Aktuelles - Nachträge

Zum Rücktritt der Landesbischöfin

Wir ergänzen an dieser Stelle unseren nachträglich eingefügten Absatz in einer Themenseite von Ende 2009 zum Rücktritt der hannoverschen Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzenden Dr. Margot Käßmann um den Text der Rücktrittserklärung sowie denjenigen eines Schreibens aus dem April 2010:



Pressekonferenz EKD - 24. Februar 2010

Rücktrittserklärung der Ratsvorsitzenden Dr. Margot Käßmann im Wortlaut

"Am vergangenen Samstagabend habe ich einen schweren Fehler gemacht, den ich zutiefst bereue. Aber auch wenn ich ihn bereue, und mir alle Vorwürfe, die in dieser Situation berechtigterweise zu machen sind, immer wieder selbst gemacht habe, kann und will ich nicht darüber hinweg sehen, dass das Amt und meine Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt sind. Die Freiheit, ethische und politische Herausforderungen zu benennen und zu beurteilen, hätte ich in Zukunft nicht mehr so wie ich sie hatte. Die harsche Kritik etwa an einem Predigtzitat wie "Nichts ist gut in Afghanistan" ist nur durchzuhalten, wenn persönliche Überzeugungskraft uneingeschränkt anerkannt wird.

Einer meiner Ratgeber hat mir gestern ein Wort von Jesus Sirach mit auf den Weg gegeben: "Bleibe bei dem, was dir dein Herz rät" (37,17). Und mein Herz sagt mir ganz klar: Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben. So manches, was ich lese, ist mit der Würde dieses Amtes nicht vereinbar. Aber mir geht es neben dem Amt auch um Respekt und Achtung vor mir selbst und um meine Gradlinigkeit, die mir viel bedeutet.

Hiermit erkläre ich, dass ich mit sofortiger Wirkung von allen meinen kirchlichen Ämtern zurücktrete. Ich war mehr als 10 Jahre mit Leib und Seele Bischöfin und habe all meine Kraft in diese Aufgabe gegeben. Ich bleibe Pastorin der hannoverschen Landeskirche. Ich habe 25 Jahre nach meiner Ordination vielfältige Erfahrungen gesammelt, die ich gern an anderer Stelle einbringen werde.

Es tut mir Leid, dass ich viele enttäusche, die mich gebeten haben, im Amt zu bleiben, ja die mich vertrauensvoll in diese Ämter gewählt haben. Ich danke allen Menschen, die mich so wunderbar getragen und gestützt haben, für alle Grüße und Blumen, die meiner Seele sehr gut getan haben in diesen Tagen. Dem Rat der EKD danke ich sehr, dass er mir gestern Abend deutlich sein Vertrauen ausgesprochen hat.

Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der hannoverschen Landeskirche und in der EKD, die mich haupt- und ehrenamtlich unterstützt haben. Insbesondere danke ich meinem engsten Team, das mir in manchem Sturm die Treue gehalten hat. Ich danke allen Freundinnen und Freunden, allen guten Ratgebern. Und ich danke meinen vier Töchtern, dass sie meine Entscheidung so klar und deutlich mittragen und heute hier sind.

Zuletzt: Ich weiß aus vorangegangen Krisen: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Für diese Glaubensüberzeugung bin ich auch heute dankbar. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."

Margot Käßmann



Unter den vielen Menschen, die tröstende und ermutigende Briefe an die zurückgetretene Landesbischöfin gerichtet haben, waren auch Mitglieder der HuK Hannover. Ihnen antwortete sie mit dem folgenden Schreiben:

Dr. Margot Käßmann - Hannover, im April 2010

Allen mitfühlenden Menschen, die mir durch Karten und Briefe Zeichen des Respekts und der Zuneigung aus Anlass meines Rücktritts vom Amt der Bischöfin der hannoverschen Landeskirche und der Vorsitzenden des Rates der EKD geschickt haben, möchte ich ganz herzlich danken!

Mehrere Tage lang habe ich Post geöffnet und gelesen und war sehr berührt von den vielen guten Wünschen, dem Respekt und Vertrauen, das zum Ausdruck gebracht wurde. Auch die Trauer, dass manche Hoffnung, die in mich gesetzt war, enttäuscht wurde, habe ich sehr bewusst wahrgenommen. Gefreut habe ich mich über den Dank, der für mein Engagement im bischöflichen Amt in mehr als zehn Jahren deutlich sichtbar geworden ist.

Es ist mir nicht möglich, Ihnen allen persönlich für den bezeugten Respekt zu danken, auf Anregungen, manches Nachdenkliche, Ratschläge und individuelle Fragen einzugehen. Dafür bitte ich Sie herzlich um Verständnis.

Für mich war es ein unendlich schwerer Schritt, meine Ämter aufzugeben. Zudem war der Anlass auch mit Blick auf die Vorbildfunktion natürlich beschämend. Die Verantwortung für mein Fehlverhalten trage ich ganz persönlich. Ihre Ermutigung aber hat mir schlicht gut getan, was für mich besonders wichtig war im Zusammenhang mit der öffentlichen Hetze und Häme, die danach in einigen Medien verbreitet wurde. Ihre Reaktion hat auch zu meiner Entscheidung beigetragen, am Ökumenischen Kirchentag in München teilzunehmen.

Viele von Ihnen haben mich gefragt, wohin mein Weg jetzt führen wird. Ich weiß es einfach noch nicht. Bis zum Sommer werde ich in Hannover bleiben, danach ergibt sich sicherlich eine Perspektive. Doch fühle ich mich weiterhin im gut biblischen Sinne "unverzagt". Der Paulusvers, den ich bei meiner Wahl zur Ratsvorsitzenden zitiert habe: "Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet" bleibt auch in dieser Situation für mich wegweisend.

In Verbundenheit,
Ihre Margot Käßmann



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