[ Pentagon hält Schwule für geisteskrank ]
[ Verfassungsänderung "zum Schutz der Ehe" scheiterte im Senat ]
[ "Gefallene" (Hass-)Prediger ]
[ Klares Nein zur Homosexuellenehe ]
[ Klares Ja hingegen in New Jersey ]
[ "Samenbank oder Jungfrauengeburt?" ]
Pentagon hält Schwule für geisteskrank
Im Juni 2006 meldete die Süddeutsche [Zeitung] in ihrem Online-Dienst, das Pentagon (US-Verteidigungsministerium) führe Homosexualität in seiner Direktive 1332.38 in einer Liste von "Geistesstörungen" (Persönlichkeitsstörungen und mentale Unterentwicklung). Das Dokument stamme aus dem Jahre 1996, wurde aber 2003 in seiner Gültigkeit bestätigt, obwohl die Wissenschaft mehr als 30 Jahre zuvor die Homosexualität aus der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen hatte (und die WHO [Weltgesundheitsorganisation] am 17. Mai 1990 aus ihrem Diagnoseschlüssel).
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Verfassungsänderung "zum Schutz der Ehe" scheiterte im Senat
Gleichfalls im Juni 2006 hatte eine Gesetzesinitiative, die die Einführung der "Homo-Ehe" stoppen sollte, die erste Hürde im Senat nicht genommen. Mit 49 gegen 48 Stimmen verhinderten die Senatoren, dass über eine entsprechende Ergänzung der Bundesverfassung abgestimmt wurde.
Für eine Annahme des "Eheschutzgesetzes" wären 67 Stimmen - zwei Drittel der 100 Senatoren - erforderlich gewesen. Nach dem Gesetzentwurf würde der Status der Ehe nur für den Bund von Mann und Frau gelten, nicht aber für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Trotz der Niederlage im Senat musste sich das Repräsentantenhaus dann auch noch mit einer ähnlichen Vorlage beschäftigen. Die Erfolgschancen eines solchen Gesetzesvorschlages waren aber ohnehin nicht sehr hoch: Selbst wenn die Vorlage das Repräsentantenhaus und den Senat mit Zweidrittelmehrheiten passiert hätte, hätten sie noch mindestens 38 der 50 Bundesstaaten ratifizieren müssen.
Die Befürworter des "Eheschutzgesetzes", darunter Präsident George W. Bush, zeigten sich nach der Niederlage im Senat enttäuscht und uneinsichtig und bekräftigten, ihr Vorhaben nicht aufgeben zu wollen.
Zu den schärfsten Kritikern des "Eheschutzgesetzes" zählte der demokratische Senator Edward (Ted) Kennedy. Es handele sich "schlicht um Frömmelei", sagte der Katholik. Es sei an der Zeit, dass man sich wieder den wirklichen Bedrohungen amerikanischer Familien widme, etwa den steigenden Benzinpreisen und den Kosten des Gesundheitswesens. Gegner des "Eheschutzgesetzes" halten eine Verfassungsergänzung auch für überflüssig, weil die Definition der Ehe Sache der einzelnen Bundesstaaten sei. Befürworter wollen einer gleichrangigen "Homo-Ehe" auf Bundesebene den Riegel vorschieben. Sie erwarteten, dass sonst noch im Jahr 2006 Verfassungsgerichte der Bundesstaaten New Jersey, New York und Washington gleichgeschlechtlichen Paaren denselben Status zusprechen wie Ehen - was zumindest im Falle New Jersey auch eintrat (siehe unten); in New York hingegegen scheiterte das Anliegen mit 4:2 Stimmen, von Washington ist mir [dem HuK-Hannover-Internetredakteur] zur Zeit nichts bekannt. Gerichte in Kalifornien, Georgia, Maryland, New York und Washington hatten bereits Gesetze zum "Schutz der traditionellen Ehe" für verfassungswidrig erklärt.
Vertreter der katholischen Kirche, der Südlichen Baptisten, der Pfingstkirchen, der Lutherischen Kirche - Missouri Synode [das konservative Gegenstück zur ELCA], der Mormonen und der orthodoxen Juden - also die "üblichen Verdächtigen" - haben daraufhin eine "Religiöse Koalition für die Ehe" gebildet. Sie befürchten, dass z.B. christliche Hochschulen gezwungen werden könnten, verheiratete Schwulen- oder Lesbenpaare in ihren Studentenwohnheimen aufnehmen zu müssen. Möglicherweise wäre eines Tages auch der gemeinnützige Status einer religiösen Einrichtung bedroht, die keine "Homo-Ehen" zulässt - was natürlich sachlich richtig und durchaus wünschenswert wäre.
