Im Oktober 1995 begann alles damit, dass Hellmuth Pusch nach der Rückkehr von einer Jugendfreizeit seinen Eltern in Garbsen bei Hannover beim Kaffeetrinken sein Schwulsein "gestand". Auf ihre Fragen dazu bekamen sie bei ihrer örtlichen Kirchengemeinde, in der sie alle drei sehr aktiv waren, weder Antworten noch Hilfestellung. Anders war das dann, als Sigrid Pusch den Kontakt zur HuK Hannover fand, wo die Puschs "im Dreierpack aufliefen" und insbesondere von Pastor Klaus Brinker, von Franz Karl Diestel (damals noch Franz Hartmann) und dem "altgedienten schwulen Ehepaar" (seit 1967!) Klaus und Wolfgang alles zum Thema Schwules Leben zu hören bekamen, was sie wissen wollten - und auch manches mehr. Noch im selben Jahr begründeten Sigrid und Uwe Pusch zusammen mit einem anderen Elternpaar eines schwulen Sohnes und der Mutter einer lesbischen Tochter die Elterngruppe Hannover als Selbsthilfegruppe für Eltern lesbischer Töchter und schwuler Söhne, die dann zunächst im damaligen Home-Zentrum tagte, dann bald abwechselnd dort und bei der HuK Hannover in der Schuhstraße und seit dem Zusammenbruch des Home e.V. nur noch in der Schuhstraße.
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Elterngruppen hatte es schon seit einer Reihe von Jahren gegeben, zuerst in Hamburg und im Rheinland, dann auch anderswo; vom Land Niedersachsen gefördert - mit Begleitung durch das SFN [Schwules Forum Niedersachsen] - kam es 1993 zum ersten bundesweiten Treffen dieser Elterngruppen in Braunschweig, dem in zweijährigem Abstand weitere folgten. Auf dem Treffen 1997 in Hamburg-Rissen war es dann aber die Elterngruppe Hannover und insbesondere deren Vorsitzende Sigrid Pusch und ihr Mann Uwe, die die versammelten Eltern von der Notwendigkeit der Gründung eines Bundesverbandes überzeugten und sie dafür begeisterten, den Schritt von der Eltern-Selbsthilfe zum politischen Engagement für gleiche Rechte für ihre homosexuellen Kinder zu gehen. So wurde dann bald darauf mit der logistischen Unterstützung der HuK Hannover in der Thomasgemeinde in Laatzen bei Hannover, wo die HuK Hannover seit Jahren Gastrecht genoss, der Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen - BEFAH e.V. - aus der Taufe gehoben. Sigrid Pusch wurde zur Bundesvorsitzenden gewählt, Uwe Pusch zum Schriftführer. Franz Hartmann, kompetenter Autor der Satzung der HuK Hannover, entwarf auch die Satzung des neuen Bundesverbandes. Dieser leistete dank des ungeheuren Engagements insbesondere seiner Vorsitzenden wertvolle Arbeit von geradezu historischer Dimension vor allem im Vorfeld der Entwicklung, Einführung und Überarbeitung des Lebenspartnerschaftsgesetzes, organisiert seit 2001 auch die Bundeselterntreffen in Berlin (in Fortsetzung der 1993 in Braunschweig begründeten Tradition) und wurde mit Schwesterorganisationen in anderen Ländern Europas auch Mitbegründer des europäischen Dachverbandes EuroFLAG.
Bernd König
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Links: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit
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Kooperation BEFAH/Elterngruppe Hannover & HuK Hannover: |
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(Einladungsschreiben 10 Jahre Elterngruppe Hannover)
Den begeistert aufgenommenen Festvortrag hielt Frau Prof. Dr. Luise F. Pusch, lesbische Sprachwissenschaftlerin aus Hannover, Autorin und Herausgeberin lesbischer, feministischer und frauenbiographischer Bücher - jedoch mit "unserer" Familie Pusch "weder verwandt noch verschwägert" - unter dem launigen Titel "Vom Kreuz mit der Kirche zum Bundesverdienstkreuz". Dabei unterlag sie allerdings einem Irrtum, indem sie die Verdienstmedaille des Landes Niedersachsen, die Sigrid Pusch vor gut 3 Jahren überreicht worden war, mit dem Bundesverdienstkreuz verwechselte, das noch aussteht. Sie schilderte das berühmt gewordene Coming-out beim Kaffeetrinken und die Reaktion des Gemeindepfarrers, der die Homosexualität des Sohnes "gesundbeten" wollte. Unter anderem zitierte sie dann auch (sehr) frei aus der Bibel: "Es begab sich aber zu der Zeit, als von Sigrid Pusch ein Gebot ausging, lesbische Töchter und schwule Söhne wertzuschätzen ...". Ein wenig bitter war nur ihr Nachsatz, dass ihre eigene Mutter vor rund 40 Jahren bei ihrem Coming-out sich eher auf die Seite der Verfolger als die der Unterstützer geschlagen habe. Die Eltern dankten ihr für ihre offenen und herzlichen Worte mit lang anhaltendem Applaus.
