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"Die In" der AIDS-Hilfen in Hannover

Nackter Protest in der City -
Aids-Hilfe demonstriert — bis die Polizei kommt
(HAZ [Hannoversche Allgemeine Zeitung], 20.November 2003, "tof")


Weniger Beratung, weniger Vorsorge und letztlich eine steigende Zahl von HIV-Infektionen in Hannover und ganz Niedersachsen: Diese Folgen befürchtet die Niedersächsische AIDS-Hilfe, wenn die Landesregierung im kommenden Jahr wie angekündigt den Zuschuss um 100 000 Euro kürzt. Rund 250 Mitglieder und Unterstützer der AIDS-Hilfe haben deshalb gestern unter dem Motto "Vorbeugen ist besser als sterben" auf dem Kröpcke gegen den Beschluss demonstriert.

Spektakulärer Höhepunkt des Protests war ein so genanntes "Die In": Sieben Männer legten sich nackt auf den Kröpcke und stellten sich tot. Zahlreiche Passanten blieben stehen, die Polizei beendete aber nach wenigen Minuten die Aktion. Den sieben Männern droht nun ein Bußgeld: Die Polizei ermittelt wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses".

"Wir wollten zeigen, wie ernst es uns ist", sagte Brigitte Litfin vom Vorstand der AIDS-Hilfe. "Wenn es bei der Kürzung bleibt, werden wir beim Personal kürzen und Abstriche bei unserer Arbeit machen müssen." Der FDP-Fraktionsvorsitzende Philipp Rösler hält die Kürzung für unabänderlich. Seiner Partei sei es immerhin gelungen, Pläne der CDU für eine weit höhere Streichung zu verhindern. "Wir wissen, dass das hart ist", sagte Rösler.

"Die In" der AIDS-Hilfen in Hannover

Zur niedersächsischen AIDS-Hilfe gehören 17 Einrichtungen, vier davon in Hannover: die Hannöversche AIDS-Hilfe, die Beratungsstelle für Prostituierte Phoenix, der Pflegedienst Sida sowie die Lazaruslegion. 2003 standen ihr dafür rund 1,3 Millionen Euro zur Verfügung.

Anzumerken bleibt zum Text, dass die Aktion "Die In" - wie selbst erlebt - trotz mehrfacher Aufforderung seitens der Polizei erst zum vorgesehenen Zeitpunkt abgebrochen wurde und auch keine nachteiligen Folgen für die Mitwirkenden zeitigte.

Was aber nicht in dem Artikel angesprochen wurde: Schon durch frühere Kürzungen sind manche Angebote - so etwa die Arbeit kleinerer AIDS-Hilfen im Lande - in ihrer Existenz bedroht. Viele Mitarbeiter sind nur mit Halbtagsverträgen beschäftigt, leisten aber freiwillig weit mehr als das, wofür sie - bescheiden - bezahlt werden. Ohne diese wenige hauptamtliche Arbeit ist aber auch das umfangreiche ehrenamtliche Engagement existenziell gefährdet.

Dass die Zahl an AIDS-Infizierten in Deutschland nicht so sehr angestiegen ist, wie es vor Jahren zunächst befürchtet wurde, ist sicherlich zu einem erheblichen Teil auch der Präventionsarbeit der AIDS-Hilfen zu verdanken. Nur wenige zusätzliche Erkrankungsfälle, die sich hätten vermeiden lassen, könnten - vom menschlichen Leid einmal abgesehen - schnell ein Mehrfaches der durch die Kürzungen eingesparten Mittel verschlingen. Doch dafür müssen dann andere zahlen.

Der Internetredakteur der HuK Hannover

"Die In" der AIDS-Hilfen in Hannover

© der Fotos: (1) HAZ, (2) J. Rattay, www.pink-gay.de


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