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US-Fernsehen: Zensur für kirchliche Toleranz

[Nach www.queer.de/news, 30.11. und 01.12.2004 (dk), und IKvu 02.12.2004]

Die homofreundliche protestantische United Church of Christ (UCC) beabsichtigte zum 1. Dezember eine vierwöchige US-weite Fernsehkampagne, um für Schwule und Lesben sowie ethnische Minderheiten zu werben. In dem 30-Sekunden-Werbespot verweigern zwei - weiße - Türsteher Schwulen (oder, genauer gesagt, zwei - ebenfalls weißen - Männern, die durchaus dem Anschein nach als homosexuelles Paar gelten können) sowie einer schwarzen Frau und einem Hispanic den Zutritt zu einer Kirche. Ein weißes, anscheinend heterosexuelles Paar und andere Weiße lassen sie hingegen hinein. Und dann erscheinen die Worte: "Jesus didnīt turn away people and neither do we." ("Jesus hat keine Menschen abgewiesen. Wir tun das auch nicht.") Die Schlusssequenz ist ein Schwenk über eine Menschenmenge offenbar in der Kirche, die auch zwei sich umarmende Frauen umfasst. Ein Sprecher erklärt daraufhin: "Es ist egal, wer Sie sind und wo Sie auf ihrem Lebensweg sind. Wir heißen Sie willkommen." Die Werbekampagne wurde bereits im April in sechs Regionen getestet. Nach Angaben eines Kirchensprechers seien die Reaktionen darauf fast durchweg positiv, teilweise sogar enthusiastisch, gewesen. Die United Church of Christ hat 1,3 Millionen Mitglieder in landesweit 6.000 Gemeinden. Die UCC war 1972 die erste protestantische Kirche, die offen schwule Männer zu Priestern weihte.

Sie finden den Videospot (Windows Media Player, 5,5 MB [!!!]) unter
http://www.stillspeaking.com/resources/com1-a.wmv im Internet - sofern noch präsent

[Hinweis: Dieser Link - wie auch die folgenden - wird nicht gepflegt; es gilt unser Disclaimer.]

Die beiden größten US-Fernsehanstalten CBS (http://www.cbs.com) und NBC (http://www.nbc.com) weigerten sich, diese bezahlte Werbung der Kirche United Church of Christ (UCC) auszustrahlen.

Von Seiten einiger Konsumenten und Medienbehörden wurde den beiden Sendern Heuchelei vorgeworfen und dass sie sich an der politischen Agenda des Weißen Hauses orientieren. Ein CBS-Mitarbeiter, der nicht genannt werden will, bestätigt diesen Vorwurf und das interne Streamlining der Belegschaft im Rahmen eines Reports, der auf die aktuelle Bush-Doktrin abzielt vor allem was das Verbot gleichgeschlechtlicher Hochzeiten betrifft. Dieser interne CBS-Report stammt laut New York Times (http://www.nytimes.com) aus dem vergangenen März.

Nach jener Meldung der von der IKvu [Initiative Kirche von unten] zitierten NYT geben beide Sender aber offiziell als Grund für die Absetzung des Spots das Nicht-Erlauben von so genannten "Advocacy-Advertising" an. CBS und NBC behaupten zu ihrer Verteidigung, dass sie einen anderen Spot der Glaubensgemeinschaft zu genau diesem Thema ohne Probleme gesendet hätten.

Laut www.queer.de/news bezeichnete NBC in einer Erklärung die 30-Sekunden-Spots als "zu kontrovers". CBS begründete danach aber ganz offen die Ablehnung mit der Politik der Bush-Regierung: "Der Spot ist nicht akzeptabel für unser Programm, weil die Exekutive derzeit eine Verfassungsänderung plant, die die Ehe als Bund zwischen Mann und Frau definiert und die Werbung den Ausschluss von schwulen Paaren und anderen Minderheiten von Einzelpersonen und Organisationen thematisiert."

UCC-Pfarrer John Thomas kritisierte die Entscheidung der TV-Anstalten: "Es ist ironisch, dass der Spot jetzt abgelehnt wird; schließlich haben in Wahlwerbesendungen beide Parteien alles darangesetzt, die Öffentlichkeit zu täuschen und Angst zu erzeugen. Das war in Ordnung, aber nicht ein Spot, der Minderheiten willkommen heißt." Kleinere TV-Sender wie Discovery oder TBS strahlen die UCC-Werbung aus.



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