Am 3. Januar 2007 ging bei dem einen oder anderen Freund schwuler Literatur, der zuvor ein entsprechendes Interesse bekundet hatte, aus Hamburg eine Antiquariatsliste ein mit der Aufstellung all jener Titel des Verlages rosa Winkel, deren Anzahl an Restexemplaren für die Listung im Verzeichnis lieferbarer Bücher zu gering war: Damit endete ein für alle Mal die Geschichte jenes Verlages der Zweiten deutschen Schwulenbewegung. Seit 2005 waren dessen Titel nicht mehr in jenem Verzeichnis zu finden und damit für den Buchhandel praktisch unerreichbar. Im Jahre 2000 zum 25jährigen Bestehen noch groß gefeiert, kam von den für das Jahr 2001 angekündigten Titeln nur noch ein einziger heraus; der kleine Verlag war seither praktisch inaktiv. So wechselte denn auch Wolfram Setz mit seiner 1991 im Rahmen des Verlages von ihm begründeten "Bibliothek rosa Winkel" bald darauf zum Verlag MännerschwarmSkript in Hamburg (der nun auch alle übrigen Titel des Verlages und die nicht mehr zu listenden Restbestände übernommen hat). Wie inzwischen bekannt wurde, wurde der Verlag 2005, also im 30. Jahr seines Bestehens, von Amts wegen aus dem Handelsregister gestrichen.
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Schwule Geschichte als Buchreihe des Verlags rosa Winkel |
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Mit den letzten vier Buchtiteln unten soll nun aber auch verdeutlicht werden, dass im Verlag rosa Winkel nicht nur historische Themen, Theoriediskussionen der Schwulenbewegung und andere eher ernstere literarische Kost publiziert wurde, sondern auch so manch eher Unterhaltendes. Geradezu zum Klassiker avancierte dabei "Elvira auf Gran Canaria" - eine andere Art von Reiseführer mit liebevoll-spöttischem Blick auf schwules Leben und Treiben, gerade im Verlag MännerschwarmSkript wieder neu aufgelegt. Michael Sollorz´ Geschichten von Paul dürften die meisten schon aus der schwulen Presse kennen; neben Geschichten aus der Party-Szene steht hier am Schluss noch ein Krimi.
Brachte der Verlag rosa Winkel einstmals wichtige literarische Neuentdeckungen nicht nur aus dem deutschen Sprachraum heraus, die sonst vielleicht gar nicht erschienen wären, so ist ihm darin im Laufe der Zeit einige Konkurrenz erwachsen - schon seit längerem war er nicht mehr der einzige schwule Verlag in Deutschland. Zudem bringen heutzutage selbst die größeren Publikumsverlage schon eher schwule Titel heraus als zur Zeit seiner Gründung. Wenn daher die Lücke, die das Ableben des Verlages hinterlässt, für das schwule Buch global gesehen kaum mehr ins Gewicht fällt, so ist die lange Phase seiner Agonie und der damit verbundenen Nichtverfügbarkeit für die einzelnen Buchtitel und ihre Herausgeber und Autoren doch ein erheblicher Schaden und ein Ärgernis, wie Wolfram Setz zu Recht in seinem Beitrag "Rosarotes Trauerspiel - Wie ein Verleger die schwule Geschichte verspielt" (Gigi Nr. 46, November/Dezember 2006, S. 34-35) monierte. Denn in diesen Buchtiteln steckt ja viel Mühe, Zeit und nicht selten auch Geld der Autoren und Herausgeber - die Mühe und Zeit des Schreibens und Redigierens, der Beschaffung etwaiger Druckkostenzuschüsse und bisweilen auch eigenes Geld. Hoffen wir nun, dass die Bücher jetzt über MännerschwarmSkript wieder zugänglich gemacht und wo nötig auch wieder neu aufgelegt werden.
Bernd König, Internetredakteur der HuK Hannover
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© HuK Hannover e.V. 2007 - letzte Änderung am 28.05.2007