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Terror im Namen des Herrn

(t-online-nachrichten 15.03.2004)

             Uganda - Opfer der LRA

Uganda - Opfer der LRA

Auf der Jagd nach der christlich-fundamentalistischen Terrorgruppe "LRA" ist die ugandische Armee in den Sudan eingedrungen. Mehrere tausend Soldaten seien jenseits der Grenze im Einsatz, berichtete die in Kampala erscheinende Zeitung "The New Vision" am Montag.

200 Flüchtlinge abgeschlachtet
In einem der schlimmsten Angriffe seit Jahren hatten LRA-Rebellen Ende Februar bei einem Angriff auf ein Flüchtlingslager im Norden Ugandas mehr als 200 Menschen getötet. Darunter waren vor allem Frauen und Kinder, die mit Benzin übergossen und angezündet wurden.

An der Spitze steht "Prophet" Joseph Kony
Die Gruppe nennt sich "Lordīs Resistance Army" - zu deutsch "Widerstandsarmee des Herrn". Ihr Anführer ist der selbst ernannte "Prophet" Joseph Kony. Die Mitglieder der Gruppe sehen sich als Christen, doch ihr Programm ist reiner Terror: Annähernd 20.000 Kinder hat die Sekte in den vergangenen 17 Jahren entführt, um sie wie Tiere als Kämpfer, Träger und Sex-Sklaven zu halten. Tausende Menschen wurden massakriert.

"Schlimmster vergessener Konflikt" der Welt
Im vergangenen November nannte die UNO den Bürgerkrieg der LRA den "schlimmsten vergessenen Konflikt" der Welt. Die Helfer der LRA sitzen ausgerechnet in der islamistischen Regierung des benachbarten Sudan, in dessen Süden die Kämpfer - zumeist entführte Minderjährige - ihre Basen haben.

Riesiger Rückzugsraum
Gelegentlich wird aber auch der sudanesischen Regierung der LRA-Terror zu viel: Wie auch jetzt wieder, gestattete die Regierung Uganda bereits im April 2001, die Rebellen auf ihrem Gebiet zu jagen. Bislang war jedoch jeder Feldzug in dem riesigen Territorium erfolglos.

Museveni braucht Erfolge
Für Ugandas Präsident, Yoweri Museveni, der seit seiner Wahl eines der größten Antikorruptionsprogramme des afrikanischen Kontinents gestartet hat, stellt der Bürgerkrieg im Norden eine Schlappe dar, die der Innenpolitiker ausgleichen muss. Sonst könnte das Vertrauen in seine Fähigkeiten schnell wieder abnehmen.

Mehrere Terrorsekten in Uganda
Die LRA ist nur eine von mehreren christlichen Terror-Sekten, die im östlichen Afrika ihr Unwesen treiben: 600 Gläubige einer christlichen Sekte im Südwesten Ugandas wurden 2000 von ihrem Anführer und dessen Helfern ermordet. Der hatte sich vor Racheakten gefürchtet, da der versprochene Weltuntergang zur Jahrtausendwende nicht eingetreten war.



By the way:

Gay in Uganda

In Uganda kann praktizierte Homosexualität mit lebenslänglich Gefängnis bestraft werden. Lesben und Schwule werden verfolgt, gequält und unmenschlich behandelt. Etwas hat sich schon geändert. Früher erklärte die Regierung, dass es keine Homosexualität im Lande gäbe. Im Zuge der AIDS-Prävention konnte sie diese Behauptung nicht mehr aufrecht erhalten und erklärt nun, dass es sich um eine aus dem dekadenten Westen eingeschleppte Seuche handelt. Eine in ganz Afrika verbreitete Meinung. Es gibt aber viele Beweise, dass es in den afrikanischen Ländern schon vor der Kolonialzeit Homosexuelle gegeben hat. Nicht die Homosexualität wurde importiert, sondern die Religionen (Christentum und Islam).

Gay in Uganda

Sehr erschwert wird ein coming-out und schwulenpolitische Arbeit durch die in Afrika herrschende patriarchale Familienideologie. Ein Mann herrscht absolut über die Großfamilie, die weithin noch bestimmende Lebensform ist.

Trotzdem entstehen unter größten Schwierigkeiten und Verfolgungen die ersten Gruppen, die sich für Lesben und Schwule einsetzen. Sie werden dabei besonders von Gay-Gruppen aus den USA unterstützt. Wie verhalten sich die christlichen Kirchen in dieser Situation? Der folgende Ausschnitt aus einem Artikel aus der taz wirft ein bezeichnendes Licht auf die Szene:

"Eine Schlüsselrolle beim Schüren homophober Gefühle spielt Martin Ssempa, ein fundamentalistisch-christlicher Pfarrer. Sein Credo ist, dass mit der richtigen Therapie ein Homosexueller in einen Heterosexuellen umgewandelt werden könne. Doch innerhalb der Kirchen gibt es auch Andersdenkende. Nach der Verfolgung Lwabaayis wurde, in Zusammenarbeit mit Integrity-USA, Integrity-Uganda gegründet. Der pensionierte anglikanische Bischof Christopher Ssenyonjo wurde ihr Vorsitzender. Er gilt neben Sylvia Tamale als der einzige Prominente seines Landes, der sich für die Gleichberechtigung Homosexueller einsetzt. Ssenyonjo schätzt, dass davon rund 600.000 in Uganda leben.

Gegner hat Ssenyonjo vor allem in seiner eigenen Kirche. Sie klagt den Bischof an, nur zu seinem persönlichen Vorteil Gay-Aktivist zu sein. Schwule zu verteidigen, sagt die Kirche, sei eine Garantie dafür, "jede Menge Spendengelder aus schwulenfreundlichen, westlichen Ländern zu bekommen". Ssenyonjo leidet unter Sanktionen: "Die Anglikanische Kirche Ugandas hat mein Einkommen gesperrt, mich ausgeschlossen. Mein Vorgesetzter Erzbischof Livingstone Nkoyoyo hat mir ein Predigtverbot erteilt." Doch Ssenyonjo betreibt weiter Seelsorge für Schwule und Lesben und feiert sonntags in Privathäusern die Messe."

(Der Ausschnitt ist einem Artikel von Van Oosterhout entnommen, der am 10.1.2004 im taz-Magazin erschienen ist. - Text und Foto aus HuK-Info Nr. 151, Januar - März 2004, S.38)

[ Vergleiche dazu auch Jan Feddersen über das "Voodoochristentum"! ]



Dazu an dieser Stelle noch zwei wichtige Bücher zum Thema Schwul- oder Lesbischsein in der Dritten Welt (Bibliographische Angaben sind durch einen Klick auf die Abbildungen erreichbar):

ai: Das Schweigen brechen Lutz van Dijk: Überall auf der Welt

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© 2004 HuK Hannover e.V. - letzte Änderung am 28.03.2004