Das Grußwort des Vorsitzenden der HuK Hannover e.V., Pastor Hans-Jürgen Meyer, verlas Leitungsteam-Mitglied Dr. Bernd König, u.a. auch Redakteur der Tagungsberichte der Bundeselterntreffen 2001 und 2003:
Grußwort zum 10jährigen Bestehen der Elterngruppe
Liebe Eltern, Freunde und Angehörige von Homosexuellen,
liebe Lesben und Schwule,
liebe Sigrid und Uwe, lieber Hellmuth (dich vergessen wir natürlich nicht, auch wenn du heute nicht dabei sein kannst),
gern hätte ich meine Glückwünsche persönlich ausgesprochen; aber heute bin ich ganz und gar in der Vorbereitung und Durchführung des Weihnachtskonzertes für Menschen, die behindert sind, und deren Freunde und Freundinnen, eingebunden. Dieses Engagement nehme ich nun auch schon 27 Jahre ehrenamtlich wahr und die Landeskirche hat mir dafür eine viertel Stelle angerechnet, so dass ich seit März dieses Jahres eine volle Stelle habe. Hinzu kommt - und das ist wirklich ein Grund zur Freude - nach 21 Jahren ist mein Wartestand aufgehoben und damit ist für mich nach all' den Demütigungen, Verletzungen und Diskriminierungen endlich ein Schlussstrich gesetzt worden.
Dass wir das noch erleben dürfen! Klaus hatte sich das immer so sehnlich gewünscht. Gern hätte ich mit euch auf dieses Ereignis und euer 10jähriges Bestehen ein oder auch zwei Glas Sekt getrunken, denn euer Engagement - Hilfe zu geben beim Coming-out der Eltern und Schwule und Lesben nicht als Kinder zweiter Klasse abstempeln zu lassen - hat mir jahrelang Mut gemacht und gezeigt, dass auch mein Einsatz nicht umsonst war.
Immer wieder höre ich gern mit großer Spannung zu, wenn Sigrid die Coming-out-Geschichte ihres Sohnes Hellmuth erzählt; denn damit hat ja sozusagen alles angefangen. Das Pusch-Trio - Helli, Sigrid und Uwe - kam leise und überraschend daher und zog sehr schnell weite Kreise und begeisterte durch Engagement, Lebensfreude und Solidarität. So manche gemeinsame Veranstaltung miteinander verbindet uns partnerschaftlich und freundschaftlich; verbindet uns und verbindet auch die Arbeit des BEFAH und der HuK Hannover.
Ich wünsche uns allen, dass wir genug Kraft und Unterstützung haben, den diskriminierenden Verlautbarungen nicht nur aus Rom, aus Warschau, Amerika und anderswo, aber auch im eigenen Land immer wieder Paroli zu bieten. Denn es ist und bleibt unser aller erklärtes Ziel: niemand darf aufgrund seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Bleiben wir mittendrin und nicht außen vor, was auch immer kommen mag. Hoch lebe das Lied der Liebe, denn das Lied der Liebe kennt viele Melodien. Hoch lebe die Elterngruppe, denn sie hat dieses Lied stets auf den Lippen und somit schon viele Menschen von ihrer verkorksten Sicht der homosexuellen Liebe befreit. Ich wünsche allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein neues Jahr mit weniger unheilvollen Nachrichten aus Rom, dafür aber vielen fröhlichen Resultaten der Elterngruppe und des Bundesverbandes.
Seid lieb umarmt
Euer Hans-Jürgen (Meyer)
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