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Liebe verdient Respekt - Unter diesem Motto demonstrierten Schwule und Lesben am katholischen Familiensonntag auch vor dem Hildesheimer Dom

(Demonstration von Mitgliedern des BEFAH, von Arcus, der HuK Hannover, dem SFK Hildesheim und anderen am 18.01.2004)


Protestaktion vor acht Domen

Mehrere hundert Homosexuelle haben am Sonntag vor acht katholischen Domkirchen in Deutschland gegen Diskriminierung von Schwulen und Lesben in der katholischen Kirche demonstriert. Die Aktionen fanden statt in Berlin, Frankfurt am Main, Hildesheim, Köln, Mainz, München, Stuttgart und Trier. Mit Flugblättern und Gesprächen wurde deutlich gemacht, dass auch Homosexuelle in ihren Partnerschaften als Familie leben, sagte der Sprecher des deutschen Lesben- und Schwulenverbands, Klaus Jetz, am katholischen “Familiensonntag“ in Berlin.

Der Protest, der auch von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di unterstützt wurde, habe sich außerdem gegen die Drohung von Bischöfen gerichtet, kirchliche Beschäftigte beim Eingehen einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft zu entlassen. (nach epd b0140/18.01.04)


Der Text des Flugblatts lautete wie folgt:


Liebe verdient Respekt.

Liebe Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes!

Heute begeht die Katholische Kirche ihren Familiensonntag. Aus diesem Anlass weisen wir darauf hin: Auch Lesben und Schwule gehören zur Familie. Sie sind liebevolle Töchter, Söhne, Schwestern, Brüder und gar nicht so selten selbst Eltern. Viele schwule wie lesbische Paare leben wie Eheleute zusammen. Sie lieben sich, sorgen füreinander und stehen füreinander ein — in guten wie in schlechten Tagen.

Wir protestieren gegen Berufsverbote

Seit dem 1. August 2001 können gleichgeschlechtliche Paare eine Eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Das Bundesverfassungsgericht hat ausdrücklich festgestellt: Das steht im Einklang mit dem Grundgesetz. Der Schutz von Ehe und Familie ist dadurch nicht berührt. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in katholischen Einrichtungen soll das Recht auf eine Eingetragene Lebenspartnerschaft aber verwehrt bleiben. Für die Deutsche Bischofskonferenz ist das Eingehen einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft ein „schwerwiegender Loyalitätsverstoß“. Kirchlich Beschäftigten, z.B. Krankenpflegern, Erzieherinnen oder Verwaltungsangestellten, wird mit Kündigung gedroht. Erste Maßregelungen sind bereits ergangen. Wir fordern die Bischöfe auf, diese diskriminierende Verordnung zurückzunehmen. Solange sie besteht, werden wir weiter protestieren. Menschen mit Berufsverbot zu bedrohen, weil sie eine Verantwortungsgemeinschaft eingehen wollen, ist hartherzig und menschenfeindlich, ist Drohbotschaft statt Frohbotschaft. Gerade die Kirche sollte es unterstützen, wenn Menschen bereit sind, füreinander einzustehen. Wir meinen: Liebe verdient Respekt, auch die gleichgeschlechtliche Liebe.

Wir protestieren gegen Diffamierung

Heute am Familiensonntag erinnern wir auch daran: Besonders Eltern von Lesben und Schwulen hat es schwer getroffen, dass der Vatikan im Sommer 2003 gleichgeschlechtliche Liebe und damit ihre Kinder als „das Böse“ schlechthin bezeichnet hat. Kardinal Ratzinger hat sogar zum Widerstand gegen demokratisch beschlossene Gesetze aufgerufen. Wir sind froh darüber, dass viele gläubige Katholiken dieser Hasspredigt entschieden öffentlich entgegengetreten sind. Wir sind daher sicher, Rom spricht hier nicht für die Mehrheit der deutschen Katholiken. Wenn die Kirchenführung ihren menschenfeindlichen Kurs gegen Homosexuelle fortsetzt, wird sie sich in der Gesellschaft weiter isolieren.

Familie ist, wo Kinder sind

Viele Lesben und Schwule haben eigene Kinder, tragen Verantwortung für deren Erziehung und Wohlergehen. Trotz erster gesetzlicher Verbesserungen sind Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften aufwachsen, rechtlich und finanziell schlechter abgesichert als andere Kinder. Insbesondere die fehlende Möglichkeit zur Stiefkindadoption entzieht den Kindern Versorgungsansprüche und sorgt für Unsicherheit, wenn dem leiblichen Elternteil etwas zustößt. Das kann nicht im Interesse des Kindeswohls sein. Anstatt sich für die Kinder einzusetzen, machen die Katholischen Bischöfe massiv Front gegen weitere kindschaftsrechtliche Verbesserungen beim Lebenspartnerschaftsgesetz und schüren Vorurteile. Auch dagegen wenden wir uns am heutigen Familiensonntag. Familie ist, wo Kinder sind.



Es folgt ein Bericht zum Verlauf der Aktion in Hildesheim, an der sich auch die HuK Hannover beteiligt hatte:

Bericht über die Demonstration vor dem Dom zu Hildesheim am 18. Januar 2004

Von Franz Karl Diestel (Nach der Homepage des SFK Hildesheim, gekürzt)

Die Demonstration vor dem Dom zu Hildesheim wurde von der Stadt Hildesheim für die Zeit von 11.00 bis 12.30 Uhr auf der öffentlichen Straße vor dem Dom genehmigt. Der SFK [Schwuler Freundeskreis Hildesheim] informierte Bischof Joseph Homeyer mit Mail vom 17.01. über diese Demo. Ein Abdruck des obigen Flyers wurde beigefügt. Dem Aufruf des SFK Hildesheim folgten 20 Mitglieder der vorgenannten Gruppen. Sie trugen 10 verschiedene Demonstrationsschilder mit u.a. folgenden Aufschriften:

Eine Abordnung der Polizei begleitete unsere Anwesenheit, um uns zu "beschützen". Es gab jedoch keine Aufsehen erregenden Vorfälle. Der 10.00 Uhr-Gottesdienst war nur von ca. 60 Gläubigen, meist älteren Menschen, besucht worden. Die an den Kirchentüren ausgehändigten Infoblätter wurden überwiegend ohne Kommentar angenommen. Ablehnungen hat es so gut wie gar nicht gegeben.

Leider war kein Vertreter der örtlichen Presse erschienen, obwohl nach Mitteilung des LSVD eine Vorabinformation erfolgte. So gab es auch weder vor noch nach der Veranstaltung eine Pressenotiz in der HAZ oder in den Wochenblättern. Die anwesenden Gruppenmitglieder fanden dies sehr bedauerlich. Es ist wieder einmal als Zeichen von Intoleranz gegenüber gleichgeschlechtlich liebenden Menschen anzusehen.

Hervorzuheben ist jedoch, dass der evangelische Pressedienst - epd - einen Bericht gegeben hat, der in den Wochenblättern der Ev. Kirchen veröffentlicht werden soll [vgl. oben "Protestaktion vor acht Domen"]. Außerdem hat sich der NDR vorher und während der Veranstaltung gemeldet, um sich über die Teilnehmerzahl und die Resonanz der angesprochenen Gläubigen zu informieren. Vertreter der Katholischen Kirche traten nicht in Erscheinung.


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© 2004 LSVD, SFK Hildesheim und HuK Hannover e.V. - letzte Änderung am 1.02.2004