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"Gefallene" (Hass-)Prediger
Anfang November 2006 wurde Ted Haggard, seit 2003 Präsident der Evangelischen Allianz, einer Dachorganisation von 30 Millionen Evangelikalen in den USA, von einem Callboy als Stammkunde seit etwa drei Jahren geoutet, der zudem gern auch mal zu Drogen gegriffen haben soll. Haggard ist Familienvater mit 5 Kindern und war Hauptpastor der 14.000-Seelen-Mega-Gemeinde "Neues Leben" in Colorado Springs; angeblich sollte er bis zu seinem Outing fast täglich mit US-Präsident Bush telefoniert haben. Er trat von allen Ämtern zurück.
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Im Dezember trat dann ein weiterer homophober U.S.-Prediger nach Zwangsouting von seinen Ämtern zurück, ein Reverend Paul Barnes von der "Grace Chapel" in Denver, den ein anonymer Anruf bei seiner Kirche geoutet hatte. In einer Video-Botschaft gab Barnes seiner Gemeinde bekannt, dass er unter diesen Umständen nicht weiter als Priester tätig sein könne.
"Ich leide unter meiner Homosexualität seit ich ein 5 Jahre alter Junge war", so Barnes in dem Video, das Redakteure der Denver Post exklusiv sehen durften. "Ich kann die Nächte nicht zählen, in denen ich mich in den Schlaf geweint habe und Gott darum gebeten habe, das wegzumachen". Barnes war in dem Video zusammen mit seiner Ehefrau zu sehen. Barnes berichtet darin, dass er mit 17 Christ wurde und dass es ihm dabei geholfen habe, mit seiner Homosexualität umzugehen (*), dass diese Gefühle aber nie weggegangen seien (**). In seinen Predigten hatte er Homosexualität oft als Sünde bezeichnet.
(*) offensichtlich nicht, da er in die falschen - evangelikalen - Kreise geriet. Bei wirklich christlichen Gemeinden (und den der HuK entsprechenden Gruppen in den USA) hätte er die Chance gehabt, seine Homosexualität anzunehmen. [Der Internetredakteur]
(**) Wie denn auch?
Anders als der ein paar Wochen zuvor aus gleichen Gründen zurückgetretene Priester Ted Haggard hatte Barnes jedoch nie Stellung zu einem gesetzlichen Verbot der Homo-Ehe bezogen.
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Klares Nein zur Homosexuellenehe
Zuvor, Anfang November 2006, haben die Konservativen bei den Volksabstimmungen parallel zur Wahl zwar im Allgemeinen bittere Niederlagen einstecken müssen. Ein Ergebnis der Entscheidungen über 205 Vorlagen in 37 Staaten dürfte aber ganz im Sinne des Präsidenten gewesen sein: Sieben von acht Staaten haben sich für ein von den Republikanern gefordertes Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen ausgesprochen — Colorado, Idaho, South Carolina, South Dakota, Tennessee, Virginia und Wisconsin. Arizona hingegen war der erste Staat, der der Forderung der Konservativen eine Absage erteilte.
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Klares Ja hingegen in New Jersey |
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Und noch etwas zum Schluss:
"Samenbank oder Jungfrauengeburt?"
lautete eine saisonal nahe liegende Scherzfrage im Dezember in den USA auf Grund der Nachricht, die lesbische Tocher des US-Vizepräsidenten Cheney sei schwanger. Mary Cheney (37) ist eine der bekanntesten Homosexuellen der USA, zusammen mit ihrer langjährigen Partnerin Heather Poe (45).
Dick Cheney (65), Vizepräsident, ist nach dem Rücktritt von Rumsfeld der Lieblingsfeind der amerikanischen Linken. Dass ausgerechnet er eine homosexuelle Tochter hat, wurde ihm schon von der Opposition unter die Nase gerieben, als müsste gerade ihm das besonders peinlich sein. Auch jetzt mangelt es nicht an Häme: "Opa Cheney wird bis ans Lebensende schlaflose Nächte haben und darüber nachdenken, was er und seine Regierung den schwulen und lesbischen Paaren in diesem Land angetan haben", sagte Jennifer Chrisler vom Homosexuellenverband "Family Pride".
Die homophobe Rechtsauslegerin Janice Crouse vom Verband "Besorgte Frauen Amerikas" (Concerned Women of America) drohte damit, Bush und Cheney nun die politische Unterstützung zu entziehen. Mary Cheney, die als Beraterin ihres Vaters im letzten Wahlkampf mitgearbeitet hat, kämpfte als Aktivistin auch gegen das von den Republikanern geforderte Verfassungsverbot für Homo-Ehen. In Virginia, wo sie lebt, kann sie selbst keine legale Partnerschaft eingehen, und ihre Lebensgefährtin kann das Kind auch nicht adoptieren, wie das in anderen Bundesstaaten möglich ist.
Dick Cheney, durch seine ältere Tochter schon 5facher Grossvater, unterstützt dagegen seine Partei, hat sich in der Frage nach einem Verbot von Homo-Ehen aber immer ausweichend geäußert. Sein Büro verbreitete jetzt eine Erklärung, in der es hieß: "Lynn und Dick Cheney freuen sich in aufgeregter Erwartung auf ihr neues Enkelkind."
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© HuK Hannover e.V. 2007 - letzte Änderung am 07.03.2007