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Auszeichnungen für ehemalige Leitungsteammitglieder der HuK Hannover

Verdienstmedaille für Franz Karl Diestel

Von Ralph Hoffmann (Nürnberg), 14.06.2003
Quelle: hannover.gay-web.de/archiv

Franz Karl Diestel

Es ist unüblich in Deutschland, dass Lesben und Schwule eine Ehrung durch die öffentliche Hand erhalten. Selbst im längst vergangenen Jahr des Ehrenamtes wurde alles mögliche an Aufopferungsbereitschaft geehrt, nur niemand aus der Homo-Szene. (*) Jetzt erhält aber mal einer von uns eine Ehrung: Franz Karl Diestel aus Diekholzen erhält vom Land Niedersachsen die Verdienstmedaille für vorbildliche Verdienste um den Nächsten.

Franz Karl Diestel, geb. Hartmann, 70 Jahre alt, ist seit 1988 aktiv in der niedersächsischen Schwulenbewegung tätig. Im gleichen Jahr trat er der Ökumenischen Gemeinschaft Homosexuelle und Kirche - HuK Hannover e.V. - bei. Die Belange der HuK waren Herrn Diestel sehr wichtig, er engagierte sich in starkem Maße und wurde schon 1991 in das Sprecherteam gewählt. Diese Funktion übte er mehr als 10 Jahre aus. In dieser Funktion gelang es ihm, Menschen aller Altersgruppen und sozialer Schichten für die ehrenamtliche Arbeit in der HuK zu begeistern. Besonders seinem Wirken ist es zu verdanken, dass die HuK Hannover als Regionalgruppe der Bundes-HuK als erster schwul-lesbischer Verein die Anerkennung als gemeinnützig und mildtätig erlangen konnte. Dies hat wesentlich dazu beigetragen, dass die HuK Hannover ihre projekteigenen Geschäfts- und Gruppenräume beziehen konnte.

1999 wurde Herr Diestel einer der gleichberechtigten Vorstände des Schwulen Forums Niedersachsen. Auf Grund seiner Kenntnisse und Erfahrungen konnte eine Neuordnung der Finanzen für die niedersächsischen Schwulenprojekte erfolgreich umgesetzt werden.

Seit dem Jahre 2000 widmet sich Herr Diestel intensiv dem Neuaufbau einer Selbsthilfegruppe schwuler Männer und lesbischer Frauen in Hildesheim mit der Schwerpunktsetzung Einzelfallberatung, Organisation von Veranstaltungen, Kontakt zu Politik und Wirtschaft sowie Aufarbeitung der Schwulengeschichte der Hildesheimer Region. Höhepunkt war dabei die Aufarbeitung der Geschichte von Karl Heinrich Ulrichs, dem Vorkämpfer zur Befreiung homosexueller Männer vor gesetzlicher Verfolgung und gesellschaftlicher Ächtung. Zu seinen Ehren wurde in Hildesheim eine Gedenktafel enthüllt.

Ungewöhnlich an Herrn Diestels Biografie ist, dass er erst mit 55 Jahren, dann allerdings umso zielstrebiger, sein schwulenpolitisches Ehrenamt und Engagement begann. Zu einem Zeitpunkt, zudem sich üblicherweise die Mehrzahl schwuler Männer in das Privatleben zurückziehen, ist diese Zivilcourage besonders hervorzuheben.



(*) Die einleitende Ausführung von R.H. ist "nicht ganz" richtig, denn immerhin erhielten Manfred Bruns (1994), Eduard Stapel (1996) und Volker Beck (2002) vom LSVD-Bundesvorstand bis dahin schon das Bundesverdienstkreuz, ebenso bereits 1996 Dr. Herta Leistner (sie war 1974 bis 1994 Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Bad Boll und danach bis zum Ruhestand 2003 Studienleiterin am EKD-Frauen-Studien- und Bildungszentrum in Gelnhausen), sowie Monika Lehmann (2002) für ihr soziales und sozialpolitisches Engagement; auch gab es zuvor in Niedersachsen für eine andere aktive Mitstreiterin der HuK Hannover bereits eine Ehrung:

Bereits im Jahr zuvor, am 29.05.2002, wurde Sigrid Pusch, BEFAH-Vorsitzende und zeitweilig auch Leitungsteammitglied der HuK Hannover, von Niedersachsens Sozialministerin Gitta Trauernicht für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.

Sozialministerin Gitta Trauernicht zeichnet Sigrid Pusch aus

(Dazu aus der Homepage des BEFAH:) Elf Bürgerinnen und Bürger aus Niedersachsen sind für ihr soziales Engagement mit der Landesmedaille für vorbildliche Verdienste um den Nächsten ausgezeichnet worden. Sozialministerin Dr. Gitta Trauernicht händigte die Medaillen in einer Feierstunde an die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aus. Darunter auch Sigrid Pusch, die BEFAH-Vorsitzende.

Die Ministerin in ihrer Ansprache: "Wenn jugendliche und erwachsene Kinder sich als homosexuell outen, sind ihre Eltern meist völlig hilflos und emotional total überfordert. Dass sie mittlerweile im ganzen Bundesgebiet Hilfe bei anderen Eltern mit ähnlichen Erfahrungen finden können, ist Sigrid Pusch zu verdanken. Zusammen mit ihrem Ehemann gründete sie 1995 die erste Selbsthilfegruppe dieser Art [in Niedersachsen - der Internetredakteur]. Auf ihr Betreiben entstanden viele weitere Gruppen und schlossen sich 1997 zu einem Bundesverband zusammen, den Frau Pusch auch als Vorsitzende leitet. Neben Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit leistet Frau Pusch auch heute noch Hilfe im Einzelfall, um das Auseinanderbrechen der Familien und die drohende Ablehnung gegenüber den Kindern und damit große Gefahren bis hin zu einer Suizidgefährdung abzuwenden. Damit wurde eine empfindliche, lange tabuisierte Lücke im Gesellschaftssystem publik gemacht und gleichzeitig mit funktionierenden Hilfsstrukturen ausgefüllt."


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© HuK Hannover e.V. 18.06.2003 - letzte Änderung am 10.03.2009