(Mehr als) 30 Kirchentage



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Eine kurze Übersicht über die Kirchentage von einst bis jetzt

Vom 25. bis 29. Mai 2005 stand Hannover ganz im Zeichen des 30. Deutschen Evangelischen Kirchentages (DEKT). Damit kehrte dieser zum dritten Male - nach 1967 und 1983 - in seine "Geburtsstadt" zurück, die man auch als "das Rom der Protestanten" bezeichnen könnte, haben hier doch sowohl EKD als auch VELKD ihren Sitz. 1949 wurde hier aber auch die Kirchentagsbewegung begründet - vier Jahre nach dem Ende des Krieges und der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft, gegen die eine Reihe evangelischer Christen mutig und bis zur letzten Konsequenz Zeugnis abgelegt haben, während andererseits Mitläufertum und Mittäterschaft auch unter denen, die sich weiterhin Christen nannten, in erschreckendem Maße verbreitet waren. (So wurde etwa den Mitchristen jüdischer Abstammung und anderen Verfolgten des Regimes nur selten Hilfe zuteil und ein allgemeiner Widerstand oder zumindest ein Versuch der Kirchenleitung, ein Machtwort zu sprechen, blieben aus. [Auch das totale Aufführungsverbot der Werke des nach Johann Sebastian Bach zweiten großen Komponisten evangelischer Kirchenmusik, Felix Mendelssohn-Bartholdy, wurde widerstandslos hingenommen. Davon, wie wundervoll diese seither nahezu vergessene Musik auch jenseits der beiden Oratorien ist, möge man sich mittels der Einspielung des geistlichen Gesamtwerks - ohne Oratorien - auf 10 CDs von 2002 überzeugen.] Dass dies allerdings im Bereich der katholischen Kirche nicht anders war, muss dabei natürlich ebenso eingeräumt werden, wie der Umstand, dass wir Nachgeborenen leicht reden können, wissen wir im Nachhinein doch besser, wohin jene Massenhysterie der damaligen Zeit letztendlich führte - eine Massenhysterie, der wir so nicht ausgesetzt waren, wie auch keine vergleichbare Situation von uns den Mut und die moralische Integrität etwa eines Dietrich Bonhoeffer forderte.)

Die Zielsetzung, das eigene Gewissen zu schärfen und nie wieder einem Ungeist wie dem des Nationalsozialismus zu erliegen, war ein ganz wesentlicher Antrieb der Begründer der Kirchentagsbewegung, einer Laienbewegung unabhängig von der Amtskirche. Die Großveranstaltung "Evangelischer Kirchentag" findet seit 1949 alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Katholikentag statt, dessen Wurzeln ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Der Dialog zwischen Laien und Theologen - nicht nur - über Fragen des Glaubens ist sein Anliegen. Da es letztlich auch darum ging, Verantwortung für das Leben an sich zu übernehmen, nahmen auch Friedens- und Ökologiebewegung in Deutschland ihren Anfang auf den Kirchentagen. Nicht zuletzt wurde auf dem Berliner Kirchentag von 1977 auch die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) begründet, die dann in Nürnberg 1979 erstmals mit einem eigenen Stand auftrat. (Zwischen diesen beiden Kirchentagen nahm dann auch unsere Gruppe in Hannover ihren Anfang - vgl. unsere "Kurze Geschichte" in unserer Jubiläumsseite.) Dabei hatte schon 1965 in Köln der ökumenische Dialog zwischen evangelischen und katholischen Christen begonnen, vier Jahre zuvor in Berlin der jüdisch-christliche.

Bis 1961 gab es trotz der Teilung Deutschlands eine gemeinsame Kirchentagsarbeit. Dann teilte sich die Bewegung in Ost und West und vereinigte sich 1991 wiederum nach der staatlichen Vereinigung. Die ostdeutschen Kirchentage wurden nicht eigens mitgezählt, ebensowenig aber auch das Ökumenische Pfingsttreffen Augsburg 1971 und der Ökumenische Kirchentag Berlin 2003, als in diesem Jahr zum 30. Deutschen Evangelischen Kirchentag nach Hannover eingeladen wurde.

DIE KIRCHENTAGE IM ÜBERBLICK
(mit ihren Losungen)

  • 1. Hannover 1949
    Kirche in Bewegung
  • 2. Essen 1950
    Rettet den Menschen
  • 3. Berlin 1951
    Wir sind doch Brüder
  • 4. Stuttgart 1952
    Wählt das Leben
  • 5. Hamburg 1953
    Werft euer Vertrauen nicht weg
  • 6. Leipzig 1954
    Seid fröhlich in Hoffnung
  • 7. Frankfurt/Main 1956
    Lasset euch versöhnen mit Gott
  • 8. Berlin 1957
    Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott
  • 9. München 1959
    Ihr sollt mein Volk sein
  • 10. Berlin 1961
    Ich bin bei euch
  • 11. Dortmund 1963
    Mit Konflikten leben
  • 12. Köln 1965
    In der Freiheit bestehen
  • 13. Hannover 1967
    Der Frieden ist unter uns
  • 14. Stuttgart 1969
    Hungern nach Gerechtigkeit
  • Ökumenisches Pfingsttreffen Augsburg 1971
    Nehmet einander an ...
  • 15. Düsseldorf 1973
    Nicht vom Brot allein
  • 16. Frankfurt/Main 1975
    In Ängsten — und siehe, wir leben
  • 17. Berlin 1977
    Einer trage des anderen Last
  • 18. Nürnberg 1979
    Zur Hoffnung berufen
  • 19. Hamburg 1981
    Fürchte dich nicht
  • 20. Hannover 1983
    Umkehr zum Leben
  • 21. Düsseldorf 1985
    Die Erde ist des Herrn
  • 22. Frankfurt/Main 1987
    Seht, welch ein Mensch
  • 23. Berlin 1989
    Unsere Zeit in Gottes Händen
  • 24. Ruhrgebiet 1991
    Gottes Geist befreit zum Leben
  • 25. München 1993
    Nehmet einander an
  • 26. Hamburg 1995
    Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist
  • 27. Leipzig 1997
    Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben
  • 28. Stuttgart 1999
    Ihr seid das Salz der Erde
  • 29. Frankfurt/Main 2001
    Du stellst meine Füße auf weiten Raum
  • Ökumenischer Kirchentag Berlin 2003
    Ihr sollt ein Segen sein
  • 30. Hannover 2005
    Wenn dein Kind dich morgen fragt ...

Der 31. Deutsche Evangelische Kirchentag wird 2007 in Köln stattfinden,
der nächste Ökumenische Kirchentag voraussichtlich im Jahre 2010.
Von Oberbürgermeister Schmalstieg wurde angeregt, den Ökumenischen
Kirchentag 2017 dann wieder in Hannover stattfinden zu lassen.



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© 2005 HuK Hannover e.V. 01.06.2005 - letzte Änderung am 23.09.2005