöfe zurückzuweisen. Unsere Führung [d.h. die von Integrity] wird um ein sofortiges Treffen mit der Leitenden Bischöfin bitten, um unsere tiefe Besorgnis auszudrücken, und um das Entscheidungsgremium ("Executive Council") zu ermutigen, auf dem Einschluss aller Bereiche der Dienste in dem gegenwärtigen Prozess der Urteilsfindung über Vorgänge innerhalb der Anglikanischen Gemeinschaft teilzuhaben.
Die Einschätzung von Dr. Weicker dazu: "Die Episcopal Church der USA hat sich mit früheren Entscheidungen bewusst für Schwule und Lesben geöffnet, ähnliches tat die Anglikanische Kirche in Kanada. Sie muss jetzt entscheiden, ob ihr das Ziel `Einheit der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft erhalten´ so wichtig ist, dass sie darüber die früheren Einsichten verleugnet."
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Nachtrag im März 2007:
In ihrem Antwortschreiben vom 20. März 2007 versichert die Episcopalkirche, dass sie Mitglied der Anglikanischen Weltgemeinschaft bleiben will und von ihrer Seite auch keine Brücken abbrechen wird, auch wenn dies von der anderen Seite aus geschehen sollte. Sie bedauert, dass die anglikanische Weltgemeinschaft sich nicht an die Zusagen gehalten habe, keine "Grenzverletzungen" vorzunehmen; gemeint ist damit, dass sich einzelne fundamentalistische Gemeinden in den USA ausländischen Mitgliedskirchen der anglikanischen Weltkirche wie z.B. dem homofeindlichen afrikanischen Bistum von Bischof Akinola angeschlossen haben. Die Episcopalkirche werde es aber nicht hinnehmen, sich "erstmals seit der Trennung der anglikanischen Kirche vom Papst im 16. Jahrhundert" fernen Autoritäten zu beugen statt den in den eigenen Gliederungen vor Ort demokratisch entwickelten Beschlusslagen zu folgen. Das gelte insbesondere im Hinblick auf die volle gleichberechtigte Teilhabe der Frauen in der Kirche sowie die der Lesben und Schwulen. - Das heißt also, die BischöfInnen der Episcopalkirche blieben fest und werden weder die Frauenordination noch die volle Akzeptanz von Lesben und Schwulen in ihrer Kirche dem Einheitswunsch opfern!
Weitere Einzelheiten einschließlich provisorischer Übersetzungen der betreffenden Dokumente ins Deutsche sind auf einer speziellen Webseite der Bundes-HuK zu finden unter:
www.huk.org/texte/episcopal-anglikaner-kontroverse-2007.htm (*)
(*) ACHTUNG: Obiger Link wird nicht gepflegt! Sollte dieser Beitrag nicht mehr im Internet zu finden sein - und nur dann - kann er als TextOnDemand (in Form einer pdf-Datei) per email mit dem Betreff "Anglikaner-Daressalam-Communique-2007" vom Internetredakteur der HuK Hannover erbeten werden:
Email an den Webmaster dieser Homepage & Internetredakteur
der HuK Hannover:
40plus@bkoenig-biocom.de
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Nachtrag im Mai 2007:
Das geistliche Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, der Erzbischof von
Canterbury Rowan Williams (ausgestattet mit einem Ehrenprimat, aber ohne Weisungsbefugnis; siehe oben), hat im Mai 2007 über 850 Einladungen zu der alle zehn Jahre stattfindenden "Lambeth-Konferenz" der Anglikanischen Bischöfe versandt, benannt nach Lambeth Palace, dem Amtssitz des Erzbischofs von Canterbury in London. Die Konferenz wird vom 16. Juli bis 4. August 2008 in der Universität von Kent (im Süden Englands)
stattfinden. Nicht eingeladen wurden (bislang) der schwule Bischof von New Hampshire, Gene Robinson, der wie erwähnt in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft lebt, und Bischof Martyn Minns von der neuen theologisch konservativen Konvokation der Anglikaner in Nordamerika (CANA). Ihr gehören 34 Gemeinden an, die sich aus den oben dargelegten Gründen von der anglikanischen Episcopalkirche in den USA abgespalten haben. Minns wurde am 5. Mai in Woodbridge im US-Bundesstaat Virginia vom Erzbischof von Lagos (Nigeria), Peter Akinola, einem international unrühmlich bekannten Hetzer gegen Menschenrechte für LGBT-Personen, zum Bischof ernannt.
Der Generalsekretär der Anglikanischen Weltgemeinschaft, Kenneth Kearon, soll allerdings Journalisten gegenüber geäußert haben, Erzbischof Williams denke darüber nach, Bischof Robinson doch noch als Gast zur Lambeth Konferenz einzuladen, seinen "Kontrahenten" Minns hingegen mit Sicherheit nicht. Der Unterschied zwischen den beiden sei, dass Robinson im Jahr 2003 ordentlich gewählt worden sei, während es sich bei der Gründung von CANA und der Einsetzung von Minns um eine Grenzüberschreitung innerhalb der Weltgemeinschaft der Anglikanischen Kirche handele.
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© Bundes-HuK und HuK Hannover e.V. Feb./März/Mai 2007 - letzte Änderung am 20.09.2008