Mehr als zehn Jahre nachdem Rainer Jarchow zu Deutschlands erstem AIDS-Pastor - in Hamburg - berufen wurde, wird nun auch in der hannoverschen Landeskirche eine (Viertel-) Stelle für die Seelsorge HIV-infizierter und an AIDS erkrankter Menschen eingerichtet. Der mit der Wahrnehmung dieser Aufgabe beauftragte Pastor E. F. Heider wird sich in Kürze zu einem Gespräch zum gegenseitigen Kennenlernen mit der Niedersächsischen AIDS-Hilfe und der Lazarus-Legion treffen. Dies ist zunächst erst einmal eine erfreuliche Nachricht für die Betroffenen in unserer Region.
Weniger erfreulich ist diese Nachricht allerdings, wenn man den Hintergrund und die näheren Umstände dieser Berufung betrachtet: So hatte es Anfang Dezember vorigen Jahres ein Gespräch zwischen Pastor Hans-Jürgen Meyer von der HuK Hannover sowie Vertreterinnen und Vertretern der Lazarus-Legion und der Niedersächsischen AIDS-Hilfe bei der Landesbischöfin gegeben, um sich über die zukünftige AIDS-Arbeit auszutauschen und Ideen zu entwickeln, wie dem Thema AIDS wieder zu mehr öffentlichem Bewusstsein zu verhelfen sei. Bei dieser Runde wies u.a. Pastor Meyer darauf hin, dass die hannoversche Landeskirche noch immer keinen offiziellen Beauftragten für AIDS-Seelsorge hat.
Nachdem die Initiative hierfür somit von der HuK Hannover ausging, erscheint es uns als schlechter Stil, in der Frage der personellen Besetzung dann nicht mit einbezogen worden zu sein. Stattdessen wurde hier ohne persönliches Gespräch mit den Beteiligten gleichsam von oben herab entschieden. Dies ist umso ärgerlicher, als gerade Herr Pastor Meyer als Selbstbetroffener über 15 Jahre ehrenamtlich alle Facetten der AIDS-Arbeit gründlich kennengelernt und insbesondere die seelsorgerliche Begleitung mit großem Engagement wahrgenommen hat. Ohne Herrn Pastor Heider die Kompetenz absprechen zu wollen, wovon wir weit entfernt sind - wir und die beiden anderen in der AIDS-Arbeit engagierten Organisationen kennen ihn ja noch gar nicht -, hätte es da doch näher gelegen, erst einmal auf Herrn Pastor Meyer wegen dieser Aufgabe zuzugehen. Dies auch im Hinblick darauf, dass er ja an der Henriettenstiftung lediglich eine Dreiviertelstelle als Krankenhausseelsorger wahrnimmt - als Pastor im Wartestand in Folge der langjährigen Auseinandersetzung zwischen der Landeskirche und ihm um seine Homosexualität.
So hat es den Anschein, als ginge es der Landeskirche nach wie vor nur darum, deutlich zu zeigen, dass Herrn Pastor Meyer kein anderer Status zusteht als der Wartestand und dass er deswegen auch keine Chance hat und keine bekommt. Nur zur Erinnerung für diejenigen, die es vergessen oder bisher nicht gewusst haben: Als Pastor Rainer Jarchow vor mehr als zehn Jahren in Hamburg zum ersten AIDS-Seelsorger Deutschlands berufen wurde, war der dortigen Kirchenleitung nicht nur bekannt, dass er offen schwul lebte, nein, für die Wahrnehmung dieser Aufgabe war das sogar ausdrücklich so gewünscht!
Bernd König, Internet-Redakteur der HuK Hannover
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Nachträge 2006 und 2007: Gegen Ende des Jahres 2005 hat die Landeskirche Hannover nach 21jähriger Auseinandersetzung um die Person von Herrn Pastor Meyer mit der Beendigung seines Wartestandes einen Schlussstrich gezogen, weil alle Seiten dazugelernt haben. Dies gibt Anlass zur Freude, denn nun können wir die weitere Zusammenarbeit ganz unverkrampft gestalten.
Im Februar 2007 konnte das Leitungsteam der HuK Hannover Herrn Pastor Heider als Gast bei seiner turnusgemäßen Arbeitssitzung begrüßen und vereinbarte mit ihm eine künftigere Intensivierung der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der AIDS-Seelsorge in Hannover.
Am 2. September 2007 wurde dann Hans-Jürgen Meyer in sein neues Amt als Pastor in der Altenpflege der Henriettenstiftung in der Simeonkirche in Hannover-Kirchrode eingeführt. (Hier gelangen Sie zur Eingangsseite der Bild- und Textseiten zu diesem Ereignis.)
© 2004 HuK Hannover e.V. 04.03.2004 -
Ergänzungen am 26.03.2006, 03.03.2007, 23.12.2007 und 06.01.2008