(Erweiterte Presseinformation der BASJ - Bundesarbeitsgemeinschaft schwuler Juristen - und des LSVD)Beim Jahresempfang der Evangelischen Akademie in Tutzing am 18. Januar 2006 hat Bundespräsident Horst Köhler ein Familienbild gefordert, das Alleinerziehende und Homosexuelle einschließt. Wörtlich führte er aus: |
![]() Bundespräsident Köhler bei seiner Tutzinger Rede |
... Und wo Kinder sind, da ist Familie. ... Kinder auf das Leben vorzubereiten, partnerschaftliche Lebensentwürfe zu verwirklichen, das kann in ganz unterschiedlichen Strukturen gelingen: in der Ehe, in nicht-ehelichen und auch gleichgeschlechtlichen Familien, in Patchwork- oder Einelternfamilien. Leitbild ist für mich nach wie vor die Ehe mit Kindern - bestimmt auch deshalb, weil ich selbst dieses Glück mit meiner Frau und unseren Kindern erfahren habe. Und wir Köhlers sind damit nicht alleine: Drei von vier Kindern leben bei ihren verheirateten Eltern, sagt uns die Statistik. Es komme mir darum niemand mit dem Gerede vom "Auslaufmodell Ehe". Und die meisten Menschen in diesem Land wünschen sich immer noch die Vater-Mutter-Kind-Familie. ...
Dazu erklärt Antje Ferchau, Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD): Erstmalig hat ein Staatsoberhaupt die Leistungen gleichgeschlechtlicher Familien gewürdigt. Die Worte des Bundespräsidenten sind eine große Ermutigung für schwule und lesbische Eltern und ein klares Signal gegen Diskriminierung.
Der LSVD hofft, dass der Aufruf zur Anerkennung von homosexuellen Familienkonstellationen von der Regierung ernst genommen wird. Nach wie vor sind Kinder in Regenbogenfamilien in rechtlicher und finanzieller Hinsicht schlechter gestellt als in herkömmlichen Familien. Wir erwarten weitere Schritte im Familien- und Steuerrecht, denn die Diskriminierung von Regenbogenfamilien geht zu Lasten der Kinder.
Kinder auf ein Leben vorzubereiten und partnerschaftliche Lebensentwürfe zu verwirklichen, das kann, wie der Bundespräsident zu Recht betont, auch von gleichgeschlechtlichen Elternpaaren geleistet werden. Dafür fehlen bisher jedoch die institutionellen Vorraussetzungen. Lesben und Schwule müssen viele Hindernisse überwinden, wenn sie Kinder in Pflegschaft nehmen wollen. Selbst eingetragenen Lebenspartnern wird die Möglichkeit verwehrt, gemeinschaftlich Kinder zu adoptieren. Deutschland braucht endlich ein gemeinsames Adoptionsrecht für homosexuelle Paare.
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Unterschwellig brodele es in der CSU und in Führungskreisen der katholischen Kirche, offen wolle aber niemand das Staatsoberhaupt angreifen, schreibt beispielsweise der Münchner Merkur. Zitiert wird dort in diesem Zusammenhang der sich schon seit langem als Homo-Hasser wie auch als Volksverdummer (*) profilierende CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis, laut eigener Homepage Jurist mit 1. und 2. juristischem Staatsexamen, dem jedoch der Unterschied zwischen Zivilrecht und Öffentlichem Recht nicht klar ist (*) - im Gegensatz zur Mehrzahl juristischer Laien! Er soll laut dieser Zeitschrift die gleichgeschlechtliche Elternschaft als "Scheinelternschaft" abqualifiziert haben. "Kindern, die in einer gleichgeschlechtlichen Gemeinschaft aufwachsen würden, fehle das Verständnis für Mutter und Vater", wird er zitiert. Dabei sollte man nie von der eigenen Intelligenz auf die anderer schließen!
(*) Im Vorfeld der Einführung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft behauptete er zum Beispiel im Beisein des (späteren) Internetredakteurs der HuK Hannover im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Marktkirche zu Hannover allen Ernstes sinngemäß, alles für eine Partnerschaft Wesentliche ließe sich mit Hilfe eines Anwalts resp. Notars regeln. Da fragt man sich doch, in welcher Lotterie der Mann wohl seine Examina gewonnen hat!
Zur Kritik aus der CSU am Bundespräsidenten Horst Köhler, erklärte Antje Ferchau, Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD):
Die engstirnige Kritik von CSU-Politikern an Bundespräsident Köhler zeigt: Den Kritikern geht Ideologie vor Kindeswohl. Auch Bayerns Landtagspräsident Glück (CSU) sollte klar sein: Politische Ausgrenzung gleichgeschlechtlicher Familien geht immer zu Lasten der Kinder.
Laut Statischem Bundesamt wachsen bereits in jeder achten gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft Kinder auf. Gerade im Interesse der Kinder ist eine vollständige rechtliche und finanzielle Gleichstellung dieser Familien geboten.
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Unter der URL http://www.bundespraesident.de/-,2.628288/Rede-von-Bundespraesident-Hors.htm ist die kpl. Rede im Internet zu finden. ACHTUNG: Dieser Link wird nicht gepflegt! Sollte die Rede dort nicht mehr zu finden sein - und nur dann - kann sie als TextOnDemand (in Form einer pdf-Datei) per email vom Internetredakteur der HuK Hannover mit dem Betreff "Tutzinger Rede" erbeten werden:
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© HuK Hannover e.V. 2006 - letzte Änderung am 09.02.2006