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Spaltet schwuler Bischof Kirche?


Neue Presse (Hannover) vom 4.11.2003

Gene Robinson bei der Bischofsweihe

Die Bischofsweihe für den homosexueilen Priester Gene Robinson hat die Anglikanische Kirche in der ganzen Welt in eine tiefe Krise gestürzt. Begleitet von Protesten konservativer Geistlicher, wurde der 56-Jährige gestern in das Amt des Bischofs der Episkopalkirche im US-Staat New Hampshire eingeführt.

Die Kirche ist Teil der 77 Millionen Mitglieder zählenden Anglikanischen Weltkirche, die jetzt offenbar vor einer Spaltung steht: Etliche Kirchenführer kündigten an, Robinson nicht als Bischof anerkennen zu wollen.

Der Konflikt über den Umgang mit Homosexualität trat auch während der dreistündigen, sehr emotionalen Zeremonie offen zu Tage, zu der rund 4000 Menschen in eine Sportarena der Universität von New Hampshire gekommen waren. Stellvertretend für 38 Bischöfe der Episkopalkirche und der Anglikanischen Kirche von Kanada sprachen sich zwei anwesende Geistliche gegen die Bischofsweihe aus. Robinsons Lebensstil sei "nicht mit der heiligen Schrift und den Lehren dieser Kirche vereinbar", erklärte David Bena, der eine vorbereitete Erklärung verlas.

Robinson, dem mindestens 40 weitere Bischöfe zur Amtseinführung die Hände aufgelegt hatten, sagte, er reiche all jenen die Hand, die am Rande der Gesellschaft stünden, wie dies auch Jesus getan habe.


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Dazu ein Kommentar:

SCHWULE PRIESTER

Zivilisation versus Voodoochristentum
DER WESTEN SOLL EINE KIRCHENSPALTUNG HINNEHMEN

Jan Feddersen, taz 4.11.2003 (aus HuK-Info Nr. 151, Januar - März 2004)

Ihr Nein fällt fundamental aus, für einen Kompromiss gibt es keinen Spielraum: Homosexualität werde von der Bibel verurteilt, Männer und Frauen, die schwul oder lesbisch sind, können kein prominentes kirchliches Amt bekleiden. In der anglikanischen Kirche sind es vor allem die Mitgliedskirchen der Dritten Welt, die hasserfüllt die Wahl des offen schwulen Gene Robinson zum Bischof der Episkopalkirche von New Hampshire in den USA kommentiert haben. Faktisch werde diese Diözese nicht mehr anerkannt.

Kirchenrechtlich nennt man dies Schisma - eine Kirchenspaltung, die von Bischöfen und Kirchenfunktionären aus der nichtwestlichen Welt in Kauf genommen wird. Homosexualität gilt als Ausdruck westlicher Dekadenz, ein liberales Verständnis vom menschlichen Zusammenleben als Auftakt einer Wanderung in die Hölle. Was freilich wie eine erregt geführte Debatte in der anglikanischen Kirche aussieht, ist Ausdruck einer Tendenz insgesamt: Religionen jenseits des säkularen Westens kultivieren ein Menschenbild, das in Europa und Nordamerika mindestens umstritten ist. Ihnen zählt der Spruch "Seid fruchtbar und mehret euch" als Leitlinie, nicht das wichtigste jesuanische Gebot der Liebe zum Nächsten. Sie lesen die Bibel wie eine Anleitung zum Hokuspokus in Ewigkeit und suchen in ihr nicht den Gehalt.

Wobei auch in den protestantischen Kirchen die illiberalsten Mentalitäten aus der Dritten Welt zu uns gelangen; im Vatikan sind es in erster Linie Würdenträger aus jenen fast noch dem Aberglauben verhafteten Gesellschaften, die jede Nähe zur bürgerlichen Aufklärung scheuen. Die Folgen sind aus Europa hinlänglich bekannt: Heuchelei, Doppelmoral - und bewusst hingenommener Tod. Denn gerade die anglikanische Kirche in Nigeria verhindert in puncto AIDS eine Gesundheitspolitik der Prävention. Das Schisma möge in Kauf genommen werden, nicht nur in der anglikanischen Kirche. Die Dritte Welt soll ihre Voodoochristlichkeit (oder ihren Islam, er ist ebenso homophob) leben, wie sie es für nötig hält - der liberaler gewordene Westen darf nicht riskieren, selbst theologisch ins Mittelalter zurückzufallen.



Schwuler Bischof in sein Amt eingesetzt

Yahoo!Nachrichten: Montag 8. März 2004, 00:53 Uhr

Concord/USA (AP). Die anglikanische Episkopalkirche der USA hat erstmals einen Bischof, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt. In einer feierlichen Investitur wurde Gene Robinson am Sonntagabend in Concord als neuer Bischof von New Hampshire eingesetzt. Die Debatte um die sexuelle Orientierung des Geistlichen hat in der anglikanischen Gemeinschaft mit weltweit 77 Millionen Mitgliedern zu heftigem Streit geführt.

"Möge der Herr in Dir die Flamme der heiligen Barmherzigkeit und die Kraft des Glaubens schüren, der die Welt überwindet", sagte der Pfarrer von St. Paul's in seiner Predigt. Der bisherige Amtsinhaber Douglas Theuner überreichte Robinson den Bischofsstab. Damit steht dieser jetzt mehr als 12.000 Episkopalisten in 50 Gemeinden vor.

Der Geistliche war verheiratet und hat aus dieser Ehe zwei Töchter. Seit 15 Jahren lebt er mit seinem Partner Mark Andrew zusammen.

Die Episkopalkirche der USA ist mit ihren 2,3 Millionen Mitgliedern in der Bewertung der Homosexualität tief zerstritten. Mehrere konservative Bischöfe haben damit begonnen, ein Netz von Diözesen und Gemeinden aufzubauen, die sich Robinsons Lebensstil widersetzen. Im Ausland haben mehrere anglikanische Bischöfe erklärt, dass sie die Gemeinschaft mit der Episkopalkiche der USA nicht fortführen wollen.



Amtsantritt in New Hampshire
Erster homosexueller Bischof

n-tv.de, Montag, 8. März 2004

Der erste bekennende homosexuelle Bischof der Anglikanischen Kirche in den USA hat den Bischofsstab seiner Diözese erhalten. Bei seinem Amtsantritt habe Gene Robinson von den etwa 700 Gläubigen Beifall in der überfüllten Kirche in Concord im Bundesstaat New Hampshire erhalten, berichteten US-Medien. Der 56-Jährige kündigte an, er werde seinen langjährigen Partner heiraten, wenn dazu die gesetzliche Grundlage geschaffen würde.

Robinson war im November 2003 von der Episkopal-Kirche in einer feierlichen Zeremonie zum Bischof geweiht worden. Im August 2003 war er trotz massiver Widerstände in der Anglikanischen Kirche, zu der die Episkopalen gehören, von der Kirchenversammlung zum Bischof gewählt worden.

An Robinson hatte sich ein erbitterter innerkirchlicher Streit entzündet. Mehr als zehn Diözesen hatten sich wegen seiner Bischofsweihe eine unabhängige Struktur gegeben, die zu einer Abspaltung von der amerikanischen Episkopalkirche führen könnte. Zahlreiche Konservative haben bereits ihren Austritt angedroht. Dies könnte zur Spaltung von Gemeinden und Diözesen sowie schließlich zum Auseinanderbrechen der Kirchengemeinschaft mit derzeit rund 2,3 Mio. Mitgliedern führen. Die Anglikanische Kirche hat weltweit 77 Mio. Mitglieder.


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